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Das Phantom Kneubühl

Es begann mit dem falschen Bild. Aber nun scheint so ziemlich alles, was man über den heute Morgen gefassten Amokschützen von Biel zu wissen glaubte unrichtig zu sein.

Zügelarbeiten: Die Polizei räumte gestern das Haus von Kneubühl in Biel.
Zügelarbeiten: Die Polizei räumte gestern das Haus von Kneubühl in Biel.
Keystone

Gestern begannen Mitarbeiter der Kantonspolizei Bern mit der Räumung des Hauses von Peter Hans Kneubühl in Biel. Zahlreiche Dokumente würden sichergestellt und minutiös ausgewertet, hiess es. Die Puzzleteile im Fall werden täglich mehr. Gleichzeitig wird das Bild des flüchtigen Täters nicht deutlicher, sondern eher unklarer.

Der «Blick» berichtete gestern, dass Kneubühl bereits im September 2007 im schweizweiten Fahndungssystem Ripol ausgeschrieben war. Weil er eine Busse nicht bezahlt habe, sei er zur Verhaftung ausgeschrieben worden. Der Berner Polizeikommandant Stefan Blättler bestätigte das implizit, dementierte an der gestrigen Medienkonferenz aber, dass die Ausschreibung davor warnte, dass Kneubühl bewaffnet sei.

Auch wenn die Polizei also Kneubühl schon im Visier hatte – was man bisher über ihn zu wissen glaubte, bestätigt sich nicht. Bisher schien zumindest klar: Kneubühl ist 67-jährig, Mathematiker, und, wie die Zeitung «Le Temps» herausgefunden haben wollte, ETH-Absolvent und früherer Dozent am Technikum der Berner Fachhochschule in Biel.

Weder ETH noch Dozent

Nun stürzen auch diese Pfeiler ein: Die ETH Zürich bestätigte Recherchen des «Bunds» und des Westschweizer Fernsehens TSR, dass Kneubühl dort weder in Mathematik noch einem anderen Studienfach abgeschlossen hat. Gestern bestritt auch die Kommunikationschefin des Technikums Biel, Elisabeth Hasler, dass Kneubühl dort unterrichtet habe.

Und: Laut TSR wurde Kneubühl am 9. Juli 1947 in Biel geboren. Er wäre heute also nicht 67, wie auch von der Polizei behauptet, sondern 63 Jahre alt. Auch die Aussage, Kneubühl sei beim Technikum frühpensioniert worden, fällt damit dahin.

Der Eindruck entsteht, dass das, was bisher über Kneubühls Leben galt, dessen eigene Erfindung sein könnte. Von Kneubühls psychischer Verfassung berichtete der damalige Gerichtspräsident des Gerichtskreises Biel-Nidau, Bernhard Stähli, 2006 in einem Brief an die Vormundschaftsbehörde Biel. Laut dem gestrigen «Bieler Tagblatt» beschrieb er bei Kneubühl Verfolgungswahn. Von seiner Schwester habe dieser in einem 275 Seiten starken Brief ans Gericht geschrieben, sie strebe im Namen einer feministischen Sekte seine Vernichtung an. Offenbar vertraute er auch keinem Anwalt, da er glaubte, alle steckten mit der Mafia und seiner Schwester unter einer Decke.

Kein Fahrzeug registriert

Mit Jahrgang 1943 ist Kneubühl Rentner. Bei der Ausgleichskasse des Kantons Bern stand gestern niemand für eine Auskunft punkto Rentenzahlungen zur Verfügung. Beim kantonalen Strassenverkehrsamt taucht der Name Peter Hans Kneubühl gar nicht erst im System auf, wie telefonisch zu erfahren ist. Demzufolge hatte der Bieler kein Fahrzeug, oder dieses ist nicht registriert.

Bei der Bieler Steuerbehörde hingegen ist Kneubühl bekannt: Seit 2001 ist er im Steuerregister eingetragen. «Da er Teil der Erbengemeinschaft ist, der das Haus am Mon-Désir-Weg gehört, muss er aus Gründen der solidarischen Haftung eingetragen sein», sagt Urs Stauffer, Chef der städtischen Steuerverwaltung. Ob Kneubühl seine Steuern jedoch auch bezahlt habe, darf Stauffer nicht verraten. Nicht einmal zu dessen Geburtsdatum will sich der Leiter äussern.

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