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«Ich bin ein gesetzestreues Weichei»

Jörg Kachelmann erzählt in einem «Spiegel»-Interview über die schlimmsten Momente seiner Untersuchungshaft. Und er sagt, warum er auf seine Mutter stolz ist und immer noch in den Spiegel schauen kann.

Jörg Kachelmann verlässt am 29. Juli 2010 um 13.35 Uhr das Gefängnis in Mannheim.
Jörg Kachelmann verlässt am 29. Juli 2010 um 13.35 Uhr das Gefängnis in Mannheim.
Reuters
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Seit seiner Haftentlassung am letzten Donnerstag hat Jörg Kachelmann bereits mehrere kurze Interviews gegeben. Das ausführlichste ist nun im Magazin «Der Spiegel» erschienen. Über den anstehenden Prozess und seine erotischen Vorlieben schweigt sich der TV-Wettermoderator aus. Er gibt aber Fehler zu und berichtet über seine Untersuchungshaft, in der er sehr schwierige Momente erlebt habe. An die ersten 24 oder 38 Stunden könne er sich nur schemenhaft erinnern. Er spricht von Haftschock.

Die schlimmste Situation sei die richterliche Vernehmung vier Tage nach der Festnahme gewesen. Der Staatsanwalt habe ihm erklärt, dass er den Aussagen der Klägerin glaube. «Von da an habe ich Dante im Kopf gehabt. (...) Über dem Eingang zur Hölle steht: Ihr, die Ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnungen fahren.» Er sei von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen. «Dabei war und bin ich ein so gesetzestreues Weichei.» Seine typische Geschwindigkeitsübertretung, die mal alle fünf Jahre stattgefunden habe, betrage fünf Stundenkilometer.

«Die Heimatfront stand»

Kachelmann berichtet auch über den Besuch seiner 80-jährigen Mutter. «Sie musste miterleben, dass sie von der Mutter eines Promis vierter Garnitur zur Mutter eines messerstechenden, gewalttätigen, promisken Vergewaltigers wurde.» Der TV-Moderator zeigt sich stolz, dass seine Mutter trotzdem stark geblieben sei. «Für mich war das sehr wichtig. Die Heimatfront stand.»

Über sein Leben in der U-Haft sagte Kachelmann: «Ich war dort Hilfsreiniger. Ich musste auch die Klos putzen und Post verteilen.» Wettervorhersagen aus der Zelle habe er nicht gemacht, obwohl ihn seine Mithäftlinge darum gebeten hätten. Wetter sei die Leidenschaft seines Lebens gewesen, «daraus wurde ich nun rausgerissen». Trotz des Vergewaltigungsvorwurfs sei er von den Mithäftlingen keinesfalls schlecht behandelt worden. «Mit der Zeit hätten sich die Leute selbst ein Urteil gebildet. Kriminelle haben ein gutes Gefühl dafür, was ein Verbrechen ist und was nicht.» Er habe in vier Monaten sehr viele Hände geschüttelt – was ein Zeichen von Respekt sei. Mit einigen Mitgefangenen möchte Kachelmann in Kontakt bleiben.

Nicht immer monogam gelebt

Zur Sprache kommt auch seine frühere Freundin, die ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Kachelmann spricht von einem Racheakt, äussert sich aber auch selbstkritisch: «Diese Beziehung lief länger, als ich es hätte zulassen sollen. Dadurch habe ich diese Frau in einer Weise gekränkt, die ich in der Nachschau nur im höchsten Masse bedauern kann.» Und weiter: «Ich hoffe, dass es ihr gelingt, durch die Rücknahme des Vorwurfs Frieden mit sich selbst wiederherzustellen.»

Den Vergewaltigungsvorwurf weist Kachelmann entschieden zurück. «Ich habe keinen Fehler von irgendwelcher juristischer Relevanz gemacht.» Klar, er habe in seinem Leben sicher nicht alles richtig gemacht. Er habe auch nicht in jeder Phase seines Lebens monogam gelebt. «Aber deswegen habe ich keine Straftat begangen. Und deshalb kann ich auch immer noch in den Spiegel blicken.» Und er müsse sich nicht öffentlich schämen.

«Kein dringender Tatverdacht»

Der 52-jährige Schweizer kam am Donnerstag nach rund viermonatiger Untersuchungshaft wieder auf freien Fuss. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte die Haftentlassung angeordnet, weil «kein dringender Tatverdacht» bestehe, dass Kachelmann seine Ex-Freundin vergewaltigt habe. Es stehe vielmehr «Aussage gegen Aussage». Der Prozess gegen Kachelmann beginnt am 6. September in Mannheim.

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