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Den Rettern bleiben zwei Optionen – und beide sind riskant

Der Sauerstoff geht aus, der Monsunregen bringt mehr Wasser: Im Höhlendrama in Thailand wird die Zeit knapp. Ein Retter ist bei den Anstrengungen gestorben.

Ein Kommandant der Navy Seals nimmt Stellung zum Tauchunglück. (Video: Tamedia/Mit Material von AFP)

Die Rettung der in einer Höhle im Norden Thailands eingeschlossenen Fussballmannschaft muss offenbar schneller gehen als zunächst angenommen: Das Zeitfenster für die Rettung sei «begrenzt», sagte der Kommandant der thailändischen Militäreinheit Navy Seal, Apakorn Yookongkaew, am Freitag vor Journalisten. Er räumte damit offiziell ein, dass die zwölf Buben und ihr Trainer nicht das Ende der Monsunzeit abwarten können, wie bis anhin kommuniziert worden war.

Die «Bangkok Post» berichtete in der Freitagsausgabe, dass die Behörden zurzeit zwei mögliche Rettungsmöglichkeiten diskutieren. Die bislang favorisierte erste Variante ist, dass die Kinder in Begleitung von je drei Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle herausschwimmen. Die Herausforderungen dabei sind immens: Die überfluteten Stellen erstrecken sich über fast zwei Kilometer, einige Passagen stehen komplett unter Wasser, durch engere Passagen kann sich nur ein einzelner Mensch durchzwängen, die Strömungen sind zum Teil beachtlich, das Wasser ist trübe, die Sicht schlecht – und die meisten der Kinder können gar nicht schwimmen. Selbst professionelle Höhlentaucher benötigen für die Strecke bis zu sechs Stunden.

Ein Blick in die Tham-Luang-Höhlen. (6. Juli 2018) Video: AFP, Storyful

Vorbereitet werden die Nachwuchsfussballer – so gut es geht – mit Tauchunterricht. Trainiert wird vor allem das Aufsetzen der Tauchmasken und das Atmen unter Wasser. Medien diskutierten auch die Möglichkeit, die Höhle mit Hilfe von Pumpen so weit auszutrocknen, dass die Jungen sie zu Fuss verlassen könnten. Angesichts der Wassermassen erscheint diese Lösung derzeit aber unwahrscheinlich.

Die zweite diskutierte Rettungsmöglichkeit wäre, einen Schacht von der Oberfläche zur eingeschlossenen Fussballmannschaft zu bohren. Hier drehen sich die Herausforderungen um zwei unbekannte Variablen: So sei es schwierig, überhaupt den exakten Punkt an der Oberfläche zu ermitteln, von wo aus gebohrt werden müsste. Zudem sind die Auswirkungen auf die strukturelle Integrität der Höhle ungewiss. Es könnte also sein, dass die Bohrung die Mannschaft in Gefahr bringen würde.

Selbst wenn diese Schwierigkeiten überwunden werden könnten, so bliebe trotzdem die technische Herausforderung: Der Schacht müsste wohl mindestens 800 Meter lang sein. Der «Guardian» berichtet, dass Rettungskräfte nun auch den Wald über der Höhle durchforsten, um vielleicht einen weiteren natürlichen Zugang zum Höhlenkomplex zu finden – entweder für Proviant oder zur Rettung.

Tiefer Sauerstoffgehalt in der Höhle – Monsunregen angekündigt

Unterdessen verbrauchen die Fussballmannschaft und die Retter den Sauerstoff in der Höhle. «Unsere Hauptaufgabe heute ist es, ein Rohr in die Kammer zu legen, damit die Gruppe mehr Luft zum Atmen bekommt», sagte ein an der Rettungsaktion mitwirkender Armeegeneral, Chalongchai Chaiyakam, am Freitag. Der Sauerstoffgehalt in der Kammer liege aktuell bei rund 15 Prozent. Normalerweise beträgt der Sauerstoffgehalt in der Luft rund 21 Prozent.

Zudem sind für die nächsten Tage weitere Regenfälle angekündigt. «Die Helfer pumpen weiterhin grosse Mengen Wasser ab und versuchen, die Pegel in diesem komplexen Höhlensystem zu senken», erklärte der britische Reporter Richard Galsford vor Ort dem «Guardian». «Das ist ein Rennen gegen die Zeit. Der Monsunregen ist unterwegs. Wir hatten heute einige Schauer und fürs Wochenende sind weitere Stürme angesagt. Das wird dazu führen, dass sich das Höhlensystem wieder auffüllt.» In der Region am 20. nördlichen Breitengrad ist zwischen Juni und Oktober Regenzeit.

Bis am Mittwoch hatten Hunderte Industriepumpen den Wasserstand soweit senken können, dass eine Strecke von 1,5 km vom Haupteingang aus bis zur zweiten grossen Kammer trockengelegt werden konnte. Bis am Freitag seien insgesamt über 130 Millionen Liter Wasser abgepumpt geworden, berichtet der Korrespondent des «Guardian» auf Twitter. Gemäss der Infografik der «Bangkok Post» hat sich die zweite Kammer allerdings wieder teilweise mit Wasser gefüllt.

Die Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren und ihr Trainer sitzen seit dem 23. Juni in der Höhle fest, nachdem ihnen Wassermassen den Rückweg abgeschnitten hatten. Das Team hatte die Höhle nach einem Training aufgesucht, war dabei wohl von einer Sturzflut überrascht worden – und hatte sich vor den Wassermassen immer tiefer ins Innere gerettet.

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Im Loch

Sechs Tage lang sassen acht Männer im Muotathaler Hölloch fest. Denen drinnen ging es besser als denen draussen. Und den Einheimischen wurde es zu viel. (Abo+)

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Bei der versuchten Rettung der Eingeschlossenen ist am Freitag ein Taucher ums Leben gekommen. Saman Gunan, ein Ex-Angehöriger der thailändischen Spezialeinheit Navy Seals, sei aufgrund von Sauerstoffmangel gestorben, teilten die Behörden mit. Er hatte Sauerstoffbehälter in der Höhle platziert und verlor dann auf dem rund fünf- bis sechsstündigen Rückweg aus der Höhle das Bewusstsein. Es ist der erste tödliche Zwischenfall bei den bislang glimpflich verlaufenen Bemühungen um eine Bergung der zwölf Jugendfussballer und ihres Trainers in der nördlichen Provinz Chiang Rai.

Auf Twitter ist ein Video des 37-Jährigen aufgetaucht, das er gemacht hatte, kurz bevor er ins Flugzeug stieg, um an der Rettungsmission in Chiang Rai teilzunehmen. «Ich bin am Flughafen Suvanahabhumi und warte darauf, das Flugzeug zu besteigen», sagte er gemäss dem «Guardian». «Ich werde von Ärzten der Navy begleitet. Auch Taucher von Sea World sind dabei, die ihre Tauchausrüstung spenden. Wir sehen uns heute Abend. Wir bringen die Kinder nach Hause.»

«Wir bringen die Kinder nach Hause»: Samans Video am Flughafen Suvanahabhumi. Video: Twitter/Tamedia

Der Fall erregt international Aufmerksamkeit. Bereits sind Höhlentaucher aus Europa vor Ort, die den Rettungskräften helfen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. «Wer auch immer Hilfe, Wissen, Technologie und Ausrüstung anbietet, wir nehmen sie dankbar an», sagte Gouverneur Narongsak Osottanakorn. Er fügte allerdings hinzu, dass er einige Leute abgewiesen habe, weil sie eher ein Hindernis als eine Hilfe gewesen wären.

Als «ein Wunder» hat einer der aus der thailändischen Höhle geretteten Knaben die Entdeckung der Fussballmannschaft unter Tage beschrieben: Die Buben vor der Pressekonferenz. (18. Juli 2018)
Als «ein Wunder» hat einer der aus der thailändischen Höhle geretteten Knaben die Entdeckung der Fussballmannschaft unter Tage beschrieben: Die Buben vor der Pressekonferenz. (18. Juli 2018)
Soe Zeya Tun, Reuters
In den neun Tagen hätten sie nur Regenwasser getrunken, aber nichts gegessen, berichteten die Jungen, die bei der Medienkonferenz – passend zum Namen ihres Teams – ein Fussballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein trugen.
In den neun Tagen hätten sie nur Regenwasser getrunken, aber nichts gegessen, berichteten die Jungen, die bei der Medienkonferenz – passend zum Namen ihres Teams – ein Fussballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein trugen.
Vincent Thian/AP, Keystone
Eine Woche nach dem Verschwinden der Jugendlichen und deren Trainer machen Taucher Fortschritte bei der Suche. (30. Juni 2018)
Eine Woche nach dem Verschwinden der Jugendlichen und deren Trainer machen Taucher Fortschritte bei der Suche. (30. Juni 2018)
Sakchai Lalit/AP, Keystone
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Elon Musk hatte angekündigt, Ingenieure von Tesla und seiner «Boring Company» seien auf dem Weg nach Thailand, um den Behörden zu helfen. «Wir sprechen mit der thailändischen Regierung, um zu sehen, wie wir helfen können», bestätigte später ein Sprecher gegenüber der «BBC».

Fifa-Präsident Gianni Infantino lud die Fussballer zusammen mit ihrem Trainer am 15. Juli zum WM-Finale nach Moskau ein – wenn sie bis dahin frei sind. «Wir haben die Nachrichten zur Rettungsaktion aufmerksam verfolgt», heisst es in seinem öffentlichen Brief. «Im Namen der internationalen Fussballgemeinde möchte ich den Familien der Spieler und des Trainers unser tiefstes Mitgefühl und unsere Unterstützung aussprechen.»

SDA/mch

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