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Gepäckwagen rasen wegen Sturm über Landepiste

Sieben Trolleys haben sich am Flughafen Zürich selbstständig gemacht und dabei beinahe eine Katastrophe ausgelöst.

Die Ausreisser legten eine beachtliche Strecke zurück: Die verwaiste Piste 28 des Flughafens Kloten, links das Terminal A. (Archivbild).
Die Ausreisser legten eine beachtliche Strecke zurück: Die verwaiste Piste 28 des Flughafens Kloten, links das Terminal A. (Archivbild).
Steffen Schmidt, Keystone
Die Wagen waren – da sie sich überhaupt erst bewegen liessen – ungenügend gesichert: Die aneinandergereihten Trolleys, wie sie am Rand der Piste 28 vorgefunden wurden. Die Deichsel eines der Gepäckwagen befindet sich in vertikaler Stellung (Pfeil).
Die Wagen waren – da sie sich überhaupt erst bewegen liessen – ungenügend gesichert: Die aneinandergereihten Trolleys, wie sie am Rand der Piste 28 vorgefunden wurden. Die Deichsel eines der Gepäckwagen befindet sich in vertikaler Stellung (Pfeil).
Schlussbericht Nr. 2300 der Sust
Auf dem Radar sieht man die mit 88 Knoten landende SWR1353, am Pistenrand ein Radarecho der Gepäckwagen.
Auf dem Radar sieht man die mit 88 Knoten landende SWR1353, am Pistenrand ein Radarecho der Gepäckwagen.
Schlussbericht Nr. 2300 der Sust
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Zwischen zwei landenden Flugzeugen rollten im Februar 2016 sieben Gepäckwagen über die Piste 28 – Windböen hatten die Trolleys auf dem Flughafen Zürich losgerissen und unkontrolliert über den Platz gefegt. Es war nicht der erste derartige Vorfall. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat nun zwei Sicherheitsempfehlungen erlassen.

Am Abend des 9. Februar 2016 zog ein Sturmtief über Norddeutschland hinweg nach Südschweden. Auf dem Flughafen Zürich wurde böiger Westwind mit Spitzen von bis zu 120 Stundenkilometern gemessen.

Gegen 22.24 Uhr bemerkten ein Flugzeugtraktorfahrer und ein Ramp Supervisor auf dem Flughafengelände, dass «hinter ihnen eine Reihe von sieben aneinandergehängten Gepäckwagen mit hoher Geschwindigkeit vom Wind in Richtung der Piste 28 getrieben wurden», heisst es im Sust-Bericht, der heute veröffentlicht wurde.

Flugbesatzung sah Gepäckwagen nicht

Die Arbeiter versuchten zunächst, die Gepäckwagen einzuholen und anzuhalten. Sie konnten dann aber nicht verhindern, dass diese auf die Piste rollten. Die Trolleys überquerten die Piste und kamen schliesslich am nördlichen Pistenrand beim Rollweg Juliet an der Grasnarbe zum Stillstand.

Kurz zuvor, um 22.23 Uhr, war ein Finnair-Airbus auf der Ostpiste 28 gelandet. Und um 22.25 Uhr setzte ein Swiss-Jumbolino auf. «Die Flugbesatzung führte eine normale Landung durch und hatte keinen Sichtkontakt zu den Gepäckwagen, die sie in einem Abstand von rund 15 bis 20 Metern zur rechten Flügelspitze und mit einer Geschwindigkeit von annähernd 90 Knoten (rund 167 km/h) passierte.»

Danach wurde die Piste für elf Minuten gesperrt: Zwei anfliegende Maschinen mussten durchstarten, die Gepäckwagen wurden entfernt, und die Landebahn wurde nach weiteren Gegenständen abgesucht.

Die Wagen waren ungenügend gesichert

Die Sust schreibt in ihrem Bericht von einem «schweren Vorfall». Ob die Gepäckwagen defekt waren, ist unklar – sie wurden nach dem Sturm gleich wieder eingesetzt und konnten in der Menge der rund 3500 ähnlichen Wagen nicht mehr ausfindig gemacht werden.

Die Wagen waren aber – da sie sich bewegen liessen – zumindest ungenügend gesichert: Deshalb empfiehlt die Sust, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) gemeinsam mit den Flugplatzbetreibern geeignete Massnahmen ergreift, um zu verhindern, dass sich Gepäckwagen durch starke Winde unkontrolliert verschieben können.

Keine regelmässigen Wartungen

Wie dem Bericht zu entnehmen ist, war es auf dem Flughafen Zürich zuvor schon zu mehreren ähnlichen Vorfällen gekommen: Für die Zeit vom Juni 2012 bis März 2016 werden acht Vorkommnisse aufgezählt. So wurde unter anderem am 21. Oktober 2014 der Flugbetrieb eingestellt, «weil sich zu viele Objekte auf Pisten und Rollwegen befanden».

Abklärungen der Sicherheitsuntersuchungsstelle zeigten, «dass die Gepäckwagen von den verschiedenen Nutzern nicht regelmässig auf ihren Zustand kontrolliert beziehungsweise gewartet wurden». Wartungsarbeiten seien erst ausgeführt worden, nachdem Mängel eher zufällig entdeckt worden seien.

Technische Anpassung

Die Sust regt auch eine technische Anpassung an, da die vorhandenen Warnsysteme auf die Gepäckwagen nicht reagiert hätten.

So lösen etwa Flugzeuge und Fahrzeuge automatisch Alarm aus, wenn sie eine aktivierte Stopplinie vor einer Piste überqueren. «Ein Versuch ergab, dass die Gepäckwagen aufgrund ihrer kleinen Masse den Alarm nicht ausgelöst hätten.»

Nach dem schweren Vorfall hat die Flughafen Zürich AG gemäss Sust-Bericht sofort reagiert. Bereits am Tag darauf sensibilisierte sie ihre Mitarbeiter. Zudem wurden im Sinne einer Übergangslösung die Checklisten angepasst; so werden Gepäckwagen seither stichprobenartig kontrolliert und deren «Eigentümer benachrichtigt beziehungsweise in die Pflicht genommen».

SDA/sep

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