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Bombenfund in Bonn: Islamisten im Visier

Nach der Sprengung einer herrenlosen, explosiven Tasche im Hauptbahnhof in Bonn suchen die Ermittler nach Verdächtigen. Der Polizei bekannte Islamisten wurden am Tatort gesehen.

Die Stadt Bonn ist womöglich nur knapp einem Bombenanschlag entkommen: Polizisten sichern die Spuren bei den Gleisen. (10. Dezember 2012)
Die Stadt Bonn ist womöglich nur knapp einem Bombenanschlag entkommen: Polizisten sichern die Spuren bei den Gleisen. (10. Dezember 2012)
AFP

Nach einem Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof sucht die deutsche Polizei mit einem Phantombild nach einem Tatverdächtigen. Zwei weitere Männer sind der Polizei heute bereits ins Netz gegangen. Das bestätigte am Abend die Bonner Staatsanwaltschaft und die Kölner Polizei der Nachrichtenagentur dapd. Die beiden in Gewahrsam genommenen Islamisten würden überprüft, gälten bislang aber nicht als Tatverdächtige. Die Stadt Bonn ist womöglich nur knapp einem Bombenanschlag entkommen.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei einer der beiden Personen um den aus Somalia stammenden Islamisten Omar D. Zeugen hätten angegeben, den Mann in der Nähe des Tatortes gesehen zu haben, hiess es. Zudem wollen sie den ebenfalls den Sicherheitsbehörden bekannten Islamisten Abdirazak B. erkannt haben. Anhand von Handy-Daten sollte geprüft werden, ob sich die beiden tatsächlich zur Tatzeit am Bonner Hauptbahnhof aufgehalten haben.

Schon einmal festgenommen

Am Nachmittag veröffentlichte die Kölner Polizei das Phantombild eines Tatverdächtigen. Demnach suchen die Behörden nach einem dunkelhäutigen Mann im Alter zwischen 30 und 35 Jahren. Ein 14 Jahre alter Schüler habe den Ermittlern berichtet, dass der Tatverdächtige die Tasche am Gleis abgestellt habe.

Omar D. und Abdirazak B. sind den Sicherheitsbehörden bereits seit Jahren bekannt. In einer spektakulären Aktion wurden sie im September 2008 auf dem Flughafen Köln/Bonn in einem Flugzeug in Richtung Amsterdam festgenommen. Damals bestand der Verdacht, dass sich die Männer an Anschlägen beteiligen und als Selbstmordattentäter im sogenannten Heiligen Krieg sterben wollen. Knapp zwei Wochen später wurden sie wieder freigelassen, da sich der dringende Tatverdacht nicht bestätigte. Im Januar 2010 stellte die Bonner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen endgültig ein.

Metallrohr, Wecker, Batterien, Gas und Ammoniumnitrat

Gestern war auf einem Bahnsteig eine herrenlose Tasche gefunden worden. Der Bahnhof wurde weiträumig gesperrt und das Gepäckstück mit einem Wassergewehr gezielt gesprengt. Darin lagerten nach Angaben der Ermittler Metallbehälter mit «zündfähigem Material». Nach Informationen von «Spiegel Online» aus Ermittlerkreisen befanden sich in dem Gepäckstück Butangas, ein Metallrohr, ein Wecker, Batterien und Ammoniumnitrat, das für die Herstellung von Sprengstoffen verwendet werden kann. Unklar war noch, ob es sich um eine funktionstüchtige Bombe handelte. Auch einen Tag nach dem Fund waren Spezialisten des deutschen Landeskriminalamtes damit beschäftigt, Details zum Inhalt der abgelegten Tasche herauszufinden.

Der Bonner Bombenalarm weckt Erinnerungen an zwei fehlgeschlagene Anschläge in Deutschland im Jahr 2006. Damals deponierten zwei Männer auf dem Kölner Hauptbahnhof zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz, die aber nicht explodierten. Zweieinhalb Jahre später verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf den 24-jährigen Libanesen Youssef El Hajdib zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Der Mittäter Jihad Hamad war zuvor bereits im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

dapd/rbi

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