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Obama hilft dem Pudel auf den Sprung

Pudel? Terrier? Nackthund? Der Wettstreit um den «First Dog» der Obamas ist eröffnet. Macht der Pudel das Rennen, erhält der kluge Hund mit der dummen «Frise» endlich eine Chance.

«Wenn du einen Freund in Washington willst, lege dir einen Hund zu», das war schon der Rat von US-Präsident Harry S. Truman, dies wohl auch in Anspielung auf falsche und echte zweibeinige Freunde. Unzählige First Dogs haben das Weisse Haus bisher bevölkert, denn der Vierbeiner trifft an der Seite des Machtinhabers emotional voll ins Schwarze; er soll verdeutlichen, wie menschlich, wie fair und wie verantwortungsbewusst diese Persönlichkeit ist.

Dass nun vielleicht dem in Vergessenheit geratenen und mit Spott bedachten Pudel die Aufgabe als stilbildendem First Pet zukommen wird, ist eine Überraschung. Wer heute einen weissen Königspudel mit Krönchen auf dem Kopf und Pompons an den Beinen ausführt, ist entweder eine Lachnummer, ein reicher Russe oder beides. Man sieht dem gepuderten Pudel weiss Gott nicht an, dass er in der Entwicklungsgeschichte am nächsten mit dem Wolf verwandt ist. Pudel lieben das Wasser und wurden schon im 17. Jahrhundert in Frankreich als Apportierhund bei der Entenjagd eingesetzt. Aus dieser Zeit stammt auch die radikale Schur an Bauch und Beinen – damit erleichterte man ihm das Schwimmen. Die hohe Dauerwelle auf dem Kopf wurde bei der Jagd farblich bekränzt, damit jeder Teilnehmer von weitem sah, ob sein Hund die Ente brachte.

Doch das Image des verweichlichten Warmduschers und frisierten Schosshundes ist der Pudel in den letzten 30 Jahren nicht losgeworden. In den 50ern und 60ern war er der unbestrittene Modehund, wie heute der Golden Retriever oder der Westi. Aber die Züchter verstiegen sich zu immer manierierteren Schuren, betrieben quasi Hunde-Rokoko mit Kamm und Schere – und trugen so selber mit dazu bei, dass bald jeder potenzielle Hundebesitzer beim Anblick der frisierten Kreatur das Trottoir wechselte und dachte: Das ist doch kein Hund mehr! Auch heute glauben noch viele Leute, der Pudel werde mit dieser Frisur geboren.

Der Niedergang der einst gefeierten Rasse ist an der Wurfstatistik ablesbar: Ende der 50-er Jahre, als der Pudel der Familienhund Nummer 1 war, wurden in der Schweiz noch über 1000 Welpen geboren 2007 waren es nur noch 196. Immer mehr Züchter gaben auf, und die Anzahl der Würfe sank dramatisch, von 255 Ende der 50er-Jahre bis auf 43 im Jahre 2006. Im letzten Jahr gabs erstmals wieder eine Zunahme von 4 Würfen. Pudelbuch-Autorin Rosa Engler, die selber Züchterin war und sich für die verkannte Rasse einsetzt, tat es weh, als sie zusehen musste, wie die Würfe Jahr um Jahr zurückgingen. «Anderseits ist es mir lieber, wenn der Pudel ein Geheimtipp bleibt», sagt sie. «Wenn eine Rasse zum Modehund wird, kann es gefährlich werden, weil sich dann zu viele Züchter dafür interessieren. Züchter, die mehr ans Geld als an eine gute Aufzucht denken.»

Anpassungsfähig, antiallergisch

Dass der Pudel nicht aussehen muss wie ein frisierter Mini-Löwe, zeigen aktuelle Hundezeitschriften. Wer sich heute einen Pudel anschafft, lässt ihm sei natürliches Fell. Doch was wirklich zählt, sind seine inneren Werte. Der Schweizer Pudel-Club rühmt ihn als intelligenten, sensiblen und anpassungsfähigen Familien- und Begleithund. Rosa Engler nennt seine Fähigkeiten «elastisch»: «Er freut sich, wenn er vier Stunden laufen darf, ist aber am nächsten Tag auch mit nur einer Stunde zufrieden.» Da er verspielt ist, lernt er sehr schnell. Man kann Pudeln ungeheuer viel beibringen. Die schwierigsten Kunststückchen im Zirkus machte stets ein Pudel.

Dass der unterschätzte Hund bei den Obamas in der Favoritenrolle ist, hat allerdings nichts mit Mitleid für eine drangsalierte Rasse zu tun, sondern mit einer exklusiven Eigenschaft des Pudels: Er ist von Natur aus antiallergisch ausgestattet. Viele meinen, ein Hund mit wenig oder gar keinen Haaren sei die Lösung. Aber Wissenschaftler haben herausgefunden, dass verschiedene Substanzen des Hundes allergisierend wirken – Eiweisse, die im Speichel, in den Talgdrüsen, im Urin und Kot vorkommen. Sie sind Hauptverursacher der Kontaktallergie. Beim Abschlecken eines Menschen können sie Reaktionen wie Juckreiz und Quaddeln verursachen. Ein verschleckter Nackthund ist also nicht der Weisheit letzter Schluss.

Seit einiger Zeit werden auch Pudelmischlinge wie Labradoodle, Goldendoodle oder Cockerpoo angeboten. Was diese Hunde mehr oder weniger antiallergisch macht, ist der Umstand, dass ein Pudel eingekreuzt wurde und sie cooler aussehen als ein traditioneller Pudel. Aber man kann nicht sicher sein, ob nicht doch die Beschaffenheit der anderen Hunderasse durchschlägt. Viele Allergiker entscheiden sich deshalb für einen reinrassigen Pudel.

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