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Mexikos tragischer 19. September

Zum zweiten Mal bebt die Erde in Mexiko an einem 19. September in dramatischer Stärke.

In Mexiko sind bisher knapp 300 Menschen dem Erdbeben zum Opfer gefallen: Ein Helfer fordert mit dem Handsignal alle auf, ruhig zu sein. Nur so kann man die Rufe von Verschütteten hören. (22. September 2017)
In Mexiko sind bisher knapp 300 Menschen dem Erdbeben zum Opfer gefallen: Ein Helfer fordert mit dem Handsignal alle auf, ruhig zu sein. Nur so kann man die Rufe von Verschütteten hören. (22. September 2017)
Rocio Vazquez, AFP
Zahlreiche professionelle Retter und Freiwillige, versuchen noch Überlebende aus den Trümmern zu bergen: Arbeiten bei einem eingestürzten Haus in Mexiko Stadt. (20 September 2017)
Zahlreiche professionelle Retter und Freiwillige, versuchen noch Überlebende aus den Trümmern zu bergen: Arbeiten bei einem eingestürzten Haus in Mexiko Stadt. (20 September 2017)
Yuri Cortez, AFP
Menschen während der Übung in Mexiko-Stadt.
Menschen während der Übung in Mexiko-Stadt.
Yuri Cortez, AFP
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Es ist 13.14 Uhr mittags, die Menschen fahren in den Liften der Bürohäuser zum Mittagessen nach unten. Plötzlich bebt die Erde, Aufzüge bleiben stehen. Panik. Menschen schreien. Die Wolkenkratzer in Mexiko-Stadt schwanken hin und her, einige Gebäude stürzen ein, Fassadenteile fallen wie Karton auf die Strassen. Wer kann, rennt so schnell es geht nach draussen, weg von den Häusern.

Es ist ein gespenstisches Bild, als das Beben der Stärke 7,1 nachlässt. Rauchschwaden hängen über der Skyline, Staub liegt in der Luft. Zwei Stunden zuvor fanden noch grosse Evakuierungsübungen in Büros, Schulen und Spitälern statt. Denn es ist der Jahrestag des «Jahrhundertbebens» vom 19. September 1985, als rund 10'000 Menschen starben. Nun wird aus dem Testfall plötzlich bitterer Ernst.

Schwer beschädigte Spitäler müssen evakuiert werden, unter freiem Himmel, werden Verletzte mit Infusionen versorgt. Bewohner sind zum Teil in brennenden Häusern eingeschlossen. Überall liegen Menschen in den Trümmern, mit blossen Händen wird gesucht.

Freiwillige packen an

«Meine Familie wohnt in diesem Gebäude», schreit eine Frau. «Ihre Namen sind nicht auf der Liste, sie stehen da nicht drauf», ruft sie verzweifelt, als sie eine Liste mit 16 geretteten Menschen liest. «Wir wissen nicht, wie viele noch in den Trümmern sind», sagt eine Polizistin auf der Avenida Nuevo León zu ihr. Vier Lastwagen mit Rettungskräften kommen angefahren, Freiwillige packen überall mit an.

Staatspräsident Enrique Peña Nieto hatte noch wenige Stunden zuvor in einem Trauerakt an die Opfer von 1985 erinnert, nun überfliegt er im Helikopter die schwer getroffene Hauptstadt. Er muss ahnen, dass die Opferzahl sehr hoch sein könnte. Stündlich steigt die Zahl der Toten an. Gerade in eingestürzten Hochhäusern ist es ein Rennen gegen die Zeit.

Mexiko befindet sich in einer der aktivsten Erdbebenzonen – gegen die Kraft der Natur lassen sich kaum absolut erdbebensichere Hochhäuser bauen. Das Zentrum lag rund 120 Kilometer südöstlich bei Axochiapan. Erst vor knapp zwei Wochen bebte die Erde, damals lag das Zentrum im Pazifik, rund 100 Menschen starben, vor allem im Süden des Landes. 1985 lag die Stärke bei 8,1 und suchte ebenfalls die Hauptstadt heim.

Eine Übersicht über die verheerendsten Erdbeben in Mexiko seit dem Jahr 1985:

  • 19./20. September 1985:Gleich zwei Erdbeben, eines davon mit einer Stärke von 8,0, erschüttern den Westen des Landes. Allein in Mexiko-Stadt reissen die Erdstösse 9500 Menschen in den Tod.
  • 9. Oktober 1995:Gebiete rund um die Hafenstadt Manzanillo am Pazifik werden von einer Erschütterung (8,0) heimgesucht. Mindestens 51 Menschen sterben.
  • 30. September 1999:Dieses Mal trifft es den im Süden gelegenen Staat Oaxaca. Ein Beben der Stärke 7,5 kostet mindestens 20 Menschen das Leben.
  • 21. Januar 2003:Der Westen und Zentralmexiko werden von einem Erdstoss der Stärke 7,8 erschüttert. Mindestens 28 Menschen werden getötet, 10 000 Menschen - darunter vor allem im Staat Colima - sind obdachlos.
  • 7. September 2017:Ein Beben an der Südküste Mexikos hat die Stärke 8,1. Es reisst mindestens 90 Menschen in den Tod und zerstört Tausende Gebäude.
  • 19. September 2017: Mit einer Stärke von 7,1 sorgt ein Erdstoss für heftige Erschütterungen in Zentralmexiko. Betroffen sind auch stark bewohnte Regionen in Mexiko-Stadt und Cuernavaca.

SDA/roy

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