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Führerloser Frachter wird abgeschleppt

Die Rettungsaktion eines hilflos vor der kanadischen Küste treibenden Containerschiffs ist angelaufen. Ein Spezialschiff soll den Frachter abschleppen. Geht sie schief, droht eine Katastrophe.

Treibt mit Tonnen von Öl und Diesel hilflos im Pazifik: Das russische Containerschiff Simushir. (17. Oktober 2014)
Treibt mit Tonnen von Öl und Diesel hilflos im Pazifik: Das russische Containerschiff Simushir. (17. Oktober 2014)
Keystone

Ein russischer Frachter mit Hunderten Tonnen Treibstoff an Bord ist auf rauer See vor der kanadischen Pazifikküste abgetrieben. Der Antrieb der Simuschir sei in der Nacht zu Freitag vor der westkanadischen Provinz British Columbia aus ungeklärter Ursache ausgefallen, sagte der Koordinator der Rettungsaktion, Ron MacDougall.

Zur Bergung des manövrierunfähigen Schiffs traf ein auf Ozeaneinsätze spezialisierter Schlepper an der Pazifikküste Kanadas ein. Das Spezialboot mit dem Namen Barbara Foss habe die Simuschir erreicht, berichtete ein Sprecher des Koordinierungszentrums des Rettungseinsatzes, Paul Pendergast. Ein Abschlepptau sei bereits an dem unter anderem mit Hunderten Tonnen Treibstoff beladenen Frachter befestigt worden.

Wenn die Rettungsaktion nach Plan läuft, soll der Schlepper das Containerschiff zur Reparatur in ruhieres Gewässer bringen, sagte Pendergast. Zuvor war die Simuschir vor der Inselgruppe Haida Gwaii erneut für weitere sechs Stunden abgetrieben, nachdem sich ein Abschleppseil auf rauer See gelöst hatte. Für die Region gilt eine Sturmwarnung.

Kapitän verletzt

Das 1998 in den Niederlanden gebaute Containerschiff sei mit einer elfköpfigen Besatzung auf dem Weg von der Stadt Everett im US-Staat Washington nach Russland gewesen und habe unter anderem 400 Tonnen Schweröl und 50 Tonnen Dieseltreibstoff geladen, sagte MacDougall. Der Kapitän sei verletzt und in Sicherheit gebracht worden.

Post by Maritime Forces Pacific / Forces maritimes du Pacifique.(Video: Facebook/Maritime Forces Pacific)

Die auf den Inseln lebenden Indianer fürchten eine Umweltkatastrophe. Der Präsident der Haida Nation, Pete Lantin, sagte, es ziehe ein Sturm auf. Wenn das 135 Meter lange Schiff auf die felsige Küste geworfen werde, breche es auseinander. Die rund 5000 Bewohner seien auf die Fischerei angewiesen, die Treibstoff und Chemikalien der Simuschir nun gefährdeten. «Wir fühlen uns hilflos», sagte Lantin. «Wir erwarten ein katastrophales Ereignis und eine riesige Katastrophe für uns.»

In der Region vor British Columbia gibt es seit Jahren grosse Sorgen vor Ölkatastrophen. Im Jahr 1989 waren aus dem verunglückten Öltanker Exxon Valdez in dem Gebiet 35000 Tonnen Öl ausgelaufen und hatten eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der Geschichte der Seefahrt ausgelöst.

Als die Küstenwache die Simuschir an den Haken nahm, war sie gerade noch 14 Kilometer von den Haida Gwaii Inseln entfernt, die auch als Queen-Charlotte-Inseln bekannt sind. Je weiter das Schiff auf offene See geschleppt wird, desto geringer ist die Gefahr einer Verschmutzung der Küstengewässer.

«Kein Ölteppich»

Der Sprecher der Küstenwache, Roger Girouard, sagte, das kalte Wetter werde eventuell ausgelaufenes Öl schnell auf den Meeresboden sinken lassen, so das kein Ölteppich an der Wasseroberfläche entstehe. Ausserdem seien wegen der Kälte nur wenige Zugvögel in der Gegend.

Dennoch stellte die Küstenwache Ausrüstung zur Bekämpfung einer Ölverschmutzung bereit. Auch die kanadische Armee beteiligte sich der Rettungsaktion. Die US-Küstenwache hielt einen Hubschrauber in Bereitschaft, um die verbliebenen Besatzungsmitglieder gegebenenfalls von Bord zu holen.

Die Simuschir ist in Cholmsk auf der Insel Sachalin registriert und gehört der Reederei Sasco. Deren Sprecher sagte, an Bord seien 298 Container mit Bergbauausrüstung.

SDA/chk

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