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«Ich bedaure den schrecklichen Unfall»

Eine Schülerin fiel beim Riverrafting aus dem Schlauchboot in die Saane und ertrank. Der zuständige Guide wurde nun auch vom Berner Obergericht freigesprochen.

Über sieben Jahre nach einem tödlichen Riverrafting-Unfall auf der Saane bei Gstaad BE hat das bernische Obergericht am Donnerstag den Bootsführer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Es bestätigte damit das Urteil der ersten Instanz.

Der Ablauf des Geschehens sei schlicht nicht rekonstruierbar, sagte die vorsitzende Oberrichterin. Die dreiköpfige Strafkammer sah – wie bereits die Vorinstanz - keine Nachweise für eine strafrechtlich relevante Verletzung der Sorgfaltspflicht. Der Bootsführer habe im Bereich der erlaubten Risikoabwägung gehandelt.

Die Tragödie geschah im Juli 2007 an einer engen Stelle der Vanel-Schlucht zwischen Gstaad BE und Château-d'Oex VD. Der heute 48-Jährige gehörte zu drei Guides, die mit einer Zürcher Schulklasse in drei Booten eine geführte Riverrafting-Tour auf der Saane unternahmen.

An der engen Stelle fuhren die zwei vorderen Boote aufeinander auf, worauf das zweite Boot – dasjenige des angeklagten Tourguides – kenterte. Eine 15-jährige Schülerin bliebt mit ihrer Schwimmweste unter Wasser eingeklemmt und konnte erst nach mehreren Minuten geborgen werden. Sie starb wenige Tage später im Spital.

Distanz als «dehnbare Regelung»

Aus Sicht der Klägerin – der Familie des Opfers – hatte der Bootsführer zu wenig Abstand zum vorderen Boot, was zu einem halsbrecherischen Manöver geführt habe. Laut Obergericht lässt sich aber aufgrund der Zeugenaussagen kaum eruieren, wie viel Abstand die Boote auf dem fliessenden Gewässer tatsächlich hatten.

Die Frage der Distanz sei zudem beim Riverrafting eine «dehnbare Regelung», sagte die Oberrichterin. Die entsprechenden Richtlinien sähen vor, dass die Bootsführer untereinander Abstand wahren, sich aber auch helfen sollten.

Der Angeschuldigte hatte ausgesagt, er habe befürchtet, dass das vordere, vor einem Felsen blockierte Boot, kentern würde. Deshalb habe er seinen Kurs in der schnelleren Strömung gehalten. Dies in der Absicht, am gekenterten Boot vorbeizufahren und die Schüler weiter unten aus dem Wasser zu ziehen.

Den Einwand der Einklage, diese Version sei eine nachträglich aufgestellte «Schutzbehauptung» des Angeschuldigten, liess das Obergericht nicht gelten. Das Manöver des Guide sei als mögliche Option nachvollziehbar.

Guide bedauert «schrecklichen Unfall»

Der Tourguide nahm den Freispruch unter Tränen entgegen. Er hatte sich in seinem Schlusswort an die im Saal anwesende Familie des Opfers gewandt und gesagt, dass ihm dieser «schreckliche Unfall» von Herzen leid tue. Er habe damals alles so gemacht, «wie ich es konnte». Er würde sich auch heute wieder gleich verhalten.

Der Anwalt der Familie liess nach der Urteilsverkündigung offen, ob er das Urteil an das Bundesgericht weiterziehen werde. In Lausanne ist noch eine Klage zu einer Genugtuungsforderung hängig, die vom Zürcher Obergericht abgelehnt worden war. Dabei geht es um die Frage der Eignung der Riverrafting-Strecke auf der Saane für Schüler im Alter von 15 Jahren.

Dass der Fall erst im letzten Jahr – sieben Jahre nach dem Unglück – vor das Einzelgericht Oberland kam, hat verschiedene Gründe. So wurde zunächst gegen weitere Beteiligte ermittelt, darunter den Geschäftsführer des Tour-Anbieters oder gegen den Lehrer der Zürcher Schulklasse. Diese Verfahren wurden jedoch eingestellt.

SDA/rub

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