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Nicht Mann, nicht Frau, sondern «neutral»

Ein Gericht hat einem Franzosen erlaubt, sein Geschlecht beim Standesamt auf «neutral» ändern zu lassen. Es sei unmöglich, den Menschen klar zuzuordnen.

Premiere in Frankreich: Der Franzose will anonym bleiben. Im französischen Fernsehen spricht jedoch seine Anwältin von der rechtlichen Anerkennung der intersexuellen Person. (15. Oktober 2015)
Premiere in Frankreich: Der Franzose will anonym bleiben. Im französischen Fernsehen spricht jedoch seine Anwältin von der rechtlichen Anerkennung der intersexuellen Person. (15. Oktober 2015)
screenshot / FRANCE 3
Der 64-Jährige ist nach Angaben seiner Anwältin Mila Petkova mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen. (15. Oktober 2015)
Der 64-Jährige ist nach Angaben seiner Anwältin Mila Petkova mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen. (15. Oktober 2015)
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Eine intersexuelle Person hat von einem französischen Gericht die Erlaubnis bekommen, sein Geschlecht auf «neutral» ändern zu lassen. «Das Geschlecht, das (ihm) bei der Geburt zugewiesen wurde, erscheint wie eine reine Fiktion», zitierte die Zeitung «20 Minutes» am Mittwoch aus dem Urteil eines Gerichts in der Stadt Tours, rund 200 Kilometer südwestlich von Paris.

Der 64-Jährige ist nach Angaben seiner Anwältin Mila Petkova mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen. Das Urteil vom 20. August werde die rechtliche Anerkennung intersexueller Personen fördern, sagte Petkova dem Sender France Info.

"Sexe neutre", un nouveau droit ?(Video: Francetv info)

Sie sprach von einer Premiere in Frankreich. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, deshalb bleibe das offizielle Geschlecht zunächst «männlich». Im Urteil wird explizit erwähnt, dass es nicht darum gehe, die Existenz eines «dritten Geschlechts» anzuerkennen, sondern dass es unmöglich sei, den Menschen klar zuzuordnen.

«Endlich von der Gesellschaft anerkannt»

«Heute habe ich endlich den Eindruck, von der Gesellschaft so anerkannt zu werden, wie ich bin», sagte der Franzose, der seinen Namen nicht veröffentlichen wollte, der Zeitung «20 Minutes».

Bei Intersexuellen sind nicht alle geschlechtsbestimmenden Merkmale wie Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen oder äussere Geschlechtsorgane eindeutig männlich oder weiblich ausgeprägt. Betroffenenverbände klagen über Benachteiligung und fordern eine rechtliche Anerkennung, sie lehnen frühe operative Eingriffe ab.

In einigen Ländern wie Australien, Neuseeland und Nepal können Intersexuelle in Dokumenten bereits ein anderes Geschlecht als männlich oder weiblich angeben.

SDA/slw

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