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Heftigste März-Schneefälle im Tessin seit 1975

Von wegen Frühling: Gestern schneite es kräftig – besonders im Tessin, wo sogar Kettenpflicht angeordnet wurde. Heute setzt Tauwetter ein.

Ein Schneepflug beseitigt den Schnee auf der Autobahn A2 auf dem Monte Ceneri Richtung Süden. (5. März 2016)
Ein Schneepflug beseitigt den Schnee auf der Autobahn A2 auf dem Monte Ceneri Richtung Süden. (5. März 2016)
Francesca Agosta, Keystone
Wie Meteonews mitteilt, ist im Tessin im März erst ein einziges Mal noch mehr Schnee gefallen, 1975. (5. März 2016)
Wie Meteonews mitteilt, ist im Tessin im März erst ein einziges Mal noch mehr Schnee gefallen, 1975. (5. März 2016)
Davide Agosta, Keystone
Im Skigebiet Thyon im Wallis hat sich ein Schneebrett gelöst, wie ein Leser-Reporter berichtet. (4. März 2016)
Im Skigebiet Thyon im Wallis hat sich ein Schneebrett gelöst, wie ein Leser-Reporter berichtet. (4. März 2016)
Leser-Reporter 20 Minuten
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Mit Verspätung hat sich der Winter im Tessin gemeldet: Den ganzen Samstag über fielen südlich der Alpen grosse Flocken vom Himmel. Oberhalb von 1000 Metern über Meer fielen 30 bis 50, lokal bis zu 60 Zentimeter Schnee. Aussergewöhnlich war jedoch nicht die Menge, sondern der Zeitpunkt: Erst einmal zuvor fiel im März im Tessin derart viel Schnee – nur am 17. März 1975 wurden grössere Schneemengen gemessen.

In der Stadt Lugano herrschte für Autofahrende Kettenpflicht. Ausgenommen waren Allrad-Fahrzeuge. Am besten sei es, das Auto zu Hause zu lassen, riet die Stadtpolizei. Die Stadtbehörden empfahlen zudem, den Parks fern zu bleiben, da Bäume unter der Schneelast umfallen könnten. Denn für Äste und Bäume war der Schnee vielerorts zu nass und schwer. Gemäss TCS waren zahlreiche Strassen wegen umgestürzter Bäume gesperrt.

Der Schneefall beeinträchtigte auch den Verkehr: Die A13 zwischen Lostallo und Mesocco-Süd war wegen Pannenfahrzeugen gesperrt. Auch zwischen Thusis-Süd und dem Autobahndreieck Bellinzona-Nord war die Strecke in beide Richtungen gesperrt.

Auf der Autobahn A2 meldete der TCS «schwierige Fahrbedingungen»; Winterausrüstung war obligatorisch. Auch die Hauptstrasse zwischen Bellinzona und Chiasso war wegen Schneefalls gesperrt. Zudem behinderten vielerorts Unfälle den Verkehr. Die Autos schlichen auf schneebedeckter Fahrbahn, einzelne mussten aus dem Weg geschoben werden und der Schwerverkehr wird zurückgehalten.

Nord-Süd-Achse stark beeinträchtigt

Die A2 Richtung Gotthard musste streckenweise wegen der Schneeräumarbeiten gesperrt werden – unter anderem zwischen Bellinzona-Süd und dem Monte-Ceneri-Tunnel. Zwischen dem Tunnel und Rivera war die Ausfahrt wegen des Schnees blockiert. Ebenfalls zu war die Strecke zwischen der Zollstation Chiasso-Brodega und der Raststätte Ripshausen.

Ein Ausweichen auf die Schiene half wenig. Zeitweise ging im Bahnhof Bellinzona nichts mehr. Am Nachmittag vermeldeten die SBB auf ihrer Website, dass «in der Region Tessin der Bahnverkehr nur eingeschränkt möglich ist». Diverse Interregio-Züge fielen aus. Dafür hielten die ICN-Züge ausserordentlich an verschiedenen Bahnhöfen.

Zwischen Luino (I) und Gallarate war der Bahnverkehr wegen des starken Schneefalls unterbrochen. Ebenfalls keine Züge verkehrten wegen Lawinengefahr zwischen Pontresina und Poschiavo im Kanton Graubünden.

Zeltdach eingestürzt

Auf der A13 Richtung Graubünden und in weiteren Teilen des Kantons rollte der Verkehr auch nur langsam. Gemäss TCS staute sich etwa der Verkehr zwischen Chur-Süd und Reichenau GR: «Aufgrund des starken Schneefalls herrschen tief winterliche Strassenverhältnisse.»

In Lugano war das Zeltdach eines Strandbads unter der Schneelast eingebrochen. Zum Unglückszeitpunkt war glücklicherweise niemand anwesend – für die Bevölkerung war das Bad geschlossen, weil zu einem späteren Zeitpunkt unter anderem Synchronschwimmer dort trainieren wollten. Es wurde niemand verletzt, wie Tio.ch berichtet.

Erhebliche Lawinengefahr

Im Tessin und im südlichen Graubünden wurde die Lawinengefahr vorübergehend auf die Stufe vier angehoben. Damit herrschte tagsüber grosse Lawinengefahr. Gemäss dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) waren besonders am Nachmittag zahlreiche spontane Lawinen zu erwarten – darunter auch mittelgrosse. Für Skitouren und Schneeschuhwanderungen abseits gesicherter Pisten waren die Verhältnisse gemäss SLF gefährlich.

Am Abend stufte das SLF die Gefahr wieder auf die Stufe drei hinunter. Somit ist im ganzen Alpenraum die Lawinengefahr erheblich.

Achtung Glatteis

Im Norden könnte es bis auf 500 Meter hinunter schneien, teilt Meteonews mit. Die Meteorologen rechnen in höheren Lagen mit 20 bis 50 Zentimetern Schnee. Trotz viel Schnee lädt das Wetter nicht zum Skifahren ein: «Die Sichtverhältnisse sind in den Bergen sehr schlecht», heisst es auf Anfrage bei Meteonews. Es wehe ausserdem ein recht starker Wind.

Am Sonntag wechseln sich in den Alpen Sonne und Wolken ab. Es kann zeitweise bis ins Flachland schneien. Besonders am Morgen ist auf den Strassen Vorsicht geboten: Der nasse Boden und die tiefen Temperaturen sorgen für Glatteis.

Tauwetter im Tessin

Dabei ist der Süden wetterbegünstigt, nach den massiven Schneefällen von gestern stellt sich nun Tauwetter ein. In den Bergen gibt es immer wieder ein paar Sonnenfenster, doch die Lawinensituation bleibt kritisch.

Auch nach dem Wochenende bleibt es winterlich: Meteonews geht bis mindestens Mitte der nächsten Woche von tiefen Temperaturen aus. Das Wetter sei zwar für den März nicht aussergewöhnlich, «es ist aber doch eher kalt für diese Jahreszeit».

SDA/hal

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