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Der Fall Kneubühl wird durchleuchtet

Im Fall des Rentners, der im September in Biel auf Polizisten schoss, steht die Zusammenarbeit der Behörden im Fokus. Der Kanton ordnete eine Untersuchung an.

«Ich bin froh, am Leben zu sein»: Peter Kneubühl wurde am 17. September von der Kantonspolizei Bern verhaftet.
«Ich bin froh, am Leben zu sein»: Peter Kneubühl wurde am 17. September von der Kantonspolizei Bern verhaftet.
Keystone
Die Medienberichte über ihn erachtet Peter Hans Kneubühl als unwahr: Blick auf das Haus am Mont-Desirweg 9 im Lindenquartier in Biel, in dem der Rentner wohnte.
Die Medienberichte über ihn erachtet Peter Hans Kneubühl als unwahr: Blick auf das Haus am Mont-Desirweg 9 im Lindenquartier in Biel, in dem der Rentner wohnte.
Keystone
Die Polizei schickte am 8. September ein Grossaufgebot in das Bieler Wohnquartier. Am Morgen wurde bekannt, dass sich ein bewaffneter Mann in einem Haus verschanzt hat.
Die Polizei schickte am 8. September ein Grossaufgebot in das Bieler Wohnquartier. Am Morgen wurde bekannt, dass sich ein bewaffneter Mann in einem Haus verschanzt hat.
Arthur Sieber, newspictures, Keystone
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Im Fall des gewalttätigen Bieler Rentners läuft eine erste, angekündigte Untersuchung an. Zwei unabhängige Experten nehmen im Auftrag des Kantons Bern die Zusammenarbeit zwischen den Behörden unter die Lupe. Nicht Gegenstand der Untersuchung ist der oft kritisierte Polizeieinsatz.

Die Experten leuchten die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Dienststellen, Regierungsstatthalter, Sozialdiensten, Justiz und Polizei vor und während der Ereignisse in Biel aus, wie die kantonale Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion am Dienstag mitteilte.

Von dieser Untersuchung nicht erfasst werden Fragen zum eigentlichen Polizeieinsatz in Biel, wie Stefan Müller, Generalsekretär der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, auf Anfrage sagte. Die polizeitaktischen Fragen werde die Kantonspolizei, wie angekündigt, separat aufarbeiten.

Erkenntnisse fliessen in Handbuch ein

Der Kanton hat mit seiner Untersuchung den Berner Anwalt Ueli Friederich sowie Martin Buchli, Gerichtsschreiber am Bundesverwaltungsgericht und ehemaliger Sekretär der Parlamentarischen Untersuchungskommission zur Bernischen Lehrerversicherungskasse, beauftragt.

Ihr Gutachten, das bis Ende Dezember vorliegen soll, soll den Informationsfluss aufzeigen und gegebenenfalls Vorschläge für Verbesserungen und Gesetzesänderungen beinhalten. Die Erkenntnisse sollen darüber hinaus auch in ein Handbuch für Behörden einfliessen. Das Handbuch hat zum Ziel, die Zusammenarbeit zwischen den Behörden des Kantons und der Gemeinden zu vereinfachen.

Polizei hatte nicht alle Informationen

Bei der tagelangen Fahndung nach dem renitenten Rentner verfügte die Polizei nicht über alle vorhandenen Informationen, wie der bernische Polizeidirektor Hans-Jürg Käser und Kommandant Stefan Blättler bereits im September bekräftigt hatten. Das habe die Polizeiarbeit erschwert.

Der Rentner habe eine lange Vorgeschichte, die teilweise bei verschiedenen Stellen der Verwaltung aktenkundig gewesen sei, sagte Käser damals. Doch mit dem geltenden Recht könnten auch heikle Daten nicht ohne weiteres zentral gesammelt werden oder zur Polizei gelangen. Dieser Frage müsse sich die Politik annehmen.

Neuntägiges Drama

Anfang September wehrte sich ein 67-jähriger Rentner in Biel gegen die Zwangsversteigerung seiner Liegenschaft. Zunächst verschanzte er sich in seinem Haus, dann schoss er einen Polizisten nieder und flüchtete. Der Polizist wurde schwer verletzt.

In der Folge fahndete ein Grossaufgebot der Polizei tage- und nächtelang nach dem Mann. Dieser lieferte sich ein richtiges Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei.

Dem 67-Jährigen gelang es sogar, erneut in die Nähe seines Hauses zu kommen, ein weiteres Mal auf Polizisten zu schiessen und wieder zu entkommen. Nach neun Tagen konnte die Polizei den Rentner schliesslich bei Biel festnehmen.

Der Rentner lag vor der Tat schon jahrelang mit den Behörden im Streit. Er galt als intelligent, aber auch als kauziger Einzelgänger. Er hatte sich auf den bewaffneten Kampf mit den Behörden lange vorbereitet und war nach Aufzeichnungen in einem Tagebuch auch bereit, im Kampf zu sterben.

Der Rentner ist in Haft. Ihm werden mehrfach versuchte, vorsätzliche Tötung und Gefährdung des Lebens vorgeworfen.

SDA

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