«Das ist mein einziger Sohn»

Sie erwischte ihren Sohn in Baltimore beim Randalieren, verabreichte ihm einen Satz Ohrfeigen und zog ihn nach Hause: Jetzt sprach die Mutter, deren Video um die Welt ging, in den Medien.

Eine, zwei, drei Ohrfeigen: Toya Graham züchtigt ihren Sohn.

Eine, zwei, drei Ohrfeigen: Toya Graham züchtigt ihren Sohn.

(Bild: Instagram / Karla H.)

«Wenn das deine Mutter sehen könnte…» – ein viel zitierter Spruch. Gestern konnte der inkomplette Satz mithilfe von Toya Graham fertiggestellt werden: «…würde sie dich immer und immer wieder ohrfeigen», lautet die Fortführung. Eine ganz und gar resolute Mutter tat nämlich genau das, als sie ihren Sohn in den Strassen Baltimores erblickte, wo dieser mit dunklen Kleidern und Hoodie stand und gegen die Polizei randalierte.

Schnurstracks packte sie ihn am Schlafittchen und ohrfeigte ihn ordentlich – kein Wunder, verbreiteten sich die Bilder innert Kürze viral, denn ein GIF der ganzen Angelegenheit fand sich schnell auf der Frontseite des sozialen News-Aggregators Reddit wieder und verbreitete sich von da aus im ganzen Internet und in sämtlichen Medien.

That awkward moment your mom catches you rioting #baltimore #baltimoreriots #prayforthiskid

Ein von Karla H. (@ine3) gepostetes Video am

«Ich war schockiert, ich war wütend, weil du nie dein Kind so etwas tun sehen willst», erklärt die Mutter ihre Reaktion gegenüber dem amerikanischen Sender CBS. «Er nahm Augenkontakt mit mir auf, und ab diesem Moment habe ich, wissen Sie, nicht mehr über Kameras oder Ähnliches nachgedacht. Das ist mein einziger Sohn, und ich will nicht, dass er zu einem zweiten Freddie Gray wird», sagt Toya Graham und bezieht sich dabei auf den in Polizeigewalt gestorbenen Schwarzen Freddie Gray, seit dessen Tod in Baltimore Unruhe herrscht.

Gerechtigkeit könne man auf diesem Weg nicht erreichen, sagte Toya Graham, alleinerziehende Mutter von sechs Kindern. Sie sei eine Mutter, die schnell Grenzen aufzeige – das habe ihr Sohn gewusst. «Er wusste sofort, dass er Ärger hatte. Er sagte: ‹Als ich dich gesehen habe, wollte ich sofort wegrennen.›»

«Ich glaube, das waren alles Jugendliche, die direkt aus der Highschool kamen und sich dachten, es sei niedlich, Ziegelsteine auf Polizisten zu werfen», wirft die Mutter den Protestierenden vor. Es sei generell wichtig, dass Eltern für ihre Kinder sorgen und ehrlich zu ihnen sind, damit sie einmal selber Entscheidungen treffen können. Das gehe natürlich nicht immer – aber einen Versuch sei es allemal wert.

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