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Nun hat auch der Thurgau eine Waldfrau

Eine vagabundierende Spanierin gibt im Ostschweizer Kanton Rätsel auf.

Woher kommt diese Frau? Ein Schnappschuss von Sarah.
Woher kommt diese Frau? Ein Schnappschuss von Sarah.

Ob sie den Match Spanien - Schweiz gesehen hat, wissen wir nicht. Möglich wäre es aber schon, denn die Frau versteht es immer wieder, sich bei den Bauern der Region einzuschleichen und von den Errungenschaften der Zivilisation zu profitieren.

Ansonsten ist die Frau ein grosses Rätsel. Behördlich verbürgt ist bloss dies: Sie hat einen spanischen EU-Pass, ist 39 Jahre alt und spricht gebrochen deutsch. Zum ersten Mal vagabundierte sie letzten Winter während Wochen in der Gegend herum. Nun wurde sie von der Thurgauer Polizei Anfang Mai erneut angehalten. Dabei sei sie wiederum «optisch aufgefallen», sagt der Polizeisprecher. Das heisst: Sie sah ziemlich verwahrlost aus. Und ihr derzeitiger Wohnort sei unbekannt.

«Optisch aufgefallen»

Das verwundert nicht, denn die Frau lebt meistens im Freien, irgendwo in den Wäldern des dünn besiedelten Oberthurgau, wobei sie offenbar die beiden Gemeinden Altnau und Langrickenbach bevorzugt. Kürzlich wurde sie in diesem Gebiet auf einer Landstrasse gesichtet, bewehrt mit Rucksack, Wolldecke und einem Korb. Dann sei sie querfeldein weiter gewandert und in einem Wäldchen verschwunden, schreibt die Lokalzeitung.

Die Thurgauer Waldfrau, die mit Vornamen offenbar Sarah heisst, ist jedoch nur bedingt eine echte Waldfrau. Erstaunlicherweise hat sie es geschafft, ihren ganzen Hausrat mit in den Wald zu nehmen, darunter eine Matratze, einen Teppich, einen Lampenschirm, einen Tisch und Stühle, viele Schuhe und eine Kinderpuppe.

Hemmungslos am Kühlschrank

Erstmals entdeckt wurden die Habseligkeiten im vergangenen Winter, ausgerechnet in einer baufälligen Hütte des Gemeindepräsidenten von Langrickenbach. Darauf hatte ein in der Nähe wohnender Bauer ein Erbarmen und zügelte den ganzen Kram mit dem Traktor in seine Scheune. Er erlaubte Sarah, sich zu duschen, und liess sie gar am Tisch mitessen. Bis der Bauer merkte, dass sich die Frau hemmungslos auch im Kühlschrank bediente. Es kam zum Streit, worauf Sarah eines nachts ihren Hausrat kurzerhand in der Scheune eines Nachbarn parkierte – und wieder im Wald verschwand.

Recherchiert hat dies Daniela Ebinger, eine freie Journalistin, die für die «Thurgauer Zeitung» arbeitet. Sie weiss auch, dass die Frau im Winter heimlich in den Heizungsräumen und Milchkammern der Bauern nächtigte, eingewickelt in eine Wolldecke. Dass sie ein Handy besitzt und Geld hat und sich gelegentlich in der Migros mit Esswaren eindeckt. Dass sie sich im Landi nicht nur Äpfel und Eier schenken liess, sondern gleichzeitig zwei Flaschen Speiseöl klaute.

Vater in Deutschland?

Das Geheimnis von Sarah konnte aber auch die Lokaljournalistin nicht lüften. Dies trotz einer direkten Begegnung mit ihr. Nur so viel: Der Vater lebt angeblich in Deutschland, die Mutter in Spanien. Und vielleicht steht sie noch mit einem Bruder in Kontakt. Aber wovor flieht sie? Und warum nimmt sie ihren Hausrat mit? Daniela Ebinger bekam von der wortkargen Frau keine einleuchtende Erklärung. Sie wolle die Natur geniessen und ihre Ruhe haben, beschied sie ihr bloss. Einem Bauern soll sie gesagt haben, sie suche die Nähe zu Gott.

Voller Ausdauer

Im Thurgau wünscht man die Frau längst ins Pfefferland. Doch wegweisen kann sie die Polizei erst, wenn die visumsfreien 90 Tage abgelaufen sind. Das tat die Polizei im Winter bereits einmal und übergab sie den deutschen Behörden. Doch jetzt ist sie zurückgekommen. Vielleicht nicht zum letzten Mal, denn Waldfrauen haben Ausdauer, wie Sarahs berühmte Vorgängerin zeigte, die 2008 in Bolligen BE hauste. Doch Gabriele Schulze war wenigstens konsequent: Sie lebte in einem selbst gebauten Unterschlupf und kam ohne jeglichen Hausrat aus.

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