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Kunstsammler fehlte der gute Glaube

Der Zürcher Sammler Werner Merzbacher hatte 1989 ein Bild für rund eine Million Dollar gekauft – trotz Gerüchten, es sei gestohlen worden. Nun könnte das Gemälde an einen Russen gehen.

Merzbacher hatte das 1914 gemalte Bild «Diener mit Samovar» des russischen Künstlers Kasimir Malewitsch 1989 über eine Genfer Galerie für rund eine Million Dollar erworben. Der damalige Eigentümer wollte unerkannt bleiben. Nach Ansicht des Bundesgerichts hätte Merzbacher vor dem Kauf aufgrund eines Diebstahl-Gerüchts vertiefte Abklärungen tätigen müssen.

Vor dem Kauf hatte Merzbacher eine Expertin beigezogen, die ihm die Echtheit des Gemäldes bestätigte. Sie wies ihn in diesem Rahmen auf das in der Kunstszene kursierende Gerücht hin, dass sich aktuell ein gestohlenes Gemälde von Malewitsch auf dem Markt befinde.

Russe sagt, seine Eltern wurden bestohlen

Merzbacher holte danach bei verschiedenen Stellen Erkundigungen zur Herkunft des fraglichen Bildes ein, die aber nichts Konkretes ergaben. 2004 trat ein russischer Kunstsammler aus St. Petersburg auf den Plan und machte geltend, das von Merzbacher gekaufte Gemälde sei 1978 aus der Sammlung seiner Eltern gestohlen worden.

Das Zürcher Obergericht wies seine Klage auf Herausgabe des Bildes 2012 aber ab. Es war zum Schluss gekommen, dass Merzbacher vor dem Kauf die notwendigen Abklärungen gemacht und das Bild damit im guten Glauben erworben habe. Das Bundesgericht hat dieser Sicht der Dinge nun widersprochen und die Beschwerde des Russen gutgeheissen.

Zu wenig Vorsichtsmassnahmen

Die Sache geht nun zurück ans Obergericht. Es muss zusätzlich mehrere Fragen klären, die der Pflicht zur Herausgabe noch entgegenstehen könnten. Nach Ansicht des Bundesgerichts hätte Merzbacher aufgrund des ihm bekannten und ernst zu nehmenden Gerüchts zusätzliche Vorsichtsmassnahmen ergreifen müssen.

In der fraglichen Zeit seien kaum Originalgemälde von Malewitsch auf dem Markt angeboten worden. Laut Gericht wäre es für Merzbacher deshalb naheliegend gewesen, die Expertin oder eine andere sachverständige Person mit näheren Abklärungen zu beauftragen. (Urteil 5A_372/2012 vom 18. April 2013)

SDA/ep

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