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Im Auto durch das Flammen-Inferno

Wegen anhaltender Gluthitze können die Waldbrände in Russland kaum eingedämmt werden. Ein dramatisches Amateurvideo zeigt ein Beispiel von der schwierigen Lage, in der sich die Bevölkerung zurzeit befindet.

Sie kamen um zu helfen und gerieten selbst in Not: Vier junge Rettungshelfer fahren mit ihrem Auto durch das Flammeninferno, das zurzeit in den russischen Wäldern tobt. Es dürften die fünf dramatischsten Minuten im Leben der jungen Männer gewesen sein. In der Hektik kollidieren sie mit einem weiteren Fahrzeug. Erst nach einiger Zeit und mit viel Glück gelingt ihnen die Flucht aus der misslichen Lage.

Das Video dürfte als Beispiel dienen, in welch schwieriger Lage sich die Bevölkerung rund um die Hauptstadt Moskau befindet. Und ein Ende ist zurzeit nicht in Aussicht: «Das sehr heisse Wetter dauert an», konstatierte der Chef des Nationalen Krisenzentrums, Wladimir Stepanow, und betonte, die Hitze sei das Hauptproblem im Kampf gegen die Flammen.

40 Todesopfer

Durch die seit mehreren Tagen wütenden Waldbrände kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums bislang 40 Menschen ums Leben.

Zu der anhaltenden Hitze kämen mancherorts ständig wechselnde Winde, sagte Stepanow. «Wir arbeiten hart Tag und Nacht. Es ist ein wahrer Kampf.» In den vergangenen 24 Stunden seien mehr als 320 neue Waldbrände registriert worden, erklärte das Ministerium für Katastrophenschutz auf seiner Internetseite.

Damit habe sich die von den Feuern betroffene Fläche um 45'000 Hektaren im Vergleich zum Vortag ausgeweitet. Zudem gebe es im Umland der Hauptstadt Moskau 50 neue Torffeuer. Es sei jedoch gelungen, knapp 250 Brände zu löschen. Insgesamt loderten am Dienstag nach Angaben des Ministeriums im ganzen Land noch mehr als 500 Brände auf einer Fläche von 172'000 Hektaren.

Atomforschungszentrum bedroht

Am Dienstag rückten die Brände bedrohlich nahe an ein Zentrum für atomare Forschung heran. Die Flammen rund um Sarow etwa 400 Kilometer östlich von Moskau seien jedoch inzwischen unter Kontrolle, teilte die Stadtverwaltung nach Angaben der Agentur Interfax mit.

Das Ministerium mobilisierte nach eigenen Angaben allein 180'000 eigene Spezialisten zur Bekämpfung der Flammen. Zudem wurden rund 5000 Soldaten und 3000 vom Innenministerium entsandte Einsatzkräfte in die betroffenen Gebiete geschickt.

Russland erlebt derzeit eine beispiellose Hitzewelle, die Präsident Dmitri Medwedew als Katastrophe bezeichnete, die nur «alle 30 bis 40 Jahre vorkommt».

Eine Abkühlung war auch am Dienstag nicht in Sicht: Für den Tag erwarteten die Meteorologen Temperaturen von bis zu 40 Grad in der Hauptstadt und Umgebung sowie Sichtweiten von unter einem Kilometer wegen des dichten Smogs.

Die hohen Temperaturen in Moskau und Zentralrussland sollen bis zum Ende der Woche anhalten, auch Regen ist weiterhin nicht in Sicht. Nach Angaben der Wetterbehörde wurde die Hitze durch ein Hochdruckgebiet ausgelöst.

Ausfälle bei Weizenernte

Die Trockenheit in Russland führt ausserdem voraussichtlich zu massiven Ausfällen bei der Weizenernte. Das Land ist einer der weltweit grössten Weizenexporteure.

Im Jahr 2009 hatte Russland noch eine Rekordernte von 97 Millionen Tonnen Weizen eingefahren, für dieses Jahr waren bislang rund 85 Tonnen vorausgesagt worden. Die sinkende Ernte in Russland lässt auch die Weizenpreise weltweit steigen.

SDA/mrs

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