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Assistenzlehrer starb, weil er Schüler retten wollte

Schweden feiert einen 20-Jährigen als Helden. Er stellte sich schützend vor die Kinder und verhinderte so ein noch grösseres Blutbad.

Maskiert, in schwarzer Kleidung und mit einem Schwert: Schüler glaubten an ein Halloween-Kostüm und posierten vor der Attacke mit dem Täter für Fotos. (22. Oktober 2015)
Maskiert, in schwarzer Kleidung und mit einem Schwert: Schüler glaubten an ein Halloween-Kostüm und posierten vor der Attacke mit dem Täter für Fotos. (22. Oktober 2015)
AFP
Bei einem Schwertangriff an einer schwedischen Schule sind fünf Personen verletzt worden: Die Polizei und die Ambulanz sind vor Ort. (22. Oktober 2015)
Bei einem Schwertangriff an einer schwedischen Schule sind fünf Personen verletzt worden: Die Polizei und die Ambulanz sind vor Ort. (22. Oktober 2015)
Stig Hedstroem, Keystone
Ein Polizeibeamter spricht mit einer Frau nahe des Tatorts.
Ein Polizeibeamter spricht mit einer Frau nahe des Tatorts.
Keystone
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Mit einer Maske und einem Schwert betrat der 21-jährige Anton Lundin Pettersson eine Schule in der Stadt Trollhättan. Einige Schüler glaubten erst an einen Halloween-Scherz. Doch Pettersson tötete zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer. Eines der Opfer ist der 20-jährige Assistenzlehrer Lavin E*. In den schwedischen Medien wird er als Held gefeiert.

Der junge Mann versuchte, den Täter im Café der Schule zu stoppen, und stellte sich schützend vor die Kinder. Wie die Zeitung «Expressen» berichtet, rief er den Schülern zu, dass sie davonrennen und sich verstecken sollten. Pettersson soll mehrfach auf E. eingestochen haben. Ein Freund des Opfers kann es nicht fassen: «Er war zu jung, um zu sterben.»

Auch ein weiterer Angehöriger trauert: «Er setzte sich immer für andere ein. Er war ein Held.» Lavin E. habe davon geträumt, einmal Filmregisseur zu werden. «Er machte gerne Kurzfilme, Musikvideos und Videoclips», sagte der Angehörige zur Zeitung «Aftonbladet».

Schüler sind Migranten

Beim zweiten Todesopfer handelt es sich um den 17-jährigen Ahmed H*. Die Ärzte kämpften im Spital vergeblich um das Leben des Schülers. Ahmed sei mit seiner Familie vor drei Jahren von Somalia nach Schweden eingewandert. «Er war so brav und hilfsbereit», sagte seine Mutter mit Tränen in den Augen zum «Expressen». Er sei ein begeisterter Fussballspieler gewesen.

Zwei Personen haben den Schwertangriff schwer verletzt überlebt, ein 41-jähriger Mathematik-Lehrer und ein 15-jähriger Schüler. Der Lehrer habe gesehen, wie Schüler Fotos mit Pettersson und seinem Schwert machten. Daraufhin habe er gerufen: «Was machen Sie da? Nehmen Sie die Maske ab!» Der Angreifer habe ihn mit dem Schwert an der Taille getroffen.

Der 15-Jährige sass zum Zeitpunkt der Bluttat im Klassenzimmer. Als Pettersson an die Tür klopfte, öffnete der Junge diese und wurde in den Unterleib gestochen. Die Chirurgen mussten Teile der Bauchspeicheldrüse und der Milz entfernen. Sein Zustand sei aber stabil. Der Schüler war ebenfalls ein Immigrant. Seine Familie wanderte vor rund sieben Monaten aus Syrien ein.

Täter ging auf Polizisten los

Pettersson versuchte in der Folge, in weitere Klassenzimmer einzudringen. Laut Augenzeugenberichten hätten sich die Lehrer aber gegen die Türen gedrückt und so versucht, den Täter aufzuhalten. Wenige Minuten nachdem der Alarm ausgelöst worden sei, sei die Polizei vor Ort gewesen. Die schwedischen Medien sind sich einig, dass so ein noch grösseres Blutbad verhindert werden konnte.

Als die Beamten eintrafen, hätten sie den Täter mit einem blutigen Schwert gesehen. Dieser habe sich umgedreht und sei auf die Polizisten losgegangen, worauf diese das Feuer eröffneten. Pettersson wurde schwer verwundet ins Spital gebracht und erlag dort später seinen Verletzungen.

Die Polizei geht beim Verbrechen von einem rassistischen Motiv aus. «Es gibt klare Hinweise darauf», sagte ein Polizeisprecher der deutschen Nachrichtenagentur DPA. Man habe in seiner Wohnung «einige Dinge» gefunden. Zudem habe der schwarze Helm Zeugen an eine Naziuniform erinnert.

*Namen der Redaktion bekannt

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