Dallas bereitet sich auf Tausende Gestrandete vor

Wegen Hurrikan «Harvey» werden in Houston Vororte zwangsevakuiert. Präsident Trump hat auch für Louisiana den Katastrophenfall ausgerufen.

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Unablässiger Starkregen in der Folge des Hurrikans «Harvey» hat in der texanischen Metropole Houston Tausende Menschen zur Flucht gezwungen. Die Meteorologen erwarten weiter steigende Wasserstände bis Ende der Woche.

In Houston, der viertgrössten Stadt der USA, kam der Flugbetrieb an den beiden wichtigsten Flughäfen zum Erliegen, darunter auch das vielbeflogene Luftverkehrsdrehkreuz George Bush Intercontinental Airport. Zwei Spitäler mussten evakuiert werden.

Allein das Rote Kreuz bereitete sich in der Nacht zum Montag auf die Versorgung von bis zu 28'000 Personen vor, die durch die Fluten obdachlos geworden sind. Das Sheriffsbüro des Landkreises Harris setzte zur Rettung Motorboote ein, andere Menschen wurden auf Lastwagen in Sicherheit gebracht.

Strassen unter Wasser

Auch die wichtigsten Schnellstrassen waren von den Überschwemmungen betroffen. «Es ist verrückt», sagte der Anwohner John Travis der Nachrichtenagentur AFP. «Die Strassen, auf denen du täglich fährst, sind vollständig unter Wasser.»

Hurrikan Harvey brachte in Houston über 1,3 Meter Niederschlag. (Video: Tamedia/AFP/Storyful)

Innerhalb von 15 Stunden wurden in Houston 56'000 Notrufe registriert – sieben Mal mehr als üblich. Die städtische Katastrophenschutzbehörde forderte die Einwohner auf, sich aufs Dach zu retten, wenn das oberste Stockwerk ihres Hauses nicht mehr sicher sei.

Zwangsevakuierung von Vororten

Die Behörden haben die Zwangsräumung der südwestlichen Vororte Houstons in Fort Bend County angeordnet. Sie gelten vor allem für die Deichbezirke entlang des Brazos Rivers. Die Wassermassen könnten Deiche überfluten und möglicherweise brechen. Bisher war den Einwohnern am Brazos nur dringend empfohlen worden, ihre Häuser zu verlassen und höher gelegene Orte aufzusuchen.

Die Stadt bot öffentliche Gebäude als Notunterkünfte für Menschen an, deren Häuser überflutet wurden. Der Sender ABC zeigte Bilder eines Vaters und seines sechsjährigen Sohnes, die per Helikopter aus dem zweiten Stock ihres Hauses gerettet wurden. Beide trugen nur einen Rucksack bei sich.

Laut Vorhersagen soll die viertgrösste Stadt der USA auch in den kommenden Tagen von schweren Regenfällen heimgesucht werden. Die Stadt Dallas bereitet sich auf Tausende Gestrandete vor. Sie machte ihr Kongresszentrum zu einer Herberge für Flutopfer, wie CNN berichtete. Bis zu 5000 Menschen können dort unterkommen.

Befreit dank Fernsehreporterin: Dieser Truckfahrer war in seiner Kabine gefangen. Video: Reuters

Trump will Katastrophengebiet besuchen

Präsident Donald Trump will sich am Dienstag vor Ort ein Bild von der Lage machen. Auf Ersuchen des texanischen Gouverneurs Greg Abbott hatte Trump bereits am Freitag für Teile von Südtexas den Notstand ausgerufen. Damit können rascher Bundeshilfen ins Katastrophengebiet fliessen. Trump rief auch für den Bundesstaat Louisiana den Katastrophenfall aus

Abbott erklärte 50 Bezirke zu Notstandsgebieten. Ihm zufolge sind 3000 Angehörige der Nationalgarde aktiviert und 250 Fernstrassen geschlossen worden. Insgesamt gab der Nationale Wetterdienst der USA (NWS) Flutwarnungen für ein Gebiet von New Orleans bis nahe San Antonio heraus. Betroffen wären damit etwa 13 Millionen Menschen.

Weitere 1000 Nationalgardisten entsandt

Der Gouverneur von Texas hat angekündigt, weitere 1000 Soldaten der US-Nationalgarde in die von Hurrikan Harvey getroffene Stadt Houston zu entsenden. Diese sollten am Montag dort eintreffen, wie Greg Abbott auf Twitter mitteilte. Texas habe 3000 Mitglieder der National- und Staatsgarde im Einsatz.

Auswirkungen übersteigen alle Erwartungen

Der texanische Gouverneur Greg Abbott sagte, auch nach der Herabstufung von Harvey zu einem Tropensturm verschlimmere sich die Lage in den betroffenen Gebieten weiter. Die Zustände seien «schlecht und werden schlimmer», sagte Abbott am Sonntag dem US-Nachrichtensender Fox News.

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Nach dem Abflauen des Sturms droht die Gefahr nicht mehr durch Windböen, sondern durch die massiven Regenfälle, die sich über Texas ergossen. Der Nationale Wetterdienst der USA gab am Sonntag eine dramatische Warnung heraus: Die Auswirkungen des Sturms seien «beispiellos» und überstiegen «alle Erwartungen». Die Bürger müssten allen Anordnungen der Behörden Folge leisten.

Trump lobt die Texaner

Am Montag hat US-Präsident Donald Trump auch für den Bundesstaat Louisiana den Katastrophenfall ausgerufen. Das Weisse Haus verkündete die Entscheidung, auf deren Grundlage Bundesmittel zur Behebung von zu erwartenden Sturmschäden freigegeben werden können. Zuvor hatte Trump bereits den Katastrophenfall für den Bundesstaat Texas ausgerufen, der bislang am stärksten von den Sturmfolgen betroffen ist.

In einer Serie von Tweets hat US-Präsident Donald Trump die Reaktion seiner Regierung auf Hurrikan «Harvey» herausgestellt. Trump erklärte am Sonntag, die Regierung bewältige ihre Aufgaben sehr gut. Der Präsident lobte ausserdem die Hilfsbereitschaft der Texaner untereinander und pries das Buch eines Unterstützers zum Thema Kriminalität in Amerika an.

Trump beschrieb immer wieder den Verlauf des Unwetters, das besonders in der Millionenstadt Houston schwere Überschwemmungen auslöste. «Wow - Experten bezeichnen #Harvey als schlimmstes Hochwasser seit 500 Jahren», schrieb der Präsident. Später fügte er hinzu: «Sogar Experten sagen, sie hätten so etwas noch nicht gesehen.» Trump bezeichnete die schweren Regenfälle als historisch.

Stärkster Wirbelsturm in zwölf Jahren

Laut Vorhersagen soll die viertgrösste Stadt der USA auch in den kommenden Tagen von schweren Regenfällen heimgesucht werden. Harvey hatte Texas am Freitagabend (Ortszeit) als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie erreicht.

Es war der stärkste Wirbelsturm seit zwölf Jahren, der das US-Festland traf. Am Sonntag wurde ein dritter Todesfall bestätigt: Ein Frau starb in Houston, als sie sich auf einer überfluteten Strasse aus ihrem Auto retten wollte.

oli/sda/AP

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