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Das Tessin versinkt im Schnee

Dörfer sind eingeschneit, die Lawinengefahr hoch: Auf der Alpensüdseite liegt doppelt so viel Schnee wie üblich. Ein Rekordwinter wie 1951 scheint jedoch unwahrscheinlich.

Schnee bis über den Kopf hinaus: Ein Mann räumt den Zugang zum tief eingeschneiten Haus in Maloja. (6. Februar 2014)
Schnee bis über den Kopf hinaus: Ein Mann räumt den Zugang zum tief eingeschneiten Haus in Maloja. (6. Februar 2014)
Arno Balzarini, Keystone
Wintermärchen zwischen Bäumen und Loipen: Spaziergang im Schnee von Maloja. (6. Februar 2014)
Wintermärchen zwischen Bäumen und Loipen: Spaziergang im Schnee von Maloja. (6. Februar 2014)
Arno Balzarini, Keystone
Die Lawinengefahr ist hoch (Stufe vier auf der fünfstufigen Skala). Blick auf die schneebedeckte Kirch San Giorgio in Prato Leventina.
Die Lawinengefahr ist hoch (Stufe vier auf der fünfstufigen Skala). Blick auf die schneebedeckte Kirch San Giorgio in Prato Leventina.
Keystone
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Nach einem schneereichen Dienstag ist in der Südschweiz in der Nacht auf heute mit 20 Zentimeter Neuschnee nicht allzu viel Neuschnee gefallen. Mit teilweise bis zu drei Metern liegt in der Region aber doppelt so viel Schnee wie für die Jahreszeit üblich.

Der meiste Schnee fiel über Nacht im Simplon-Gebiet, im Maggiatal, im Nordtessin sowie in den Graubündner Regionen Hinterrhein und Oberengadin, wie Meteo Schweiz auf Anfrage mitteilte. Im Schnitt bescherte die feuchte Luft aus Italien nochmals zwischen 10 und 30 Zentimeter Neuschnee.

In Simplon-Dorf VS lagen am heute Morgen 1,8 Meter Schnee, in Ambri-Piotta TI 1,75 Meter, in Bosco-Gurin TI waren es 2,40 Meter. Laut dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) waren die Schneehöhen am Alpensüdhang etwa doppelt so mächtig wie um diese Jahreszeit üblich.

Im Oberengadin und dem Nordtessin liegen mehr Schnee als üblich.
Im Oberengadin und dem Nordtessin liegen mehr Schnee als üblich.

Drei Meter Schnee auf dem Bernina

Am dicksten war die Schneedecke am heute Morgen auf dem Bernina-Pass, wo drei Meter Schnee lagen. Der Pass war dennoch für den Strassenverkehr geöffnet, ebenso der Maloja, Julier- und der Ofenpass. Der Gotthardpass, der Furka oder auch der Simplonpass war für den Verkehr gesperrt. Nicht nur Pässe, auch Strassen sind sicherheitshalber gesperrt worden. Deshalb sind auch Dörfer von der Umwelt abgeschnitten, wie beispielsweise San Marco oder Piano di Peccia im Nordtessin.

Von Seiten der SBB läuft alles nach Plan, zwar dürfen die Neigezüge die Kurven in der oberen Leventina – gemäss interner Weisung – nicht mit erhöhter Geschwindigkeit fahren, doch alle Strecken seien offen. Am Wochenende habe man zusätzlich noch zwei Lawinenwachen an den erfahrungsgemäss heiklen Stellen postiert, diese aber wegen der sich entschärfenden Situation wieder abgezogen.

Die Schneefallgrenze lag in der Südschweiz zwischen 700 und 1000 Metern über Meer. Im Verlauf des heutigen Tages sollten laut Meteo Schweiz zwischen 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee fallen. Für Donnerstag erwartet der Wetterdienst eine Niederschlagspause, weil die Südströmung aufgrund eines Zwischenhochs nachlassen sollte. Im Verlauf des Freitags sollte die Südströmung demnach wieder aufkommen, ebenso der Föhnwind.

Lawinengefahr im Tessin

Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung stufte heute morgen die Lawinengefahr für das Tessiner Maggiatal, das Bedrettotal sowie die obere Leventina als gross ein (Stufe vier auf der fünfstufigen Skala). Im restlichen Alpenraum herrscht verbreitet erhebliche Lawinengefahr.

Quelle: SLF
Quelle: SLF

Im westlichen Tessin und im Oberengadin sind die Gefahrenstufen verschieden, trotz den rekordartigen Schneehöhen in beiden Gebieten. Lukas Dürr vom SLF erklärt den Unterschied mit dem unterschiedlichen Schneefallintervall: «Im Nordtessin – in den Maggiatäler, im Valle Bedretto, in der oberen Leventina – hat es in den letzten Tagen ohne grossen Unterbruch anhaltend geschneit, in Maloja hingegen gab es immer wieder längere Unterbrüche.» Daher habe sich die Schneedecke im Oberengadin besser stabilisiert, so Dürr.

Obschon die Schneehöhen für die jetzige Jahreszeit Rekorde darstellen, sei die Situation im Moment nicht mit den Jahrhundertwintern aus den Jahren 1951 und 1999 vergleichbar, sagt Dürr weiter. Der wesentliche Unterschied zu den Ereignissen im Winter 1951 dürften die damals deutlich höheren Schneefallintensitäten sein. 1951 mass man anfangs Februar beispielsweise in Bosco Gurin 2,8 Meter Schnee, mitte Februar gar 4,30 Meter Schnee. Heute liegen dort 2,4 Meter.

In der restlichen Schweiz am ungünstigsten seien die Schneeschichten im zentralen Wallis, im südlichen Unterwallis, in Nord- und Mittelbünden, im Unterengadin und im Münstertal beschaffen. Dort können Lawinen vor allem an sehr steilen Nordhängen teils bis in bodennahe Schichten durchreissen, schrieb das SLF auf seiner Website.

SDA/czu

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