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Im Glarnerland bricht Gasversorgung zusammen

Die Infrastruktur leidet zusehends mehr unter der Kältewelle: Im Glarnerland waren diverse Haushalte von der Gasversorgung abgeschnitten. Auch die SBB haben mit Problemen zu kämpfen.

Sonnenaufgang in Basel. (9. Februar 2012)
Sonnenaufgang in Basel. (9. Februar 2012)
Georg Szaloky, Leserreporter
Kunstvolle Landschaft: Die Taminaschlucht bei Bad Ragaz. (7. Februar 2012)
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Keystone
Spüren die russische Kälte bereits: Eishockeyspieler am Strand von Saulkrasti, Lettland, bei minus 15 Grad. (29. Januar 2012)
Spüren die russische Kälte bereits: Eishockeyspieler am Strand von Saulkrasti, Lettland, bei minus 15 Grad. (29. Januar 2012)
Ints Kalnins, Reuters
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Die grimmige Kälte hat am Montagmorgen im Kanton Glarus zu einem Zusammenbruch der Gasversorgung geführt. 1800 Kunden der Technischen Betriebe Glarus (TBG) waren während vier Stunden ohne Heizung.

Der Grund für den Zusammenbruch war, dass ein Vorlieferant Gas mit zu wenig Druck ins Netz der Technischen Betriebe Glarus eingespiesen hatte, wie Direktor Andreas Schneider auf Anfrage zu einem Bericht des Onlineportals der Zeitung «Die Südostschweiz» sagte. Das sei noch nie vorgekommen, erklärte Schneider.

Auch Industriebetriebe betroffen

Betroffen vom Ausfall waren Privatkunden, Gewerbe- und einige Industriebetriebe im Hauptort Glarus sowie in den Ortschaften Netstal, Riedern, Ennenda und Mitlödi. Gegen Mittag hatte sich der Druck in der Gasleitung normalisiert, und die Heizungen funktionierten wieder.

TBG-Direktor Schneider schliesst nicht aus, dass sich der Vorfall bei anhaltender Kälte wiederholen könnte. «Wir können nichts machen, wenn wir zu wenig Druck vom Vorlieferanten haben», sagte er.

Probleme bei den SBB

Eingefrorene Weichen, Schienenbrüche, ausgefallene Klimaanlagen – die Liste der Kältefolgen bei den SBB ist lang. Wie SBB-Sprecher Reto Kormann auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte, mussten insbesondere in der Region Genf eingefrorene Weichen mit Bunsenbrennern enteist werden: «Eine Sisyphusarbeit.»

Auf dem Zürcher S-Bahn-Netz konnten einige Zugkompositionen gar nicht erst in Betrieb genommen werden. Laut Kormann waren sie wohl über das Wochenende im Depot eingefroren und mussten enteist werden, damit beispielsweise die Türen wieder geöffnet und die Kupplungen in Betrieb genommen werden konnten.

Rolltreppen funktionieren nicht

Wie viele Verbindungen davon betroffen waren, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass mit der S 12 von Winterthur ZH nach Brugg AG auch einer der meistbenutzten Pendlerzüge der Schweiz betroffen war. Sie wurde zum Teil mit weniger Wagen geführt, weshalb Passagiere nicht mehr in die überfüllten Züge einsteigen konnten.

Im Bahnhof Bern war am Morgen etwa um 8 Uhr für 15 Minuten der Strom auf Seite der «Welle» unterbrochen. Die Ursache ist unklar. Laut Kormann funktionierten in dieser Zeit unter anderem Rolltreppen nicht. Eine Person blieb zudem im Lift stecken.

Klimaanlage ausgefallen

Mehr Glück hatten Pendler im Intercity von Zürich nach Bern: Weil die Klimaanlage in einem Wagen der zweiten Klasse ausgefallen war, durften die Zweitklasspassagiere ohne Aufpreis in die erste Klasse wechseln. In solchen Fällen sei das Zugpersonal angehalten, nach «gesundem Menschenverstand» zu urteilen, sagte Kormann.

Trotz des Ärgers: Gravierende Konsequenzen für den Bahnverkehr hatten die Vorkommnisse offenbar nicht. Laut Kormann fuhren einzelne Züge mit Verspätungen von bis zu 25 Minuten. Um 10 Uhr habe sich jedoch alles wieder eingependelt.

Die Kälterekorde jagen sich

Die Nacht auf heute hat der Schweiz den neuesten Tiefstwert dieses Winters in bewohntem Gebiet beschert: In Samedan GR wurden –35,1 Grad gemessen. Auf der abgelegenen Glattalp SZ war es gar –45 Grad kalt. Noch kälter dürfte es nun nicht mehr werden.

Den Wert von –35,1 Grad teilten Meteonews und SF Meteo am Montag übereinstimmend mit. Fast ebenso kalt wie in Samedan GR war es auf der Alp Buffalora am Ofenpass GR mit –31,8 Grad. In La Brévine im Neuenburger Jura, dem sogenannten Sibirien der Schweiz, waren es –27,6 Grad. Diese Temperaturen hat Meteonews gemessen. Die höchste Temperatur wurde mit –7 Grad im Tessin verzeichnet. Im gesamten Europa bewegten sich die Werte zwischen plus 17 Grad und –34 Grad.

Gefrierschrank Graubünden

Weitere Tiefsttemperaturen wurden in anderen Bündner Gemeinden gemessen: In Davos –26,1 Grad, in Filisur –24,2 Grad, in Scuol –23,9 Grad und in Andeer –23,8 Grad. Auf dem Jungfraujoch herrschten –23,7 Grad.

SF Meteo meldete zudem –23 Grad in Eggiwil BE und –21 Grad in Ebnat-Kappel SG. SF Meteo hat zwar noch weitere Tiefstwerte gemessen, mahnt aber zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Temperaturen. So war es in Ulrichen im Goms VS –28,5 Grad kalt. Diese Messstation liegt wegen des vielen Schnees direkt über dem Boden, was die Temperaturen nach unten zieht. Auf der Glattalp SZ auf 1800 Metern mass gemäss SF Meteo das Elektrizitätswerk Schwyz gar –45 Grad. Der Wetterdienst Meteomedia von Jörg Kachelmann registrierte auf der Glattalp zuhinterst im Muotatal –44 Grad.

Im Flachland –20 Grad

In den tieferen Lagen des Mittellandes lagen die Temperaturen örtlich bis gegen –20 Grad. Laut Meteonews dürften die tiefsten Rekorde der aktuellen Kältewelle heute erreicht worden sein. Es bleibt aber weiterhin eisig kalt.

Am Wochenende hatten die Rekordwerte eine Kontroverse unter den Wetterdiensten ausgelöst. Kritisiert wurde etwa, dass es fragwürdig sei, an unbewohnten Orten mit extremen Bedingungen wie auf der Glattalp zu messen.

Einig sind sich die Wetterdienste darin, dass die tiefsten Temperaturen der aktuellen Kältewelle nun erreicht sein dürften. Noch kälter könnte es in der kommenden Nacht höchstens in La Brévine werden.

Tiefste Temperaturen auf Mallorca

Die spanische Ferieninsel Mallorca hat die tiefsten Temperaturen seit 40 Jahren registriert. Wie die Lokalpresse berichtet, waren an der Balearen-Universität in Palma de Mallorca am Vortag minus 5,7 Grad gemessen worden. Eine solche Kälte hatte es zuletzt 1972 gegeben. Die Höchsttemperatur stieg in der Inselhauptstadt nicht über 4,8 Grad, was ebenfalls den tiefsten Wert seit vier Jahrzehnten bedeutete.

Über 60 Kältetote in Polen

Wegen der klirrenden Kälte sind in Polen bereits über 60 Menschen gestorben. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien neun Kältetote im Nordosten gezählt worden, teilt die polnische Polizei mit. Die meisten Toten seien Obdachlose, die betrunken gewesen seien. Wegen der extremen Minusgrade lockerten die Aufnahmezentren für Obdachlose ihre Regeln. Sie nehmen inzwischen auch betrunkene Menschen auf.

In Italien fiel in der Region Abruzzen in der Mitte des Landes erneut Schnee. Einige Autobahnabschnitte wurden deswegen gesperrt. In mehreren Teilen Italiens fiel zudem der Strom aus. Mindestens 85'000 Menschen in Mittel- und Süditalien mussten ohne Elektrizität ausharren.

Chaos in Rom

In Rom blieben Schulen und Ämter geschlossen. Für Obdachlose wurden 2000 Schlafplätze zur Verfügung gestellt. In Bologna, Venedig, L'Aquila und in der Region Marche halfen Soldaten der Bevölkerung beim Schneeräumen. Innenministerin Annamaria Cancellieri appellierte an die Italiener, auf das Auto zu verzichten und zu Hause zu bleiben.

Allein am Wochenende starben in Italien wegen der Kältewelle 18 Menschen. Insgesamt stieg die Zahl der Kältetoten in Europa am Wochenende auf über 300. Die meisten Toten waren in der Ukraine zu beklagen. Dort starben wegen der seit dem 27. Januar anhaltenden Kälte bereits über 130 Menschen.

SDA/ami/bru

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