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Die dramatischsten Momente kamen nach der Rettung

Polizist Wittwer und sein Kollege waren fast zu Ende mit der Nachtschicht, als ein Notruf einging. Eine Frau war mit dem Auto in den Thunersee geraten. Sie zu befreien, war der einfachste Teil der Rettungsaktion.

Am frühen Montagmorgen ist ein Auto in den Lachenkanal gestürzt und gesunken.
Am frühen Montagmorgen ist ein Auto in den Lachenkanal gestürzt und gesunken.
Jan Kuschinske, Newspictures
Für die Bergung des Autos waren nebst der Polizei auch Taucher...
Für die Bergung des Autos waren nebst der Polizei auch Taucher...
Jan Kuschinske, Newspictures
Wie die Frau in den Kanal geriet, ist noch unklar.
Wie die Frau in den Kanal geriet, ist noch unklar.
Jan Kuschinske, Newspictures
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Die Rettung einer Frau aus einem in den Thunersee geratenen Auto war am Montagmorgen für zwei Berner Kantonspolizisten nur das eine. Das andere war, die in Panik geratene Lenkerin ans Ufer zu bringen.

Der Berner Kantonspolizist Martin Wittwer (35) sagte am Vormittag am Ort seines Einsatzes am Thuner Lachenkanal Journalisten, die Frau habe nach ihrer Befreiung aus dem sinkenden Fahrzeug «immer den höchsten Punkt gesucht». Das waren der Kopf oder die Schultern der beiden Polizisten, die etwa zehn Meter weit zu ihr hinausgeschwommen waren.

Viel Kraft nötig

Mit anderen Worten drückte die Frau ihre Lebensretter drei- bis viermal unter Wasser. Nur unter Einsatz aller Kräfte brachten die beiden Polizisten die Frau zur Kante eines am Ufer vertäuten Boots, wo alle erst einmal durchatmen konnten. Dann schafften es die beiden Polizisten auch noch, der Längsseite des Boots entlang die Frau zum Ufer zu bringen.

Dort legten sie sie auf eine Sitzbank und schon nach ein paar Minuten war eine Ambulanz da.

Wittwer schilderte am Dienstagmorgen den Medien seinen Einsatz, nachdem die Berner Kantonspolizei am Montag den Vorfall bekannt gemacht hatte und bei der Polizei viele Fragen dazu eingegangen waren.

Hecktüre war nicht zu öffnen

Für Wittwer und sein etwas jüngerer Kollege, beide aus der Region Thun, endete mit diesem ungewöhnlichen Einsatz eine Nachtschicht. Sie war fast zu Ende, als eine Frau kurz vor sechs Uhr morgens meldete, sie habe gesehen, wie beim Lachenkanal ein Auto ins Wasser geraten sei. Nur die Rücklichter sehe man noch.

Sofort fuhren Wittwer und sein Kollege los, Beifahrer Wittwer entledigte sich noch auf der vierminütigen Fahrt von der Polizeiwache zu dieser hafenartigen Bucht des Thunersees des Grossteils seiner Ausrüstung und Kleider. Als sie beim Lachenkanal ankamen, sahen sie, dass noch etwa fünf bis zehn Zentimeter des Autohecks aus dem Wasser ragten.

Wittwer schwamm sofort zum Auto. Dort sah er, dass sich die Autolenkerin auf dem Rücksitz befand, bis zur Brust im Wasser, den Kopf in der Luftblase, welche das Auto am Sinken hinderte. Zuerst allein, dann zusammen mit dem Kollegen, versuchte er, auf der Stossstange stehend, die Heckklappe des Autos zu öffnen.

Frau rüttelt an der Autotüre

Das gelang den beiden aber nicht – der Wasserdruck respektive wahrscheinlich der Unterdruck im Autoinnern verhinderten das. Ein bisschen Wasser drang aber doch ins Auto ein.

Die Autolenkerin selber begann dann – wieder auf dem Fahrersitz – an der Fahrertür zu rütteln, und mit der Hilfe von Wittwers Kollege brachten beide gemeinsam die Tür auf. So gelangte die Frau in schätzungsweise anderthalb Metern Tiefe ins Freie und tauchte – wie erwähnt in Panik – auf.

Wieso die Frau mit ihrem Auto ins Wasser geriet, wusste Wittwer auch am Dienstag nicht. Auch die Medienstelle der Berner Kantonspolizei konnte dazu am Dienstag keine Angaben machen. Die Feuerwehr zog schliesslich das unterdessen auf den Grund abgesunkene Auto aus dem etwa drei Meter tiefen Lachenkanal.

«Viel Glück im Spiel»

Am Tag nach seinem besonderen Einsatz herrschte bei Wittwer ein Gefühl der Zufriedenheit. Als Lebensretter oder gar Held sieht er sich allerdings nicht. Ganz bescheiden sagt er, wären andere Polizisten auf Patrouille gewesen, hätten diese den Einsatz durchgeführt.

Für ihn steht fest: «Es war viel Glück im Spiel.» Zuerst hatte die Frau das Glück, dass jemand so früh am Morgen den Vorfall beobachtete und die Polizei alarmierte. Und als das Auto sank, ging schliesslich die Tür doch noch auf.

SDA/js

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