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Die Parallelen zur Costa Concordia

Ein abwesender Kapitän, eine verzögerte Evakuierung und schwierige Bergungsarbeiten: Das Fährunglück vor Südkorea weckt Erinnerungen an den Untergang der Costa Concordia.

Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Lee Jeong-ryong/Yonhap, Keystone
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Jeon Heon-Kyun/Pool, Keystone
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Keystone
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Der Untergang der südkoreanischen Fähre Sewol hat viele Gemeinsamkeiten mit der Costa-Concordia-Tragödie im Januar 2012. Ein Überblick über die erschütternden Parallelen:

Kapitän nicht voll präsent

Kurz bevor die Concordia auf Grund lief, feierte Kapitän Francesco Schettino noch mit Freunden. Zwar war er zum Unglückszeitpunkt auf der Brücke, doch ob er tatsächlich die Kontrolle hatte, ist unklar. Seine Verteidiger sagen, ein indonesischer Steuermann habe zwei Befehle missverstanden. Experten gehen davon aus, dass das Schiff zu schnell fuhr, als dass ein Crash noch hätte verhindert werden können. Der Kapitän der «Sewol», Lee Joon Seok, war auf dem Rückweg von der Kabine zur Brücke, als die Fähre kenterte. Das Kommando soll eine Untergebene im Rang des dritten Offiziers geführt haben.

Sinkendes Schiff verlassen

Schettino wird in dem laufenden Gerichtsverfahren vorgeworfen, die sinkende «Costa Concordia» frühzeitig verlassen zu haben. Juristisch läuft das unter Verlassen eines Schiffes in Seenot. Dieser Anklagepunkt könnte auch Kapitän Lee ereilen, denn die Hinterbliebenen kritisieren, die meisten der 28 Crew-Mitglieder hätten überlebt, weil sie die sinkende Fähre mit den zumeist minderjährigen Insassen im Stich liessen.

Evakuierung verzögert

Nachdem die «Costa Concordia» auf Felsen vor der Insel Giglio gelaufen war, wurden die Passagiere zunächst aufgerufen, Schwimmwesten anzulegen und in ihren Kabinen zu warten. Erst eine Stunde nach dem Unfall wurde die Evakuierung beschlossen, als das Schiff schon in dramatischer Schieflage war. Auf der «Sewol» wurden die Passagiere mehr als 40 Minuten lang aufgefordert, sich nicht von der Stelle zu bewegen - und sassen so in der tödlichen Falle. Kapitän Lee rechtfertigte das Zögern: Er habe befürchtet, bei einer hastigen Evakuierung würden die Passagiere von der heftigen Strömung erfasst und weggerissen. Es seien keine anderen Schiffe in der Nähe gewesen, sie aus dem kalten Wasser zu retten.

Schiff in Schieflage

Sowohl die «Sewol» als auch die «Costa Concordia» kippten auf die Seite. Überlebende beider Katastrophen berichteten von denselben Schwierigkeiten: Gegenstände fliegen durcheinander, Wände werden zu Böden und Flure werden zu lebensgefährlichen Schächten. Von der südkoreanischen Fähre überlebten einige Passagiere, weil sie vom schrägen Deck ins Wasser rutschten. Bei der «Concordia» kletterten dutzende Passagiere über den aus dem Wasser ragenden Rumpf ins Meer.

Bergung behindert

In Italien und Südkorea mussten Taucher versuchen, ins Schiffsinnere vorzudringen. In beiden Fällen war die Sicht extrem schlecht. Bei der Sewol dauerte es mehr als 48 Stunden. «Ich konnte kaum die Hand vor den Augen sehen», sagte ein Taucher. Bei der Concordia nutzten die Taucher Seile, um den Rückweg zu finden. Das gekenterte Schiff sei wie ein «Labyrinth» gewesen, schilderte einer der Bergungskräfte damals.

AFP/fko

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