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«Die Lage ist prekär»

Der trockene November könnte alle Rekorde brechen. Die Flüsse sind tief wie nie, den Skigebieten fehlt der Schnee, und sogar die Stromproduzenten spüren den Regenmangel.

Trauriger Anblick: Kunstschnee-Flecken in Crans-Montana, Wallis. (23. November 2011)
Trauriger Anblick: Kunstschnee-Flecken in Crans-Montana, Wallis. (23. November 2011)
Keystone
Verlassen und winterfest: Die Hütte auf dem Gipfelplateau des Alvier, im Hintergrund die Glarner Alpen. (24. November 2011)
Verlassen und winterfest: Die Hütte auf dem Gipfelplateau des Alvier, im Hintergrund die Glarner Alpen. (24. November 2011)
Keystone
Ob sich Janka und Co. wohl diese Saison auch auf Grasskiern die Hänge hinunterstürzen müssen? Vorerst bleibt das Wetter auf alle Fälle mild und trocken. Im Bild: Marco Manser bei den Grasski-Schweizermeisterschaften vom 5./6. August 2000 in Marbachegg.
Ob sich Janka und Co. wohl diese Saison auch auf Grasskiern die Hänge hinunterstürzen müssen? Vorerst bleibt das Wetter auf alle Fälle mild und trocken. Im Bild: Marco Manser bei den Grasski-Schweizermeisterschaften vom 5./6. August 2000 in Marbachegg.
Urs Flueeler, Keystone
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Seit dem 19. Oktober hat es nicht mehr geregnet und es ist immer noch kein «Gutsch von oben» in Sicht: «Am Samstag kommt eine Kaltfront, da ist stellenweise ein bisschen Regen möglich, aber nicht flächendeckend», sagt Felix Baum, Meteorologe von Meteonews. Was danach kommt, da gehen die Wettermodelle auseinander: «Es ist aber denkbar, dass es bis Ende Monat nicht mehr richtig nass wird», sagt Baum.

Ist dies möglicherweise ein Rekordherbst? «Die geringe Niederschlagsmenge ist in der Tat ungewöhnlich», sagt Stephan Bader, Klimatologe von Meteo Schweiz. «Man kann von einer Tendenz zu einem Rekordmonat sprechen», sagt Bader. Diese Tendenz betreffe vor allem die Nordostschweiz und das Wallis. Festlegen will er sich allerdings noch nicht: «Ob es sich wirklich um einen Rekord handelt wissen wir erst Ende Monat.»

Flüsse mit Tiefstand

Wegen der Trockenheit ist der Wasserstand der Flüsse jedoch jetzt schon aussergewöhnlich tief, vor allem bei kleinen und mittleren Gewässern. «Aber auch die Aare beispielsweise führt einen Wasserstand, der so tief ist wie seit 1947 nicht mehr», sagt Silvia Morf, Hydrologin beim Bundesamt für Umwelt. Dies könnte gefährlich werden: «Lokal kann Waldbrandgefahr bestehen.»

Besonders leidet unter der Trockenheit zurzeit die Emme in Bern. Die Zuflüsse und die Emme selbst sind sehr tief. «So etwas habe ich noch nie gesehen», sagt Thomas Vuille, Fischereiinspektor im Kanton Bern. Die Emme misst zurzeit circa einen Kubikmeter pro Sekunde, der Durchschnitt liegt bei 9 bis 10 Kubikmetern pro Sekunde. «Wir siedeln die Fische um, denn wenn wir jetzt nicht intervenieren, kommt es zu einem Fischsterben. Die Lage ist prekär.»

Fische umgesiedelt

Dass Fische umgesiedelt werden müssen wegen Trockenheit komme vor, doch während dieser Jahreszeit sei das sehr ungewöhnlich. Wenn es so weitergehe, könnten ganze Gewässerabschnitte trockenliegen und Kleintiere des Flusses zu Grunde gehen, so Vuille.

Nicht nur den Fischen, auch den Elektrizitätswerken ist es zu trocken. Die Stromproduzenten Axpo und BKW registrieren in ihren Wasserkrafttwerken einen Produktionsrückgang von rund 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Gegenüber der gestrigen Ausgabe von «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens erklärte Urs Hofstellter, Geschäftsführer der Alpiq Hydro Aare AG, der Wasserstand sei derzeit sogar tiefer als während des Jahrhundertsommers 2003.

Trockenperioden könnten auf Strompreis einwirken

Der Rückgang der Wasserkraft werde durch eine Erhöhung der Stromproduktion in den anderen Kraftwerken sowie mit Zukäufen auf dem europäischen Strommarkt kompensiert, erklärt Alpiq-Sprecherin Christel Varone gegenüber der Nachrichtenagentur sda. In nächster Zeit werden die Kunden deshalb keinen Preisanstieg zu fürchten haben.

Längerfristig könnten Trockenperioden wie sie im laufenden Jahr aufgetreten sind, dennoch einen Einfluss auf die Preise haben. Antonio Sommavilla, Sprecher der BKW sagte gegenüber der SDA: «Wir wissen noch nicht, wie sich diese Trockenheit weiterentwickelt, und der Strompreis hängt von verschiedenen Faktoren ab.»

Kunstschnee in den Bergen

Währenddessen warten die Skisportgebiete sehnlichst auf Schnee. Die meisten werden sich mit Kunstschnee behelfen müssen. Oder sie machen sich den Mangel zunutze: «Wir haben immer noch Sommerbetrieb», sagt Marcel Schneller, Geschäftsführer der Sportbahnen Atzmännig. Von der Inversionslage profitiere das Gebiet sogar, weil die Flachländer dem Nebel entfliehen möchten aber wegen dem schönen Wetter noch nicht in Winterstimmung seien.

«Für uns ist vor allem wichtig, dass es an Weihnachten und Neujahr Schnee gibt», sagt Schneller. Zumindest bis dahin könnte sein Wunsch erfüllt werden: Für Dezember zeichnet sich ab, dass wieder einmal Niederschlag geben wird.

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