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Politiker wollen mit drastischen Massnahmen Balkan-Raser stoppen

Neue Zahlen des Bundes zeigen: Ausländer rasen häufiger als Schweizer. Die Forderung nach einer Prävention, die Jugendliche vom Balkan in den Fokus nimmt, wird deshalb lauter.

Auch am Wochenende wieder: Raser vom Balkan liefern sich ein Rennen. Dieses Mal waren es zwei Mazedonier, die in Basel wohnen. Nun bestätigt erstmals die Statistik den Eindruck, dass Ausländer häufiger rasen als Schweizer: 2007 begingen Ausländer 53 Prozent der groben Verkehrsregelverletzungen, wobei es sich meist um zu schnelles Fahren handelt. Und dies, obwohl nur 22 Prozent der schweizerischen Wohnbevölkerung Ausländer sind. Das zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik, welche die «NZZ am Sonntag» gestern veröffentlichte.

Ein Teil der Delikte dürfte zwar auf Ausländer zurückgehen, welche die Schweiz lediglich durchqueren. Denn die Statistik unterscheidet nicht zwischen in der Schweiz und im Ausland wohnhaften Ausländern. Neben Ausländern vom Balkan sind auch Deutsche und Italiener prominent vertreten. «Für sie ist die Schweiz aber sicher öfter Transitstrecke als für einen Bosnier», sagt Michael Müller vom Bundesamt für Strassen.

Problem wurde totgeschwiegen

Dass Leute aus dem ehemaligen Jugoslawien häufig zu schnell unterwegs sind, erstaunt jene wenig, die sich seit langem mit Rasern befassen. «Die Statistik erlaubt es nun endlich, das Problem beim Namen zu nennen und darauf hinzuweisen, dass es beim Rasen auch um die Integration von Ausländern geht», sagt Valesca Zaugg, Geschäftsführerin der Stiftung Road Cross, die sich für Strassenopfer einsetzt. Die Zahlen werden jenen Politikern und Verbänden Schub verleihen, die bei Rasern nicht nur auf schärfere Strafen setzen. Sondern die vor allem die Prävention verstärken wollen, die sich direkt an ausländische Jugendliche richtet. Dazu sind zurzeit verschiedene Projekte in Planung:

Road Cross möchte in einem Pilotversuch in der Stadt Zürich Neulenker mit ausländischen Wurzeln direkt ansprechen - in Fussballklubs und Ausländervereinen. «Die Betroffenen sollen merken, dass sie mit dem Rasen die Klischees über Menschen vom Balkan immer wieder bestätigen», sagt Zaugg. «Und dass es schlecht für die Karriere ist, wenn sie regelmässig beim Rasen erwischt werden.» Diese Woche soll der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber entscheiden, ob die Stadt Geld dafür gibt. Vor einem guten Jahr hatte die Eidgenössische Ausländerkommission ein ähnliches Gesuch noch mit der Begründung abgelehnt, Rasen habe nichts mit Integration zu tun. Damals hätten viele das Thema totgeschwiegen, sagt Zaugg. «Das hilft aber niemanden etwas.»

Auch die Raserinitiative, die Road Cross zusammen mit Parlamentariern plant, soll Prävention enthalten. Heute treffen sich Road Cross und SP-Nationalrat Daniel Jositsch mit einer Verkehrspsychologin, um Massnahmen auszuloten. «Es darf nicht mehr cool sein, mit 170 in der Gegend herumzufahren», sagt Jositsch. SVP-Nationalrat Adrian Amstutz, der sich ebenfalls für die Initiative engagiert, will deshalb drastische Massnahmen: «Es braucht neben einer Klartext-Prävention und härteren Strafen auch ein öffentliches Register, das alle Raser mit Name und Nationalität aufführt.» Dies wirke präventiv, weil die Familien aus dem Balkan kein Interesse hätten, dass ihre Söhne als Raser geoutet werden. Den gleichen Vorstoss hatte der Bundesrat vor vier Jahren abgelehnt – und auch das Parlament hatte keine Lust, sich damit zu befassen.

Mehrere Parlamentarier verlangen mit Vorstössen eine verstärkte Prävention. So will CVP-Nationalrätin Ruth Humbel Näf Rasern den Zugang zu schnellen Autos erschweren. «Sie sollen keine Fahrzeuge mehr leasen dürfen», fordert sie in einer Motion. «Denn viele der Raser können es sich nicht leisten, ein teures Auto zu kaufen.» SP-Nationalrätin Bea Heim wiederum möchte Junglenkern nur Autos mit schwachen Motoren geben.

Ausgerechnet beim Bundesamt für Strassen ist aber noch nicht angekommen, dass Ausländer häufiger rasen als Schweizer. Im Massnahmenpaket für mehr Sicherheit im Strassenverkehr (Via sicura), welches das Amt vor einem Monat in die Vernehmlassung schickte, sind keine präventiven Massnahmen vorgesehen, die sich an Ausländer richten. Dies könnte sich aber bald ändern: «Wenn in der Vernehmlassung entsprechende Vorschläge kommen, werden wir das prüfen», sagt Sprecher Michael Müller. Die Politiker werden sich wohl nicht zweimal bitten lassen.

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