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Kneubühl: «Mir war klar, dass es ein Mordbefehl war»

Peter Hans Kneubühl bestätigt in einem Brief, dass er am Tag der Hausbesichtigung mit seiner Erschiessung rechnete. Zudem stellt er Falschinformationen richtig.

Briefe aus dem Gefängis: Peter Hans Kneubühl beschreibt auf über zehn Seiten in gestochen scharfer Schrift und fehlerfrei, seine Gedanken.
Briefe aus dem Gefängis: Peter Hans Kneubühl beschreibt auf über zehn Seiten in gestochen scharfer Schrift und fehlerfrei, seine Gedanken.

Seit nahezu 22 Wochen sitzt Peter Hans Kneubühl im Regionalgefängnis Biel in Untersuchungshaft. Seine Tage sind ausgefüllt mit Briefeschreiben. Seit Anfang Dezember wurde ein Antwortschreiben von ihm erwartet, nachdem das «Bieler Tagblatt» einen ersten Brief aus dem Gefängnis am 20.November veröffentlicht und Antworten von ihm abgedruckt hatte, «die über das Allerbanalste, wie etwa das Essen im Gefängnis, hinausgingen», dankt Kneubühl in seinem neuesten Brief. Dieser ist vom 17.Januar datiert und traf gestern ein.

Wie das «Bieler Tagblatt» in der Ausgabe vom Mittwoch berichtet, entschuldigt Kneubühl seine späte Antwort damit, dass er versucht habe, den endgültigen Verkauf des Elternhauses zu verhindern: «So musste alles andere zurückstehen.»

Das Schreiben zeigt aber vor allem, wie betroffen er sich fühlt von dem Bild, das in der Öffentlichkeit entstanden ist. Denn er liest jeden Artikel, der über ihn in den regionalen und nationalen Medien erschienen ist, aufmerksam. Und er kommt zum Schluss, dass die Presse mit vielen Falschinformationen von den Behörden versorgt worden sein muss.

Rechnete mit dem Tod

Peter Hans Kneubühl bestätigt zudem erstmals selber, dass er damit gerechnet hatte, am 8.September, am Tag der Besichtigung seines Heims am Mon-Désir-Weg, umgebracht zu werden. Dies stand auch im externen Bericht von letzter Woche, der den Informationsfluss zwischen den Behörden unter die Lupe genommen hat.

Kneubühl schreibt, er habe gewusst, dass der Richter der Polizei erlaubt hatte, «Gewalt gegen Personen und Sachen» anzuwenden, um sich Zutritt zum Haus zu verschaffen: «Nach allem, was in den letzten zehn Jahren geschehen war, war mir klar, dass es sich hier um einen Mordbefehl handelt.»

Welchen Umfang diese Polizeiaktion annehmen werde, habe er allerdings nicht ahnen können. Und etwas weiter unten spricht er von der «hirnverbrannten Polizeiaktion, die ohne Zweifel die Aufgabe hatte, mich endgültig zum Schweigen zu bringen».

Drei Bedrohungen

Dies sollte nach Kneubühls Aussage auf eine von drei möglichen Arten geschehen: entweder durch seine Ermordung oder, falls das nicht gelingen sollte, durch «meine lebenslängliche Einweisung in ein Gefängnis oder eine psychiatrische Klinik».

Er fragt sich ausserdem, weshalb die Spezialeinheiten «vom Psychiatrischen Dienst verwendet werden», um angeblich sogenannt verwirrte Rentner zu fangen.

In seinem gestrigen Schreiben, von dem zwei Passagen links abgebildet sind, fragt sich Peter Hans Kneubühl, wo der Ursprung von Falschmeldungen in den Medien liegen. Er fragt sich, wer gesagt hat, dass er ein Sprengstoffexperte sei, der das Haus habe in die Luft sprengen wollen.

Keine Todeslisten

Er stellt in Abrede, dass es «Todeslisten» gegeben haben soll. Aussagen über einen Fluchtstollen und über Tagebücher, die die Polizei gefunden haben soll, bezeichnet er als «Märchen». Weiter wehrt er sich gegen Bezeichnungen wie «Muttersöhnchen, Frauenfeind, Psychopath». Verglichen mit den «psychiatrischen Vorwürfen», wie Kneubühl es nennt, wirkten die «wenigen politischen Vorwürfe (ein Fremdenlegionär, Bombenexperte und Anhänger der Baader-Meinhof-Gruppe zu sein) recht bescheiden».

So ist Peter Hans Kneubühl weiterhin täglich damit beschäftigt, Briefe zu schreiben: «An die gleichen Behörden wie vorher, plus noch an ein par neue.»

Bislang ist weder das Datum des Gerichtsprozesses bekannt noch, wann das psychiatrische Gutachten zu erwarten ist.

Bieler Tagblatt

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