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Der Koller mit dem Poller

Salzburgs Stadtverwaltung kämpft gegen das Verkehrschaos – und gegen subversive Bürger.

Die Getreidegasse und das Mozarthaus. Der Domplatz und der herrliche Blick auf die Festung! Das Festspielhaus! Die Stadt Salzburg ist ein Kulturjuwel Europas, und ein Besuch würde sich zu jeder Jahreszeit lohnen – wäre da nicht das ständige Verkehrschaos. Salzburg erstickt im Autoverkehr. Scheint die Sonne (selten, aber es kommt vor) über dem Mönchsberg, sind Besucher noch eher bereit, Privatwagen oder Cars am Stadtrand zu verlassen. Hüllt jedoch der berüchtigte Salzburger Schnürlregen die Strassen in gleichförmiges Grau, kämpft jeder um jeden Meter, den er sich geschützt unter dem Autodach der Altstadt nähern kann. Dann steht der Verkehr still. Im Stau stecken Touristencars neben Trolleybussen, Lieferwagen neben Limousinen des Festspieldirektoriums.

Um zumindest die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärte Innenstadt vor der Autoinvasion zu schützen, hat sich die Stadtverwaltung ein scheinbar raffiniertes System ausgedacht: Auf sämtliche Zu- und Ausfahrten wurden mächtige Poller aus Aluminium aufgestellt, die ortsfremden Autofahrern den Weg blockieren, von einheimischen Autofahrern jedoch durch Fernbedienung oder Zugangscode im Boden versenkt werden können. Insgesamt 36 Poller wurden dieses Frühjahr montiert, 3000 Fernbedienungen verteilt. Die Kosten von 800'000 Franken rechtfertigte der Bürgermeister mit der Effizienz des Systems, das «die Schönheiten der Altstadt vor der Blechlawine schützt».

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