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«Im Moment sind viele noch nicht aufgewacht»

Acht Tage nach dem Vulkanausbruch in Neuseeland wissen viele Überlebende noch nicht, was passiert ist. Die Toten sind mittlerweile identifiziert.

Von einem Schiff aus filmten Touristen den Vulkanausbruch. (9. Dezember 2019) Video: Twitter

Acht Tage nach dem Vulkanausbruch in Neuseeland werden 17 Verletzte noch immer auf Intensivstationen in Neuseeland und Australien behandelt.

«Von den acht Opfern von White Island, die wir betreuen, sind fünf noch immer in einem kritischen Zustand», sagt Michelle Locke, Fachärztin für plastische Chirurgie am Middlemore Hospital in Auckland gegenüber Radio New Zealand. Einige Opfer müssten noch intubiert und beatmet werden. «Im Moment sind viele noch nicht aufgewacht.»

Die Überlebenden haben sich schwerste Verbrennungen zugezogen. Trotzdem seien die Verletzungen sehr unterschiedlich. «Einige Patienten leiden eher an chemischen Verbrennungen der Haut, zum Beispiel durch Salzsäure. Andere wiederum haben giftiges Gas aus dem Vulkan eingeatmet und leiden an inneren Verletzungen», erklärt Locke.

Bei Verbrennungen durch Inhalation erhalten Patienten eine Atemhilfe, damit sich der Körper mit der Zeit selbst heilen kann. Eine Herausforderung seien jedoch die grossflächigen Verbrennungen der Haut von bis zu 90 Prozent. «Normalerweise entfernen wir das verbrannte Gewebe und transplantieren gesunde Haut von einem anderen Körperteil auf die Stelle», erklärt Locke. «Bei solch schweren Verbrennungen ist dafür jedoch nicht genügend unverbranntes Gewebe vorhanden.»

Um die Verletzten von White Island zu versorgen, wurde gespendete Haut von bereits verstorbenen Personen für mehrere Millionen US-Dollar aus den USA und Australien nach Neuseeland eingeflogen. «Leichenhaut ist nur eine vorübergehende Lösung, weil es sich nicht um das eigene Gewebe des Patienten handelt», sagt Locke. «Die gespendete Haut wird in mehreren Lagen wie ein biologischer Verband verwendet, der rund zwei Wochen auf der verbrannten Stelle liegen bleibt.»

Michelle Locke und ihr Team leisten seit dem Vulkanausbruch täglich Überstunden. «Es kann mehrere Stunden dauern, bis ein Patient in frische Leichenhaut ‹gekleidet› ist.» Da die Körper der Patienten ohne Haut die Temperatur nicht regulieren können, werden die Operationssäle auf 32 Grad Celsius geheizt.

Zwei Opfer noch immer vermisst

Mittlerweile ist die Identifizierung der Todesopfer von White Island abgeschlossen. Das teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Behörden zählen auch eine Australierin und einen Neuseeländer zu den Toten, deren Leichen bislang nicht gefunden wurden.

Die sterblichen Überreste der 17-jährigen Australierin und des 40-jährigen Neuseeländers werden vor der Küste der Vulkaninsel White Island im Meer vermutet. Die Suche nach den beiden Vermissten wurde am Dienstag zwar fortgesetzt. Ein Polizeihubschrauber musste wegen schlechten Wetters aber wieder umkehren. Taucher, die erneut das Meer um die Insel absuchen sollten, blieben an Land.

Bei den 18 Todesopfern handelt es sich um mindestens zwölf Australier, drei in Australien lebende US-Bürger und zwei neuseeländische Reiseführer. Das 13. Todesopfer aus Australien ist Medienberichten zufolge ein Mann, der am Wochenende in einem Krankenhaus in Sydney gestorben ist.

Insgesamt hatten sich zum Zeitpunkt der Eruption am Montag vergangener Woche 47 Touristen und Reiseführer auf der Insel in der Bay of Plenty etwa 50 Kilometer vor der Küste der neuseeländischen Nordinsel aufgehalten.

Mit Material der SDA

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