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Dieser Supertoskaner könnte gefälscht sein

Der Tignanello ist ein beliebter Spitzenwein aus der Toskana. In der Schweiz sind Flaschen im Umlauf, deren Genuss einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Der Rotwein Tignanello gehört zu den modernen italienischen Spitzenweinen. Auch in der Schweiz ist der sogenannte Supertoskaner äusserst beliebt. Beim offiziellen Schweizer Importeur Bindella kostet eine Flasche des Jahrgangs 2013 rund 80 Franken.

Einem Weinhändler aus der Innerschweiz fiel bei der Degustation auf, dass der Tignanello, den er in den Offenausschank nehmen wollte, überhaupt nicht schmeckt wie die anderen ihm bekannten Jahrgänge. Ein dünnes Wässerchen, das kaum Struktur aufweist und einen bitteren, pelzigen Nachgeschmack hinterlässt: So beschreibt er seinen Eindruck im «Blick».

Kapsel aus Plastik statt aus Zinn

Der Weinhändler, der anonym bleiben möchte, zieht einen befreundeten Weinkritiker zu Rate. Dieser ist nach einer Kostprobe überzeugt, dass es sich nicht um einen Tignanello handeln kann. Bei genauerem Blick auf die Flasche stellt sich heraus, dass die Kapsel aus Plastik statt aus Zinn ist und die Rillen am Flaschenboden viel enger sind als beim Original. Zudem unterscheidet sich die Schrift ein wenig von der auf den echten Etiketten.

Laut «Blick» hat der Importeur Bindella Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Auch in Deutschland sind offenbar Tignanello-Fälschungen aufgetaucht; dort hat die Lebensmittelkette Rewe ebenfalls geklagt.

Lieferung in vollgestopftem PW

Die Spuren führen zu einem Händler im Tessin, der den Spitzenwein zu Dumpingpreisen anbietet. Auch der erwähnte Innerschweizer Weinhändler hatte seinen Tignanello dort bezogen. Gemäss «Blick» war ihm der aggressive Verkaufsstil der Tessiner aufgefallen. Auch hatte er sich gewundert, dass die Weine in einem vollgestopften PW statt wie üblich in einem Lieferwagen gebracht wurden.

Der Weinunternehmer Antinori in Florenz zeigte sich schockiert über den Skandal um seine Weine. «Wir wissen weder, wie viele Fälschungen im Umlauf sind, noch woher sie kommen», sagt Export-Verkaufsmanager Stefano Leone im «Blick». «Auch wir in Italien haben den Fall zur Anzeige gebracht und hoffen nun, dass die Untersuchungsbehörden in den diversen Ländern und Interpol ihren Job machen.»

Etiketten so sicher wie Banknoten

Antinori ist erstaunt darüber, dass man einen Toskaner fälscht, der 80 Franken kostet. Bei den grossen Châteaux aus dem Bordeaux wie Pétrus , wo der aktuelle Jahrgang rund 1600 Franken kostet, würde er das eher verstehen. Der italienische Unternehmer reagierte auf den Skandal und prägte im Glas des 13er-Jahrgangs ein Wappen auf.

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