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Eine Katastrophe seltenen Ausmasses in Guatemala

So stark wie gestern hat die Erde in Guatemala seit 36 Jahren nicht mehr gebebt. Über 50 Menschen – darunter zahlreiche Kinder – starben bisher, und noch immer versetzen Nachbeben die Bevölkerung in Schrecken.

Das zentralamerikanische Land wird drei Tage trauern: Anwohner diskutieren in San Marcos in den Trümmern umliegender Häuser mit einem Polizisten. (7. November 2012)
Das zentralamerikanische Land wird drei Tage trauern: Anwohner diskutieren in San Marcos in den Trümmern umliegender Häuser mit einem Polizisten. (7. November 2012)
Keystone

Beim folgenschwersten Erdbeben in Guatemala seit fast 40 Jahren sind nach neuesten Angaben mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 16 Kinder. Da noch rund 20 Einwohner vermisst werden, befürchten die Behörden, dass die Opferzahl noch steigen könnte.

Rund 150 Menschen wurden verletzt, wie der Katastrophenschutz des mittelamerikanischen Landes mitteilte. Das Beben der Stärke 7,2 hatte gestern Morgen vor allem im Westen Guatemalas an der Grenze zu Mexiko schwere Schäden verursacht. Rund 30 Nachbeben versetzten die Bevölkerung seitdem immer wieder in Angst und Schrecken.

Am stärksten trafen die Erdstösse das Departement San Marcos, in dem 40 Menschen ums Leben kamen. In der Ortschaft San Cristóbal starben zehn Mitglieder einer Familie, die unter den Trümmern ihres Hauses begraben wurden. In El Arenal wurden sieben Arbeiter eines Kieswerks von einer umstürzenden Mauer erschlagen, wie die Zeitung «La Prensa Libre» berichtete.

Dreitägige Staatstrauer angeordnet

Zahlreiche Lehmhütten in der Region stürzten ein, Strom- und Wasserversorgung fielen aus. Zeitweise waren nach Regierungsangaben 73'000 Haushalte ohne Strom. Erdrutsche blockierten mehrere Strassen.

Auch der Sitz der Regionalregierung, die Polizeizentrale und das Gefängnis von San Marcos wurden schwer beschädigt, wie Gouverneur Aroldo Rivera sagte. Fast 100 Häftlinge hätten in andere Gefängnisse verlegt werden müssen.

Die Erdstösse waren auch in Mexiko-Stadt sowie in El Salvador und Nicaragua zu spüren. Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas wurden einige Gebäude beschädigt. Die Regierung mobilisierte rund 2000 Soldaten und 500 Polizisten, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Zudem wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Der Notstand wurde jedoch nicht ausgerufen. Die Lage sei unter Kontrolle, hiess es.

«Es fällt schwer, so viel Leid und Trauer ansehen zu müssen», sagte Präsident Otto Pérez, der mit einem Helikopter in das Gebiet flog, um sich persönlich ein Bild der Lage zu machen.

Stärkstes Beben seit 1976

Das Zentrum des Bebens lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS 24 Kilometer südwestlich der guatemaltekischen Stadt Champerico, 41,6 Kilometer unter dem Meer. Vorübergehend galt für Teile der mittelamerikanischen Pazifikküste eine Tsunami-Warnung.

Für Guatemala war es das stärkste Beben seit 1976. Bei jener Naturkatastrophe kamen über 20'000 Menschen ums Leben. Guatemala ist mit rund 14 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Zentralamerikas. Neben Rohstoffen wie etwa Erdöl und Agrarprodukten verfügt das Land über eine Lebensmittel-, Textil- und Chemieindustrie. Trotz eines konstanten Wirtschaftswachstums leben rund 50 Prozent der Einwohner in Armut.

SDA/rbi

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