Zum Hauptinhalt springen

Bosnien muss Tausende stinkende Tierkadaver nach Serbien bringen

Metertiefer Schlamm und haufenweise Unrat: Tausende Rettungskräfte, Soldaten und Freiwillige helfen bei den Aufräumarbeiten auf dem Balkan mit. Die Kehrichtverbrennungsanlagen geraten an ihre Grenzen.

Tausende Trümmer und Kadaver: Ein bosnischer Soldat schleppt eine tote Kuh in Bosanski Samac ab. (20. Mai 2014)
Tausende Trümmer und Kadaver: Ein bosnischer Soldat schleppt eine tote Kuh in Bosanski Samac ab. (20. Mai 2014)
Amel Emric, Keystone
Das Unglück machte auch vor Friedhöfen nicht halt: Grabsteine ragen aus den Fluten in Bosanski Samac. (23. Mai 2014)
Das Unglück machte auch vor Friedhöfen nicht halt: Grabsteine ragen aus den Fluten in Bosanski Samac. (23. Mai 2014)
Fehim Demir, Keystone
Auch in Serbien sind die Schäden enorm: Helfer pumpen Wasser ab in Maljurevac. (23. Mai 2014)
Auch in Serbien sind die Schäden enorm: Helfer pumpen Wasser ab in Maljurevac. (23. Mai 2014)
Andrej Isakovic, AFP
1 / 6

In Serbien hat die Regierung den Ausnahmezustand aufgehoben. Die Rettungsteams hätten in den überschwemmten Gebieten Serbiens 33 Tote geborgen, sagte Innenminister Nebojsa Stefanovic in Belgrad. Davon seien 13 Menschen ertrunken.

Unklar blieb, wie die anderen ums Leben kamen. Schon am Vortag hatte die Regierung den Schaden des Unwetters auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Insgesamt kamen auf dem Balkan infolge der Überschwemmungen 51 Personen ums Leben. Fast 150'000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Zehntausende von ihnen sitzen immer noch in Notunterkünften fest.

Kräftezehrende Aufräumarbeiten

Nach dem verheerenden Hochwasser auf dem Balkan stehen den Flutopfern nun kräftezehrende Aufräumarbeiten bevor. In den Überschwemmungsgebieten in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien wurden Tausende Häuser beschädigt.

Viele von ihnen werden wohl nie mehr bewohnbar sein, wie Kroatiens Wohnungsbauministerin Anka Mrak-Taritas sagte. «Häuser, die vor 20 oder 30 Jahre gebaut wurden, können getrocknet und renoviert werden», sagte die Ministerin. «Aber bei älteren Häusern dürfte es einfacher sein, sie abzureissen und neue zu bauen.»

Vielerorts steckten Häuser und Strassen noch metertief im Schlamm. Tausende Rettungskräfte, Soldaten und Freiwillige waren damit beschäftigt, vom Hochwasser weggespülte Autowracks, tote Kühe und anderen Unrat wegzuräumen.

Mit Tierkadavern ins Nachbarland

Im völlig überschwemmten nordbosnischen Ort Doboj wurden bereits 80 Lastwagen-Ladungen Kehricht eingesammelt – die städtische Abfallgrube ist nach Angaben der Rettungskräfte bereits überfüllt. Auch Tausende stinkende Tierkadaver müssen ins Nachbarland Serbien gebracht werden, weil die örtlichen Kehrichtverbrennungsanlagen völlig überlastet sind.

Auch die rund 120'000 Landminen, die seit den Jugoslawien-Kriegen in den 90er Jahren in den Böden der ehemaligen Teilrepubliken stecken und nun durch die Fluten der Save und ihrer Nebenflüsse frei gespült wurden, stellen weiterhin eine grosse Gefahr dar. Minenexperten wollen nun einen Aktionsplan erarbeiten.

Hilfe aus der Schweiz

Die Schweiz sendet als Reaktion auf die schwere Flutkatastrophe Hilfsmaterial auf den Balkan. Eine erste Hilfslieferung mit Instrumenten zur Trinkwasseraufbereitung und -verteilung wird auf Lastwagen verladen und ins Katastrophengebiet geschickt.

Der Transport des Materials werde etwa zwei Tage dauern, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Konkret würden je zwei Wasserverteilungsmodule und je ein Brunnenreinigungsset nach Serbien und nach Bosnien-Herzegowina geschickt, heisst es in dem Communiqué.

Trinkwasser für 10'000 Personen pro Modul

Mit einem Wasserverteilungsmodul kann Trinkwasser für mindestens 10'000 Personen aufbereitet werden. Die Brunnenreinigungssets werden eingesetzt, um verunreinigte Wasserquellen zu desinfizieren.

Neben den Materiallieferungen werden die Teams des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH), die sich seit Anfang dieser Woche in Serbien und Bosnien-Herzegowina aufhalten, personell verstärkt. Am Sonntag werden weitere Experten des SKH in den Balkan reisen.

Bereits unmittelbar nach der Flutkatastrophe hatte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) als Sofortmassnahme für die betroffene Bevölkerung 500'000 Franken reserviert. Mit dem Geld werden auch die Aktivitäten von Caritas in Bosnien-Herzegowina und dem Serbischen Roten Kreuz unterstützt.

SDA/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch