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Das Leck ist über dem Wasser

Der Energiekonzern Total hat das Gasleck auf seiner Bohrinsel lokalisiert: Es liegt nicht unter dem Meeresspiegel, sondern 25 Meter über der Wasseroberfläche. Ob das gute Nachrichten sind, bleibt abzuwarten.

Nehmen Schadstoff-Messungen vor: Ein Greenpeace-Mitglied nimmt Wasserproben. (2. April 2012)
Nehmen Schadstoff-Messungen vor: Ein Greenpeace-Mitglied nimmt Wasserproben. (2. April 2012)
Reuters
Prüfen den Verschmutzungsgrad rund um die Plattform Elgin: Mitarbeiter von Greenpeace holt eine Wasserprobe. (2. April 2012)
Prüfen den Verschmutzungsgrad rund um die Plattform Elgin: Mitarbeiter von Greenpeace holt eine Wasserprobe. (2. April 2012)
AFP
Droht zu explodieren: Die Bohrinsel Elgin.
Droht zu explodieren: Die Bohrinsel Elgin.
AFP
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Im Kampf gegen das Gasleck an einer Förderplattform in der Nordsee ist Total einen entscheidenden Schritt vorangekommen. «Wir kennen jetzt das Problem», sagte ein Sprecher der französischen Betreiberfirma Total. Das Gas trete in die Luft aus und lege sich zum Teil als Kondensat auf der Meeresoberfläche ab.

Zur Lösung komme weiterhin eine Entlastungsbohrung oder das Verpressen des Bohrloches mit Schlamm in Betracht. «Wir verfolgen diese Optionen weiter parallel», sagte er. Ob die Erkenntnis, dass das Leck nicht unterhalb des Meeresgrundes liegt, Vorteile bei möglichen Abdichtungsversuchen bringt, wollte Total zunächst nicht bestätigen.

Löschschiffe entsandt

Bislang ist die Plattform für Menschen gesperrt. Wegen einer weiter brennenden Flamme, mit der überschüssiges Gas in den Rohrsystemen abgefackelt wird, herrschte nach wie vor Explosionsgefahr. Der Konzern habe vorsichtshalber Löschschiffe an den Rand der Sicherheitszone beordert für den Fall einer Explosion, sagte ein Total-Sprecher. Nur etwa hundert Meter vom ausströmenden Gas entfernt brennt eine Fackel überschüssiges Gas ab.

Total verteidigte seine Strategie: Das Abfackeln von Gas sei Teil der Sicherheitsstrategie und habe sich absolut bewährt, sagte eine Total-Sprecherin. Die Förderung an den von der Plattform aus koordinierten anderen Gasbohrungen sei abgestellt und die Ventile an Bord der Plattform seien geöffnet worden.

So könne das im System verbliebene überschüssige Gas kontrolliert abgefackelt werden. Dies garantiere auch, dass im Falle einer Explosion keine weiteren Lecks entstehen.

Stabiles Wetter

Im Vorgehen gegen eine mögliche Explosion auf der seit Sonntag evakuierten Plattform hat Total dank des günstigen Wetters Zeit gewonnen. Die Meteorologen sagen für die nächsten Tage stabile Windbedingungen voraus.

«Der Wind treibt die Gaswolke von der Flamme weg», sagte Ölexperte Kai Britt von Greenpeace. Das Wetter sei günstig. Solange die Flamme brennt, besteht jedoch Explosionsgefahr, was die Untersuchung der Plattform und des möglichen Lecks erschwert.

Geht die Flamme von selbst aus?

Die über der Plattform lodernde Flamme werde in den nächsten Tagen vermutlich von selbst ausgehen, sobald nicht mehr genügend Gas in den Rohren ist, um sie zu speisen, sagte eine Total-Sprecherin. Alternativ werde nach Wegen gesucht, sie zu löschen, sollte sie länger brennen.

Total geht davon aus, dass das aus dem Leck strömende Gas aus einer Gesteinsformation in 4000 Metern Tiefe kommt und über der Wasseroberfläche austritt. Das Gas sei nicht giftig, hiess es vom Betreiber.

Extrem schädliches Klimagas

Auch die Auswirkungen für die Umwelt könnten geringer sein, als zunächst befürchtet. Die bisher beobachteten Umweltauswirkungen seien minimal, sagte der schottische Ministerpräsident Alex Salmond im Parlament in Edinburgh.

Dennoch dürfe das Problem nicht heruntergespielt werden. Die Umweltorganisation Greenpeace und der walisische Biologe Christoph Gertler wiesen auf die klimaschädigende Wirkung von austretendem Gas aus. Diese sei ungefähr 20-mal grösser als beim Klimakiller Kohlendioxid.

Total-Aktie bricht ein

Unterdessen wurde das wirtschaftliche Ausmass des Gaslecks für Total deutlicher. Das Unternehmen hatte nach dem Einbruch seines Aktienkurses zwischen sieben und neun Milliarden Euro Marktkapitalisierung verloren. Die tatsächlichen Belastungen infolge der Produktionsausfälle und Reparaturkosten dürften sich nach Einschätzung eines Analysten der Bank Santander auf 300 bis 800 Millionen Euro belaufen.

sda/dapd/ami

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