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Ex-Schwimmtrainer streitet sexuelle Nötigung ab

Missbrauchsprozess im Tessin: Der frühere Schwimm-Nationaltrainer Flavio Bomio hat seine Übergriffe auf über 15 Jugendliche zugegeben, streitet aber ab, Druck auf seine Opfer ausgeübt zu haben.

Anklage wegen mehr als 400 sexuellen Delikten: Polizisten vor dem Gericht in Lugano.
Anklage wegen mehr als 400 sexuellen Delikten: Polizisten vor dem Gericht in Lugano.
Keystone

Im Tessiner Missbrauchsprozess hat die Verteidigung des Ex-Präsidenten des Schwimmclubs Bellinzona eine Strafe von höchstens sechs Jahren Gefängnis gefordert. Der frühere Trainer soll über 13 Jahre lang Buben zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

Der 71-jährige Tessiner soll von 1998 bis 2007 mehr als 400 sexuelle Delikte an über 15 Minderjährigen begangen haben. Im Prozess vor dem Strafgericht in Lugano hat Flavio Bomio die Übergriffe eingestanden. Er rechtfertigte allerdings sein Verhalten. Insbesondere stritt er ab, Druck auf seine Opfer ausgeübt zu haben.

«Grosse Schuld»

Seine Anwältin Maria Galliani forderte das Gericht auf, Bomio vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und gewissen sexuellen Handlungen freizusprechen, wie sie sagte.

Am Mittwoch hatte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von 14 Jahren für den Ex-Trainer beantragt. Die Anklage wirft dem 71-Jährigen sexuelle Nötigung, Schändung und Kindesmissbrauch vor. Die Vorwürfe reichen von Berührungen des Intimbereichs beim Duschen oder Massieren bis zu Analverkehr.

Der Angeklagte habe eine sehr grosse Schuld auf sich geladen, begründete Staatsanwalt Amos Pagnamenta seine Forderung. Von Reue sei fast nichts zu spüren.

Zahlreiche Übergriffe verjährt

Bomio – der früher auch Nationaltrainer war – habe viel mehr als die 400 Übergriffe begangen. Die Vorfälle aus der Zeit vor 1998 seien inzwischen verjährt. Gemäss Pagnamenta liegt der erste dokumentierte Fall sexueller Nötigung bereits 45 Jahre zurück.

Der Staatsanwalt verwies auf eine vom Trainer selbst geführte Liste der «Eroberungen». Diese bizarre Tabelle habe rund 40 Namen enthalten.

Als Boss des Clubs in Bellinzona habe der Trainer leichtes Spiel gehabt. Der Angeklagte habe dabei bewusst seine Autorität, sein Ansehen und seine Machtposition in der Schwimmszene ausgenutzt.

SDA/mw

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