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Ermittler vermuten Einzeltäter hinter der Bombe von Brindisi

Nicht die Mafia, sondern eine Einzelperson soll gemäss Behörden für den Anschlag in Brindisi verantwortlich sein. Zwei Personen wurden bereits vernommen – und die Sicherheitsmassnahmen massiv verschärft.

Nach dem Bombenanschlag auf eine Berufsschule in Süditalien mit einem Todesopfer gehen die Ermittler von einem Einzeltäter aus. Es sei unwahrscheinlich, dass die Mafia hinter der Tat stecke, sagte Staatsanwalt Marco Di Napoli. Möglicherweise handle es sich bei dem Täter um einen psychisch Kranken.

Vor der Morvillo-Falcone-Berufsschule in Brindisi war am Samstagmorgen ein aus drei Gaskanistern und einem Zeitzünder bestehender Sprengsatz explodiert, als die Schüler gerade zum Unterricht strömten. Splitter flogen durch die Luft, die Opfer erlitten schwere Verbrennungen. Eine 16-Jährige wurde getötet, fünf weitere Schülerinnen schwer verletzt.

Politisches Motiv nicht vom Tisch

Zu dem Anschlag bekannte sich niemand. Beobachter vermuteten wegen des Namens der Berufsschule zunächst einen Zusammenhang mit der Mafia. Francesca Morvillo-Falcone war die Frau des berühmten Mafia-Jägers und Untersuchungsrichters Giovanni Falcone. Sie starb mit ihrem Mann und drei Leibwächtern am 23. Mai 1992 bei einem Anschlag der Mafia. Ermittler betonten dagegen, es sei unwahrscheinlich, dass die in der Region um Brindisi aktive Mafia-Organisation Sacra Corona Unita auf ihrem eigenen Territorium Zivilisten angreife.

«Es ist nicht unmöglich, dass die ganze Tat von einer einzigen Person organisiert worden ist», sagte Staatsanwalt Di Napoli. Es sei aber auch denkbar, dass es Mittäter gebe. Ein politisches Motiv sei ebenso wenig vom Tisch.

«Er wollte ein Massaker verüben»

Bei dem Anschlag handle es sich «möglicherweise um die Tat einer Person, die mit dem Rest der Welt im Krieg steht oder psychische Probleme hat», sagte Di Napoli weiter. Die Ermittler zeichneten auf der Basis von Aufnahmen aus Überwachungskameras ein Phantombild zur Fahndung des Verdächtigen.

Der Täter habe die Abläufe an der Schule offenbar gekannt und den Zeitpunkt für die Explosion gezielt gewählt. «Er wollte ein Massaker verüben», sagte Di Napoli. Nach italienischen Medienberichten wurden zwei Verdächtige nach einer nächtlichen Vernehmung wieder auf freien Fuss gesetzt.

Protest gegen Gewalt

Der Anschlag löste in Italien eine Schockwelle aus. Landesweit wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. In mehreren Städten, darunter Rom, Neapel, Mailand und Bologna, gingen tausende Menschen gegen die Gewalt auf die Strasse.

In Rom zogen die Teilnehmer eine Parallele zur «bleiernen Zeit» in den 70er und 80er Jahren, als bei Anschlägen der Roten Brigaden sowie von Faschisten 415 Menschen getötet wurden. Landesweit wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt, die Stadtverwaltung von Brindisi rief zwei Trauertage aus.

Innenministerin Anna Maria Cancellieri betonte, die Polizei prüfe «zahlreiche Hypothesen», und warnte vor voreiligen Schlüssen. Es handle sich um einen «ungewöhnlichen» Anschlag, der von bekannten Mustern abweiche. Ministerpräsident Mario Monti verurteilte das «tragische» und «kriminelle» Attentat.

SDA/rbi

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