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Einsame Vorfreude in Paris auf ein ungeborenes Kind

Frankreichs Justizministerin Rachida Dati verrät nicht, wer der Vater ihres Kindes ist. Spaniens Ex-Premier José Maria Aznar will es nicht gewesen sein.

Noch hat die Theatersaison nicht wieder angefangen und schon geht es in der Pariser Regierung zu wie auf einer Boulevardbühne: Die schöne Justizministerin kommt mit unübersehbarem Bauch aus den Sommerferien zurück. Zwei Wochen lang wagt niemand, Rachida Dati rundheraus die Frage zu stellen. Die Dame ist für äusserst harsche Reaktionen auf unerwünschte Bemerkungen bekannt. Ausserdem ist sie Junggesellin.

Anfang September teilt sie einem ausgewählten Kreis von Journalisten zwischen Tür und Angel mit, dass sie ein Kind erwartet. Aus den Gesprächsfetzen, die anschliessend veröffentlicht werden, lässt sich entnehmen, dass sie sich schon immer ein Kind gewünscht hat, dass sie schon einige Fehlgeburten hatte und dass sie ihrem Glück noch nicht traut. Und wer ist der Vater? «Ich habe ein kompliziertes Privatleben», erklärt Dati, zweites von elf Kindern einer algerisch-marokkanischen Einwandererfamilie, «dazu werde ich nichts sagen».

Gerüchteküche brodelt

Unterdessen haben sich die Gerüchte überschlagen. Die einen wissen sicher, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt mit dem Topmanager Henri Proglio liiert war, die anderen sind sich gewiss, dass sie eine Romanze mit dem prominenten Komiker Arthur hatte. Der dröge spanische Ex-Regierungschef José Maria Aznar, der sich auch im Kreis der designierten möglichen Väter befindet, lässt es sich nicht nehmen, das Gerücht, das von einer obskuren marokkanischen Website verbreitet wird, mit einem offiziellen Dementi zu ehren. Es ist in der seriösen spanischen Presse nachzulesen, zusammen mit der Androhung juristischer Konsequenzen für den Urheber und jeden, der es weiter verbreitet.

Die 42-jährige Rachida Dati ist nicht die erste französische Ministerin, die schwanger wird. Wird sie deshalb zurücktreten oder sich auf ein politisches Nebengleis abschieben lassen? Wohl kaum. Drei sozialistische Ministerinnen Ségolène Royal, Frédérique Bredin und Florence Parly haben es vorgemacht und während ihrer Amtszeit entbunden. Vor wenigen Wochen hat es die neue spanische Verteidigungsministerin Carmé Chacón genauso gehalten.

In den vergangenen Monaten hat Rachida Dati vor allem durch ihren rücksichtslosen Führungsstil von sich reden gemacht. Insgesamt 14 Stabsmitarbeiter haben schon die Flucht ergriffen. Zeitweilig hatte sie dem (damals noch nicht mit Carla Bruni verheirateten) Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy so nahe gestanden, dass sie bei offiziellen Anlässen auf dem Platz sass, der eigentlich der Ehefrau zukommt. Sarkozy hat Dati als Person und als Symbol für die Erfolgschancen, die Frankreich Kindern von Einwanderern bietet, besonders gefördert. Zuletzt schien sie in Ungnade gefallen zu sein. Jetzt könnte sie ein Comeback feiern: Als werdende Mutter ohne Mann und lebendiges Beispiel, dass Frankreich in der Ära Sarkozy vor keinem (spiess-)bürgerlichen Tabu zurückscheut.

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