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Minendrama in Chile: Rettungsaktion in Zeitlupe

Sie sind in 700 Meter Tiefe eingeschlossen, mit 30 Grad ist es unerträglich heiss. Die 33 Bergleute, die in Chile unter der Erde gefangen sind, brauchen viel Leidensfähigkeit - ihre Rettung wird sehr lange dauern.

Zur Rettungsaktion ist auch Chiles Präsident Sebastian Pinera (in der roten Jacke) angereist.
Zur Rettungsaktion ist auch Chiles Präsident Sebastian Pinera (in der roten Jacke) angereist.
Reuters
1600 Journalisten aus der ganzen Welt sind ins Zeltlager Esperanza angereist, um über die Rettung der verschütteten Bergleute zu berichten. Wer etwas mehr Komfort wünscht, kann für 350 Franken die Nacht in einem Luxuszelt übernachten.
1600 Journalisten aus der ganzen Welt sind ins Zeltlager Esperanza angereist, um über die Rettung der verschütteten Bergleute zu berichten. Wer etwas mehr Komfort wünscht, kann für 350 Franken die Nacht in einem Luxuszelt übernachten.
Reuters
Einer der 33 eingeschlossenen Bergarbeiter.
Einer der 33 eingeschlossenen Bergarbeiter.
Keystone
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Auch am Montag konnte die Bohrung eines Rettungsschachtes zunächst nicht wie geplant in Angriff genommen werden. Technische Probleme verzögerten den Einsatz des Spezialbohrers.

Ausserdem wurden noch ein besonderer Bohrkopf und ein weiterer, stärkerer Motor aus Deutschland an der Mine San José erwartet, sagte ein Sprecher des Minenministeriums. Damit solle die Bohrung beschleunigt und die Leidenszeit der Kumpel verkürzt werden.

Rettung dauert Monate

Allerdings wird es bis zu vier Monate dauern, bis die seit dem 5. August in 700 Meter Tiefe eingeschlossenen Kumpel an die Oberfläche geholt werden können.

Der Spezialbohrer Strata 950 kämpft sich Tag für Tag nur 8 bis 15 Meter tiefer durch das harte Gestein. Der entstehende Kanal ist etwa 40 Zentimeter breit und wird in einem zweiten Bohrgang auf 66 bis 70 Zentimeter erweitert. Dann sollen die Männer in einem Korb einer nach dem anderen nach oben gezogen werden.

Besonders während des zweiten Bohrgangs werden tausende Tonnen Geröll in der Röhre nach unten fallen und von den eingeschlossenen Bergarbeitern zur Seite geräumt werden müssen. Dafür verfügten sie aber über die notwendigen Maschinen, berichteten chilenische Medien.

Zweite Bohrung geplant

In einigen Tagen könnte noch eine zweite Bohrung beginnen, die mit einem anderen Bohrer auf einen 100 Meter höher gelegenen Punkt in dem weit verzweigten Stollensystem der Kupfer- und Goldmine San José in der Atacama-Wüste zielt. Die Retter hoffen, die Kumpel auf diesem Wege eventuell schon nach zwei Monaten an die Oberfläche holen zu können.

Den Männern unter Tage geht es den Umständen entsprechend gut. Sie werden durch eine enge Versorgungsröhre mit Lebensmitteln, Getränken, Medikamenten und Nachrichten von ihren Angehörigen versorgt. Einige leiden jedoch einem Bericht der spanischen Zeitung «El País» zufolge unter Alkohol- und Tabakentzug.

Mit Angehörigen gesprochen

Am Sonntag konnten sie das erste Mal über ein Telefonkabel mit ihren Angehörigen sprechen. Die Behörden liessen dafür ein Kabel durch eine der Versorgungsröhren herab. Die Bergungskräfte liessen jeden der 33 Arbeiter eine Minute lang mit einem Familienmitglied sprechen, um den Durchhaltewillen der Eingeschlossenen zu stärken.

Bei den Gesprächen spielten sich bewegende Szenen ab. Der eingeschlossene Bergarbeiter Esteban Rojas nutzte die Gelegenheit, seiner Frau Jessica Yáñez die kirchliche Heirat vorzuschlagen, nachdem beide vor 25 Jahren nur standesamtlich geheiratet hatten.

Antenor Barrios, der Vater eines der jüngeren Kumpel, zeigte sich nach dem Gespräch ermutigt durch die «Kraft und Entschlossenheit» seines Sohns. Die Angehörigen campieren über der Mine San José in der Atacama-Wüste in einem Zeltlager, das sie «Esperanza» (Hoffnung) getauft haben.

Aufenthaltsort wechseln

Die 33 Kumpel machten sich unterdessen daran, in 700 Meter Tiefe ihren Aufenthaltsort zu wechseln. Nach Angaben der Behörden sollten sie zu einer Stelle im Schacht gehen, an der es kühler und trockener ist als dort, wo sie sich seit dem Einsturz der Mine aufhielten.

Der neue Ort sei etwa 300 Meter vom jetzigen Aufenthaltsort entfernt und könne von den Bergleuten problemlos erlaufen werden. Laut Bergbauminister Laurence Golborne war der Umzug dringend nötig, da einige der Bergleute in dem heissen, feuchten Notschacht Geschwüre und Pilzinfektionen entwickelt haben.

SDA/bru

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