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Millionäre trotzen der Finanzkrise

Vergoldete Zigarren, diamantbesetzte Tagesdecken und Luxus-Strandkörbe mit Ventilatoren – dies und viel mehr können Reiche an der Millionärsmesse in München kaufen.

Shopping für Superreiche: In München findet bis Sonntag eine Millionärsmesse statt.

Die «Millionaire Fair», die heute eröffnete Messe für Millionäre, schwelgt auf 16'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Überfluss teuerster Waren. Dass die Gutbetuchten trotz Finanzkrise nach München strömen, ist für die Veranstalter sicher. Geschäftsführer Klaas Obma erhofft sich von den Katastrophen an Banken und Börsen sogar einen «positiven Effekt». «Die Kunden sagen eher, ich traue meiner Bank und meinen Aktien nicht mehr. Da kaufe ich mir lieber jetzt eines schönes Stück, das ich mir schon lange wünsche», erklärt Obma. Bis Sonntag erwarten die Veranstalter rund 20'000 Besucher.

Ein schönes Stück könnte für sie die mit Blattgold umwickelte Zigarre sein, die es verpackt in mundgeblasenes Glas für 300 bis 500 Euro gibt. Das Blattgold komprimiere den Zug an der Zigarre, erklärt Verkaufsleiter Peter Mai: «Am Ende bleibt ein kleines Häufchen Gold.» Und Gold ist in diesen Zeit immerhin eine sichere Investition.

Während die «Cigars Company» eher am unteren Ende der Preisskala rangiert, muss man für die Grundstücke auf einer der letzten Privatinseln der Welt ein, zwei Millionen Euro lockermachen. Geringere Resonanz durch die Finanzkrise kann Britta Schumacher am Stand von «Laurel Island» nicht feststellen: «Wir sind ja in einem gehobenen Segment unterwegs.»

Erwartungen der Aussteller unterschiedlich

Insgesamt scheint die Stimmung bei den Ausstellern aber durchwachsen: Während die einen bereits von Verkäufen und grossem Kundeninteresse berichten, bauen andere nach verhaltenem Start auf das Wochenende. «Ich habe das Gefühl, dass alle Anbieter hier quer durch die Bank ein bisschen enttäuscht sind», sagt Simon Schäfer am Stand des Schuhdesigners Joseph Debach, der den berühmten knallroten Dreizack-Schuh für den Film «Der Teufel trägt Prada» entworfen hat. Die Finanzmarktkrise könnte manchen die Laune verdorben haben: «Vielleicht haben die Kunden den Spass am Konsumieren verloren», sagt Schäfer.

München nach Amsterdam und Moskau

Die Münchner «Millionaire Fair» ist als ein erster Probelauf in Deutschland kleiner als die Millionärsmessen im Vorjahr in Amsterdam und Moskau, wo bis zu 50'000 Topverdiener kamen und eine halbe Milliarde Euro ausgaben. Die bayerische Landeshauptstadt mit einer Millionärsdichte von 77 auf 100'000 Einwohner sei gewiss das richtige Pflaster, sagt Obma: «Wir haben ein Gebiet gesucht, wo die Kaufkraft vorhanden ist, wo aber auch die Show und die Showwelt zu Hause sind.» Bei Arabern aus den Golfstaaten hat München auch wegen seiner Kliniken einen guten Ruf, und neureiche Russen haben sich Immobilien von Garmisch bis zum Chiemsee gekauft.

Ob die Kundschaft auch einkauft oder vor allem Schaulustige kommen, ist aber offen. «Wir brauchen beide. Wir haben auch nichts dagegen, wenn am Sonntag ein Familienausflug hierher gemacht wird», sagt Obma. Auch wenn die Durchschnittsfamilie wohl schon den Eintrittspreis von 39 Euro als teuer empfindet und mehrere Jahresgehälter in die Produkte der rund 100 Aussteller investieren müsste.

Lamborghini und Maserati haben hier Stände, Luxusreisen und Wellness-Programme werden offeriert. Es gibt Messestände für Tresore und Sicherheitsglas, mit denen man die eben erworbenen Schmuckstücke schützen kann. Das schon im Vorfeld intensiv beworbene diamantbesetzte Handy allerdings ist nicht zu sehen. Vielleicht sei es nicht rechtzeitig fertig geworden, mutmasst Birgit Klawitter, die das Marketing für die niederländische Diamantenschleiferei «Gassan» macht.

Nicht nur deswegen hätte sich manch ein Besucher mehr von der «Millionaire Fair» versprochen. «Als richtiger Millionär wäre ich enttäuscht», sagt Anneliese Bachhuber, die sich die mehrere tausend Euro teuren Seabobs, kleine motorisierte Wasserschlitten, für ihren Sohn vorstellen könnte. «Ich schaue, was geboten wird, aber unter einer Millionärsmesse hätte ich mir ein bisschen was anderes vorgestellt», sagt sie.

Proteste: «Euer Reich-Tun kotzt uns an»

Aber die Zurschaustellung des Reichtums hat bereits bei der Messegala am Vorabend für Proteste gesorgt. Das Sozialforum München hatte nahe dem Eingang mit einem inszenierten Sklavenmarkt gegen die Messe protestiert unter dem Motto: «Euer Reich-Tun kotzt uns an». Den heutigen Freitag haben die Vereinten Nationen zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut ausgerufen.

AP/vin

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