Zum Hauptinhalt springen

Knabe wegen Spielzeugpistole erschossen

Zwei Polizisten werden zu einem Spielplatz gerufen, wo ein Zwölfjähriger mit einer Waffe spielt. Dass es sich um eine Attrappe handelt, wissen die Beamten nicht. Einer von ihnen gibt tödliche Schüsse auf den Jungen ab.

Diese Pistole soll der Knabe gezogen haben. (Bild: www.cleveland.com)
Diese Pistole soll der Knabe gezogen haben. (Bild: www.cleveland.com)

Ein Polizist hat in den USA einen Zwölfjährigen erschossen, der auf einem Spielplatz mit einer Pistolenattrappe hantierte und sich auf Zuruf nicht sofort ergab. Das Präsidium der Grossstadt Cleveland in Ohio fand sich danach in Erklärungsnot, warum ein letztlich harmloser Junge getötet wurde. Der Beamte und sein Partner wurden beurlaubt und eine Untersuchung begonnen.

In den vergangenen Monaten hatte es mehrere ähnliche Fälle gegeben. Am meisten Aufregung gab es um den Tod des unbewaffneten 18-jährigen Michael Brown, der in Ferguson im Staat Missouri von einem Polizisten erschossen wurde. In Dayton in Ohio hatte die Polizei im August einen 22-jährigen Mann niedergestreckt und getötet, der in einem Supermarkt ein Luftgewehr dabei hatte, das die Beamten für echt hielten.

So war es nun womöglich auch bei dem Zwölfjährigen: Nach Polizeiangaben rief ein Augenzeuge am Samstag (Ortszeit) beim Notruf an und erklärte, ein Junge spiele auf einem Spielplatz mit einer «wahrscheinlich unechten» Waffe herum und verbreite damit Panik. «Ich weiss nicht, ob sie echt oder nicht ist», hatte der Augenzeuge gesagt.

Zwei Schüsse

Der Hinweis, dass es wohl nur eine Attrappe ist, erreichte nach Angaben einer Polizeigewerkschaft nicht die Beamten im Einsatz. Ausserdem war nach offiziellen Angaben an der sogenannten Softair-Waffe das orange Zeichen abgekratzt, das die Pistole als ungefährlich gekennzeichnet hätte.

Die beiden Polizisten forderten den Zwölfjährigen nach offiziellen Angaben auf, seine Hände hochzunehmen. Doch der Junge habe stattdessen nach seiner Waffe am Hüftgürtel gegriffen, sagten Ermittler. Daraufhin habe einer der beiden Polizisten zweimal auf ihn geschossen.

(Video: Reuters)

«Ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen»

Der stellvertretende Polizeichef Ed Tomba sagte, der Junge habe in der Situation keine Drohungen ausgesprochen oder mit der Waffe auf die Beamten gezielt, sondern einfach die Pistole zücken wollen. In diesem Moment habe der Polizeibeamte geschossen, sagte Tomba. Die Spielzeugwaffe sei die Kopie einer halbautomatischen Handfeuerwaffe gewesen. Bei den beiden Streifenpolizisten handelte es sich nach einem Bericht der Zeitung «Cleveland Plain Dealer» um einen Polizeineuling im ersten Jahr und einen Beamten mit zehn Jahren Erfahrung.

Ein Gerichtsmediziner identifizierte den Jungen. Der Anwalt von dessen Familie, Timothy Kucharski, bestätigte zunächst nur, dass der Zwölfjährige am Samstagnachmittag mit Freunden zum Spielen in einen Park gegangen sei. Was dann geschah, sei noch unklar, sagte Kucharski. «Ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen», fügte er hinzu. Er werde selbst mit Zeugen sprechen und mehr Fakten zusammentragen. «Wir werden letztlich herausfinden, was passiert ist.»

Wegen des jetzigen Falls und des Todes des 22-jährigen in Dayton im August plant eine Abgeordnete des Bundesstaats eine Gesetzesinitiative zur eindeutigen Kennzeichnung von Spielzeugwaffen mit Signalfarben oder Leuchtstreifen. So sollten künftige «tödliche Konfrontationen» vermieden werden, erklärte die Parlamentarierin Alicia Reece. Die Polizei in Cleveland stand bereits in den vergangenen Jahren unter Beobachtung des Justizministeriums. Nach einigen Vorfällen wurden die dortigen Praktiken und der Einsatz von Gewalt überprüft.

AP/thu/chk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch