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Britin wird vor Augen der Familie angeschossen

Eine Engländerin ist mit ihrer Familie versehentlich in eine brasilianische Favela gefahren. Anweisungen vom Kriminellen verstand sie nicht, worauf das Feuer eröffnet wurde.

Angespannte Situation in Brasiliens Armenvierteln: Ein Militärangehöriger überprüft die Lage im Vasconcelos Complex in Rio de Janeiro. (5. August 2017)
Angespannte Situation in Brasiliens Armenvierteln: Ein Militärangehöriger überprüft die Lage im Vasconcelos Complex in Rio de Janeiro. (5. August 2017)
AFP
Präsident Michel Temer erliess ein Dekret, das dem Bundesstaat den Einsatz der Armee im Kampf gegen das organisierte Verbrechen erlaubt.
Präsident Michel Temer erliess ein Dekret, das dem Bundesstaat den Einsatz der Armee im Kampf gegen das organisierte Verbrechen erlaubt.
AFP
Häufig sind auch Polizisten in die Schusswechsel verwickelt. 93 Polizeibeamte wurden seit Jahresbeginn in Rio getötet.
Häufig sind auch Polizisten in die Schusswechsel verwickelt. 93 Polizeibeamte wurden seit Jahresbeginn in Rio getötet.
AFP
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Eine Frau aus Grossbritannien war in einem beliebten Ferien-Hotspot nahe Rio mit dem Auto unterwegs. Zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern fuhr sie versehentlich in eine Favela, ein Armenviertel. Dort wurde sie angeschossen, wie brasilianische Medien berichteten. Das älteste der Kind ist vier Jahre alt.

Die Familie war gemäss Polizeiangaben erst in der Stadt «Angra dos Reis» unterwegs. Ein Beamter erklärte gegenüber der Zeitung «O Globo», dass die Familie eigentlich Wasser kaufen wollte. Offenbar gab es aufgrund der Sprachbarriere ein Missverständnis, als sie nach dem Weg fragten.

Sie fuhren anschliessend nach «Água Santa», wo sie von Kriminellen ermahnt wurden, das Gebiet zu verlassen. Die Briten hätten die Anweisungen nicht verstanden und die Fahrt fortsetzen wollen. Sie seien dann zum Aussteigen gezwungen worden, kurz darauf wurde das Feuer eröffnet. Zwei Kugeln trafen die Frau in den Bauch, wie «O Globo» schreibt. Sie wurde in einem Krankenhaus behandelt, ihr Zustand ist laut lokalen Medien stabil. Der Rest der Familie blieb laut den Berichten unverletzt.

Polizei geht gegen Banden vor

Die Anspannungen in Rios Armenvierteln haben sich in jüngster Zeit deutlich verschärft. Rund 5000 Polizisten und Soldaten sind am Samstag in mehreren Armenvierteln von Rio de Janeiro gegen bewaffnete Banden vorgegangen. Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet.

Das teilte ein Sprecher der Sicherheitsbehörde des brasilianischen Bundesstaats Rio de Janeiro mit. Die mit 40 Haftbefehlen ausgestatteten Einsatzkräfte umstellten demnach vier Favelas, während Helikopter in der Luft kreisten.

In Rio wurden in den vergangenen Wochen verstärkt Gewalttaten und Lastwagen-Diebstähle verzeichnet. Brasiliens Präsident Michel Temer erliess vergangene Woche ein Dekret, das dem Bundesstaat den Einsatz der Armee im Kampf gegen das organisierte Verbrechen erlaubt.

Höchste Mordrate seit 2009

Im ersten Vierteljahr 2017 gab es in Rio mit 3457 Morden die höchste Mordrate seit 2009. Rivalisierende Drogenbanden kämpfen gewaltsam um die Kontrolle über die Favelas, dabei kommt es immer wieder zu tödlichen Schiessereien.

Häufig sind auch Polizisten in die Schusswechsel verwickelt. 93 Polizeibeamte wurden seit Jahresbeginn in Rio getötet. Vor einem Jahr waren in dem nahe der Favela Lins gelegenen Stadion Maracanã die Olympischen Spiele eröffnet worden. Seither ist die Stadt nahezu bankrott.

In einer ersten Version des Artikels wurde geschrieben, die Britin sei ihren Verletzungen erlegen. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

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