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Beatrice Tschanz über die Zukunft der Ju-Air

Die Ex-Swissair-Sprecherin spricht in einem Interview über das Ju-52-Unglück bei Flims und warnt davor, nun alles infrage zu stellen.

Trümmer werden abtransportiert: Die Bergungsarbeiten oberhalb von Flims dauern an. (Video: Tamedia, SDA)

Als beim Absturz einer Swissair-Maschine 1998 bei Halifax 229 Menschen starben, war Beatrice Tschanz Pressechefin bei der Fluggesellschaft. Sie brillierte damals bei der Bewältigung des Unglücks, dem riesigen Bedarf nach Information, Einordnung und Mitgefühl mit Sachlichkeit und Empathie und gilt als Expertin für Krisenkommunikation. Wie sie den Absturz der Ju-52 am Piz Segnas bei Flims einschätzt, erklärt sie in einem Interview mit der Nordwestschweiz.

Die Verantwortlichen hätten schnell und sachlich kommuniziert. «Ich hatte nicht das Gefühl, dass jemand etwas verheimlichen will», sagt Beatrice Tschanz. Das Allerschwierigste seien die Gespräche mit Angehörigen. Diese erforderten eine Gratwanderung zwischen Einfühlsamkeit und Sachlichkeit.

Dass die Ju-Air ihren Flugbetrieb eingestellt habe, schätzt sie als «absolut richtig» und «pietätvoll» ein. Nach einem solchen Unglück könne man nicht einfach den gewohnten Betrieb aufrechterhalten.

«Ju-Air wird wieder fliegen»

Tschanz geht davon aus, dass die Ju-Air wieder fliegen wird. Die Vereinigung sei über Jahre erfolgreich gewesen und das Konzept der Rundflüge sei sehr beliebt. Derzeit würde sie selbst aber «ehrlicherweise nicht» in eine Ju-52 steigen. Erst müsse das Unglück aufgearbeitet werden. Die Ju-52 sei aber jahrelang absolut sicher geflogen. Das Schöne an den Ju-Maschinen sei, dass es wunderbar alte Flieger seien, die hervorragend gewartet würden. «Man muss aufpassen, dass man aufgrund dieses tragischen Ereignisses nicht alles infrage stellt», so Tschanz.

Bilder: Der Absturz der Ju-52 oberhalb von Flims

«Der schwierigste und schwärzeste Tag in der 36-jähigen Geschichte der Ju-Air»: Kurt Waldmeier, Gründer und CEO Ju-Air an der Pressekonferenz am 5. August 2018.
«Der schwierigste und schwärzeste Tag in der 36-jähigen Geschichte der Ju-Air»: Kurt Waldmeier, Gründer und CEO Ju-Air an der Pressekonferenz am 5. August 2018.
Melanie Duchene, Keystone
Unter den Opfern befinden sich 8 Paare und 4 Einzelpersonen: Die Kantonspolizei informierte in Flims über die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz. (5. August 2018)
Unter den Opfern befinden sich 8 Paare und 4 Einzelpersonen: Die Kantonspolizei informierte in Flims über die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz. (5. August 2018)
Melanie Duchene, Keystone
Undatierte Aufnahme einer fliegenden Junkers Ju-52 mit Schweizer Zulassung.
Undatierte Aufnahme einer fliegenden Junkers Ju-52 mit Schweizer Zulassung.
Str, Keystone
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40 Jahre lang war die Schweizer Luftwaffe mit Maschinen des Typs Ju-52 unterwegs. Drei Flugzeuge wurden 1981 ausgemustert und in den zivilen Flugbetrieb übergeführt. Dafür wurde mit Spenden aus der ganzen Schweiz die Ju-Air gegründet. 1983 gab es die ersten Rundflüge mit insgesamt 5500 Passagieren. Die bei Flims abgestürzte Maschine stiess 1985 zur Rundflug-Flotte.

2014 sind mehr als 14’000 Passagiere mit der Ju-Air geflogen. Rund 180 ehrenamtliche Helfer, zahlreiche Gönner und Sponsoren unterstützen den Verein. Zwei Vorfälle mit Ju-52-Maschinen sind auf der Website des 36-jährigen Vereins aufgeführt: 1987 verunfallte die HB-HOS auf dem Flugplatz Koblenz, Passagiere wurden keine verletzt. 1998 touchierte die HB-HOS bei der Landung eine Schneemauer.

Kurz nach dem Unglück mit 20 Toten bei Flims gab der Verein bekannt, dass der Betrieb bis auf weiteres eingestellt sei. Er werde wohl erst bei näheren Erkenntnissen zum Unfallhergang wieder aufgenommen, sagte Ju-Air-CEO Kurt Waldmeier am Sonntag. Bereits gebuchte Tickets und Gutscheine behalten ihre Gültigkeit.

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