Noah hängt Mohamed ab

Der Vorname Mohamed wird in Europa häufiger – wenn man alle Schreibweisen zusammenzählt. In der Schweiz gibt es allerdings andere Favoriten.

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Die Briten lieben ihren Prinzen William, trotzdem hat Muhamad den Thronfolger in der Vornamensliste aus den Top 10 verdrängt – wenn alle möglichen Schreibweisen des islamischen Propheten berücksichtigt werden. Dann soll der Name sogar an der Spitze der beliebtesten Babynamen liegen, wie britische Medien berichten. Ähnlich ist es auch in diversen deutschen Städten, wie die Weltnachgerechnet hat. In den offiziellen Top 10 tauchte der Name bisher nicht auf, weil die vielen Schreibweisen separat geführt werden.

Erst zusammengezählt macht Mohamed alias Muhamad alias Mehmet alias Mohd einen Sprung nach vorn – ein Umstand, den eine österreichische Boulevardzeitung dazu veranlasste, dem Wiener Statistikamt Verschleierung vorzuwerfen.

Hat sich Mohamed auch in der Schweiz insgeheim in die Top 10 geschlichen? baz.ch/Newsnet hat die Namensstatistiken des Bundesamts für Statistik auf diese Eigenheit hin analysiert. Die Antwort ist klar: nein. Zwar gibt es auch hierzulande über 50 Schreibweisen des Namens – die beliebtesten sind Mohamed gefolgt von Mehmet, Mohammad, Mohammed, Muhamed, Mohamad und Muhamet. Diese sprengen aber auch zusammengezählt keine Toplisten.

So gibt es per 2016 knapp 16’000 solcher Mohamed-Namen in der Schweiz. In der Liste des Bundesamts für Statistik würde das für Rang 45 reichen, vor Mario, aber hinter Adrian. An der Schweizer Spitze liegen die über 62’000 Daniels und 60’000 Peters.

Werden sämtliche Mohamed-Schreibweisen zusammengezählt, gab es 2016 knapp 16'000 Menschen mit dem Vornamen in der Schweiz – das wäre Rang 45.

Was wird alles zusammengezählt?

Auch die Neugeborenenstatistik ändert das Mauerblümchendasein der verschiedenen Mohameds in der Schweiz nicht. So erhielten 2016 gerade mal 135 Buben den Namen des Propheten. Das sind zwar mehr als in den Vorjahren – von 2011 bis 2015 waren es jeweils um die 110 –, reicht aber in der Schweizer Topliste nur knapp unter die 50 beliebtesten Vornamen, und zwar zwischen Noé und Luan auf Rang 49. An der Spitze der Neugeborenen sind 477 Noahs, 433 Liams und 345 Gabriels.

Zählt man allerdings alle Schreibweisen des Namens Mohamed zusammen, müsste man das fairerweise aber auch bei anderen Vornamen gleich handhaben. Damit würden die zusammengezählten Mehmets sogleich wieder von diversen anderen Vornamen überholt werden: Die 132 Arthurs und 14 Arturs würden beispielsweise vor die Mohameds rücken, auch die 8 Art benannten Buben müsste man wohl zu dieser Gruppe dazuzählen. Thomas würde zusammen mit Tom, Tomás, Tommaso und Tomas in die Top 50 vorstossen. Und auch Noé wäre mit Noe und Noè ebenfalls wieder vor den Mohameds, auch ohne die Noels und Noëls mitzuzählen.

Zurückhaltung nach 9/11

Die 135 Mohameds im Jahr 2016 sind somit unter den 42’435 neugeborenen Knaben eine kleine Gruppe (0,3%) und die medial berichteten Tendenzen anderer Länder hier nicht zu beobachten. Auch wenn es seit 2001 eine Verdoppelung des Namens gegeben hat, ist das im Vergleich zu anderen Namen eine eher gemächliche Entwicklung. So hat sich die Beliebtheit von Liam im gleichen Zeitraum mehr als verzehnfacht, von 37 Buben 2001 auf 433 im aktuellsten Statistikjahr 2016. Andere Beispiele: Lian von 6 auf 170, Ben von 28 auf 264 oder Lio von 0 auf 144.

Genauer betrachtet, gab es schon im Jahr 2000 praktisch gleich viele neugeborene Mohameds wie 2015, nämlich 108. Im Jahr von 9/11 gab es einen Einbruch auf noch 68, nachdem ein Terrorist mit diesem Vornamen ein Flugzeug der American Airlines in den Nordturm des New Yorker World Trade Centers gesteuert hatte.

Diesen Rekord holt Federer nicht

Der Name Mohamed läuft zudem gegen den Schweizer Trend. Es ist bereits bekannt, dass die Vornamen tendenziell kürzer werden. Auffällig ist zudem auch, dass der Anfangsbuchstabe L besonders beliebt scheint: In den Top 15 aus dem Jahr 2016 finden sich Liam, Luca, Leon und Louis, Leandro und Levin: sechs mal L. Von den anderen neun Namen haben keine zwei denselben Anfangsbuchstaben.

Auf der anderen Seite muss man nach einem Anfangsbuchstaben besonders lange suchen. Das I kommt auf Rang 168 mit Ian, Q mit Quentin auf 254. Kandidaten wären auch die letzten Buchstaben des Alphabets, aber mit William auf 114, Xavier auf 370, Yanis auf 115 und Zeno auf Rang 521 sind diese für einmal nicht auf der hintersten Position. Schlusslicht bildet das U – auf Position 694 der Rangliste steht der Name Ulysse; so wurden 2016 genau 11 Buben benannt.

Beliebt werden Namen, neben kulturellen oder religiösen Gründen wie bei Mohamed, auch durch die Popkultur. So gelangte nach der 1990er-Weihnachtskomödie «Home Alone» auch der Name Kevin in die Top 10 der Schweizer Vornamenshitparade.

Es wäre also nur logisch, dass auch der Schweizer Tennis-Maestro Federer für eine rasante Verbreitung seines Vornamens gesorgt hat. Das Gegenteil ist der Fall. Federer startete 1998 auf der Profitour, damals gab es in der Schweiz 51 neue Rogers. In den letzten fünf Jahren waren es dann noch jeweils weniger als 10 – die 6 neuen Rogers aus dem Jahr 2016 bedeuten nur noch Rang 1076. Der Name wurde damit überholt von Rafael, Novak und Andy – aber auch von Lionel oder Cristiano.

anf

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