Zum Hauptinhalt springen

Fäkalien und Tierkadaver in Thailands Fluten

In Bangkok mischen sich die Fluten mit schmutzigem Wasser aus überlaufenden Abflussrohren. Viele Strassen sind zu schwimmenden Müllkippen geworden. Die Krankheitsfälle nehmen zu.

Schwimmender Kühlschrank: Ein Knabe bewacht das Gerät in Pathum Thani. (17. Oktober 2011)
Schwimmender Kühlschrank: Ein Knabe bewacht das Gerät in Pathum Thani. (17. Oktober 2011)
Sukree Sukplang, Reuters
Reissende Fluten: Thailändische Soldaten helfen der Bevölkerung beim Überqueren der Strasse. (17. Oktober 2011)
Reissende Fluten: Thailändische Soldaten helfen der Bevölkerung beim Überqueren der Strasse. (17. Oktober 2011)
Sukree Sukplang, Reuters
Der Honda-Verkäufer in Rojana hat seine Neuwagen auf einer Brücke in Sicherheit gebracht. (16. Oktober 2011)
Der Honda-Verkäufer in Rojana hat seine Neuwagen auf einer Brücke in Sicherheit gebracht. (16. Oktober 2011)
Sakchai Lalit, Keystone
1 / 9

Fauliges braunes Wasser schwappt an Samroeng Verravanichs Oberschenkel, als der Müllmann durch eine der vielen überschwemmten Strassen von Bangkok watet. Mit einem Handschuh fischt er eine schleimige Plastiktüte aus der stinkenden Brühe und wirft sie in einen roten Korb, den er hinter sich herzieht. «Wenn man Risse in der Haut hat, kann man sich eine Infektion zwischen den Fingern holen», sagt Samroeng und zeigt seine mit einem roten Ausschlag überzogene Hand. «Meine Hände sind infiziert. Es tut weh und breitet sich aus wie ein Virus.»

Während das schlimmste Hochwasser in Thailand seit mehr als einem Jahrzehnt immer weiter auf die Innenstadt von Bangkok vorrückt, mischen sich die Fluten mit schmutzigem Wasser aus überlaufenden Abflussrohren und Kanälen. Viele Strassen sind zu schwimmenden Müllkippen geworden. Überquellende Plastiktüten mit Müll und verfaulten Essensresten bleiben an Booten, Autos, Motorrädern und Fussgängern hängen, die sich langsam durch die überfluteten Strassen schlängeln. Fäkalien und Tierkadaver schaukeln in der Brühe.

Grössere Krankheitsausbrüche wurden bisher nicht gemeldet, seitdem das Hochwasser Ende Juli nördlich der Hauptstadt begann. Experten warnen aber davor, dass die grössten Gefahren für die Gesundheit in den kommenden Wochen bevorstehen, wenn sich das fliessende Wasser zurückzieht und abgestandene Reste zurückbleiben. «Darin bestehen viele Gefahren», sagte ein Sprecher des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, der Hygienefachmann Mark Thomas. «Man muss Kinder aus dem Wasser fernhalten, und jeder sollte dem Wasser so weit wie möglich aus dem Weg gehen.»

Bewohner müssen Notdurft im Freien verrichten

Zu befürchten sind dann vor allem von Moskitos übertragene Krankheiten wie Dengue-Fieber, ausserdem Augeninfektionen, Durchfall und Dehydration. Bisher sind hauptsächlich Hauterkrankungen und Pilzinfektionen aufgetreten. Fast 100'000 Fälle von Fusspilz wurden bereits gemeldet. Auch Durchfall und Atemwegserkrankungen sind verbreitet, vor allem in den oft überfüllten und überhitzten Notunterkünften, in denen es weder sauberes Wasser noch Strom gibt.

Seit Beginn der Hochwasserkatastrophe mussten etwa 110'000 Menschen ihre Häuser verlassen und fast 450 kamen ums Leben. Am Donnerstag erklärte der Gouverneur von Bangkok den westlichen Bezirk Ban Khae zum Evakuierungsgebiet. Damit wurden nun bereits die Bewohner von acht der insgesamt 50 Bezirke der Stadt aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen.

Kein fliessendes Wasser und keine Toiletten

In vielen der unter Wasser stehenden Häuser gibt es kein fliessendes Wasser und keine Toiletten mehr, so dass sich die Bewohner im Freien waschen und ihre Notdurft verrichten müssen. «Wir wissen alle, dass die Gefahr da ist», sagte die Vertreterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Thailand, Maureen Birmingham. «Die Menschen bekommen Wasser in den Mund, das mit Fäkalien verseucht ist und allen Krankheiten, die sich daraus ergeben können - das ist vermutlich die grösste Sorge.»

Da in die am schwersten betroffenen Gebiete keine Abfallfahrzeuge mehr vordringen können, sind viele Müllarbeiter nun mit Booten oder zu Fuss unterwegs. So wie Samroeng waten sie jeden Tag sieben Stunden lang bis zu zehn Kilometer weit durch das übelriechende Wasser, das ihnen zum Teil bis zur Brust steht. «Ich darf keine Angst davor haben, krank zu werden», sagte Samroeng. «Das hier ist mein Job, meine Pflicht.»

Margie Mason/ dapd/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch