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Falschem Rockefeller droht lebenslänglich

Im Mordprozess gegen den deutschen Hochstapler Christian G. wurden in Los Angeles die Eröffnungsplädoyers gehalten. Ihm wird vorgeworfen, einen 27-jährigen Mann getötet und in Plastiksäcken versteckt zu haben.

Plädiert auf nicht schuldig: Falscher Rockefeller Christian G. (18. März 2013)
Plädiert auf nicht schuldig: Falscher Rockefeller Christian G. (18. März 2013)
Keystone

Im Mordprozess gegen einen als falscher Rockefeller bekannt gewordenen deutschen Hochstapler in Los Angeles wertet die Staatsanwaltschaft das jahrelange Versteckspiel des Angeklagten als Beweis für dessen Schuld. Nach dem mutmasslichen Mord am Sohn seiner Vermieterin Mitte der 80er Jahre habe sich der gebürtige Bayer mit falschen Identitäten getarnt, sagte Staatsanwalt Habib Balian am Montag (Ortszeit).

Balian breitete in seinem Eröffungsplädoyer vor den Geschworenen die bizarre Lebensgeschichte von Christian G. aus, der Ende der 70er Jahre aus dem Chiemgau in die USA gekommen war und in Hollywood Karriere machen wollte. Demnach soll der Deutsche, der sich damals Christopher Chichester nannte, im Februar 1985 in einem Nobelvorort von Los Angeles den 27-jährigen John Sohus ermordet haben. Die in Plastiksäcken verpackte Leiche wurde 1994 bei Bauarbeiten an einem Swimmingpool im Garten des Hauses entdeckt.

Verschollene Ehefrau Täterin?

Die Ermittler verdächtigen den Deutschen auch, für das Verschwinden von Sohus' Ehefrau Linda verantwortlich zu sein, deren Leiche nie gefunden wurde. Angeklagt wurde G. aber nur wegen des Mordes an dem Ehemann, im vergangenen Jahr plädierte er auf nicht schuldig. Der Anwalt von G., Brad Bailey, präsentierte in seinem Eröffnungsplädoyer am Montag die Theorie, dass die verschollene Frau des Opfers als Täterin ebensogut in Frage komme.

Bailey räumte ein, dass sein Mandat mehrere Identitäten benutzt und sich bisweilen «bizarr» verhalten habe. Doch das reiche nicht aus, um ihn als Mörder abzustempeln. Linda Sohus habe ebenfalls ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag gelegt – und angeblich drei Monate nach dem Verschwinden des Paares aus Paris Postkarten an Freunde und Angehörige geschickt.

Vermisste Frau verschickte Postkarten

Die Postkarten sind ein besonders mysteriöses Beweismittel in einem sehr rätselhaften Fall: Die Handschrift stammt von Linda Sohus, die Spucke auf der Briefmarke von einem unbekannten Mann. Nach Ansicht der Verteidigung wurden die Karten tatsächlich von der Frau des Opfers losgeschickt. Die Staatsanwaltschaft glaubt dagegen, dass G. den Versand der Post aus Europa arrangiert haben könnte.

Ein Mordmotiv nannte Staatsanwalt Balian nicht, dafür konzentrierte er sich auf die verschiedenen Identitäten des Angeklagten. Nach dem mutmasslichen Mord habe G. das neue Pseudonym Christopher Crowe angenommen und sei an die Ostküste gezogen, wo er als Aktienhändler in New York arbeitete. Doch die Polizei war ihm auf den Fersen, stellte eine Verbindung zwischen Crowe und dem Fahrzeug des verschwundenen Ehepaars her. G. sei daraufhin erneut abgetaucht und habe sich fortan Clark Rockefeller genannt.

Bereits wegen Kindesentführung verurteilt

Mit Phantasie-Geschichten über seine angebliche Zugehörigkeit zum legendären Rockefeller-Clan gewann der Deutsche das Herz einer wohlhabenden Unternehmensberaterin, die er 1995 heiratete. Nach der Scheidung und einem Sorgerechtsstreit entführte G. die gemeinsame Tochter und wurde dafür 2009 in Boston zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Der damalige Prozess brachte die vielen falschen Identitäten ans Licht – und rief die Ermittler in Los Angeles auf den Plan. Mitte 2011 wurde G. in ein Gefängnis in Kalifornien verlegt. Der jetzige Prozess soll drei bis vier Wochen dauern. Im Falle eines Schuldspruches droht G. eine Haftstrafe zwischen 26 Jahren und lebenslänglich.

AFP/chk

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