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Eine Familie – hundert Einbrüche

Ein Clan mit serbischen Wurzeln hat in der Romandie innerhalb von sechs Monaten gegen hundert Einbrüche verübt. Nun steht die diebische Familie vor Gericht.

Auf Einbruchstour: Eine Familie bediente sich im Welschland.
Auf Einbruchstour: Eine Familie bediente sich im Welschland.
Keystone

Alle haben sie mitgemacht. Seit Dienstag stehen drei Männer und drei Frauen in Yverdon vor Gericht. Sie sind zwischen 2007 und 2008 in zahlreiche Häuser der ganzen Romandie eingebrochen. Und haben bei den rund hundert Einbruchstouren ungefähr eine halbe Million Franken erbeutet, wie die welsche Zeitung «Le Matin» schreibt. Die sechs Delinquenten mit serbischen Wurzeln haben dabei als Familie agiert, über zwei Generationen hinweg.

Gehirn des Clans sei der 38-jährige Dusan, wie die Zeitung weiter schreibt. Er sass 2006 für vier Jahre im Gefängnis wegen diverser Einbrüche. Im Sommer 2007 habe er den ihm gewährten Ausgang rege genutzt und seinen Neffen Sasa oder seinen guten Freund Zoran in Lausanne besucht. Dabei sei er in alte Muster zurückgefallen, habe Einbrüche begangen und sei am Ende erst gar nicht mehr ins Gefängnis zurückgekehrt. Zuerst beging er die Straftaten alleine.

Mit ÖV auf Einbruchstour

«Ich habe 14 Jahre Gefängnis hinter mir. Ich vertraue niemandem», gab er vor Gericht an. Doch weil er kein Auto hatte und auf die ÖV angewiesen war, entschied er sich bald, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei Sasa und Zoran stiess er auf offene Ohren.

Beide geben an, Dusan nur geholfen zu haben, weil sie in seiner Schuld standen. «Ich schuldete ihm einen Gefallen, weil er mir 1500 Franken für den Geburtstag meiner Tochter lieh», so Zoran. Auch Sasa sagt, sein Onkel habe ihm Geld geliehen, damit er sich ein Auto leasen könne. Die beiden Komplizen ziehen auch die Frauen ins Boot: Zoran stiftet seine Schwester an, Sasa seine Frau und seine Mutter.

Erst nach 17.30 Uhr

Zwischen 2007 und 2008 begeht der Clan nicht weniger als 80 Diebstähle. In jedem welschen Kanton ausser dem Jura schlagen die sechs zu. Immer wenn Dusan irgendwo zu Besuch ist, sucht er Häuser auf, deren Besitzer nicht zu Hause sind. Nie sei er vor 17.30 oder 18 Uhr losgezogen, sagt er. Und immer sei er nur da eingestiegen, wo kein Licht brannte.

Mit einem Schraubenzieher brach Dusan die Tür auf, während seine Verwandten andere Funktionen übernahmen. Freund Zoran gab oft den Chauffeur. Vor Gericht beteuert er, nur gefahren zu sein und nie ein Haus betreten zu haben. «Ich habe im Bistro gewartet.» Insgesamt habe er aber nur sechsmal mitgemacht. Dusans Neffe Sasa hingegen amtete als Chauffeur, ging mit Dusan mit, stand Schmiere. Er war bei rund 30 Einbrüchen dabei.

Für ein Stück Fleisch

Der Clan klaut Schmuck, Computer, Handys, Parfums. Manchmal, so sagt Dusan, sei er aber auch nur in ein Haus eingebrochen, um den Kühlschrank zu öffnen und ein Stück Fleisch zu schnappen.

Dennoch: Es lohnt sich. Gemäss Sasa brachte ihm der Verkauf der Hehlerware monatlich rund 500 Franken ein. In der Zwischenzeit stahlen sich Sasas Frau und seine Mutter in Lausanne und Umgebung Zigaretten, Brillen und Kleider zusammen.

Der reine Überlebenstrieb habe ihn stehlen lassen, begründet Dusan seine Straftaten. «Ich machte das nur, um mich zu ernähren und meine Miete zu bezahlen.» Seiner Frau habe er aber öfter mal etwas geschenkt, zum Beispiel eine Louis-Vuitton-Tasche. «Weil ich ein echter Gentleman bin.»

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