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Anklage will Breivik in Psychiatrie schicken

In Oslo hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer im Prozess gegen Anders Behring Breivik gehalten. Er soll nach dem Willen der Anklage in die Psychiatrie. Die Norweger würden ihn aber lieber im Gefängnis sehen.

rub/rbi
Anschläge sind ein «nationales Trauma»: Anders Behring Breivik sitzt während der Begründung der Anklage im Vordergrund. (21. Juni 2012)
Anschläge sind ein «nationales Trauma»: Anders Behring Breivik sitzt während der Begründung der Anklage im Vordergrund. (21. Juni 2012)
Reuters

Der geständige norwegische Attentäter Anders Behring Breivik soll nach dem Willen der Anklage in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden. Die Zurechnungsfähigkeit Breiviks, der im vergangenen Jahr 77 Menschen getötet hatte, habe nicht zweifelsfrei bewiesen werden können.

So argumentierte die Staatsanwaltschaft heute in ihrem Schlussplädoyer in Oslo. Der Rechtsextremist selbst beharrt darauf, schuldfähig zu sein. Die Anklage fordere, dass Breivik sich einer «psychiatrischen Behandlung» in einer geschlossenen Anstalt unterziehen müsse, sagte Staatsanwalt Svein Holden. «Wir sind nicht überzeugt oder sicher, dass Breivik unzurechnungsfähig ist», sagte Holden. «Aber wir haben Zweifel.»

Urteil spätestens im August

Sollte das Gericht Breivik in seinem Urteil für schuldfähig erklären, werde die Anklage die Höchststrafe von 21 Jahren Haft fordern, führte Holden aus. Diese Höchststrafe kann zudem verlängert werden, wenn eine weitere Gefährdung der Gesellschaft befürchtet wird. Das Urteil gegen Breivik wird entweder für den 20. Juli oder den 24. August erwartet.

Bereits im März hatten sich die Ankläger für eine Einweisung Breiviks in die Psychiatrie ausgesprochen. Sie stützten sich dabei auf ein Gutachten, das bei dem Attentäter eine paranoide Schizophrenie feststellte.

Zweifel an Schuldfähigkeit

Nachdem ihm später aber ein anderes Gutachten die Schuldfähigkeit bescheinigte, wurde damit gerechnet, dass auch die Staatsanwaltschaft ihre Meinung geändert haben könnte. In ihrem Schlussplädoyer argumentierte die Staatsanwaltschaft jedoch, dass das von zwei Fachleuten erstellte erste Gutachten zumindest ausreiche, um Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten aufkommen zu lassen.

Holdens Amtskollegin Inga Bejer Engh hatte zuvor ausgeführt, dass Breiviks behauptete Zugehörigkeit zu einem «Orden der Tempelritter» als politischem Netzwerk frei erfunden sei. In Wirklichkeit sei er von «Gewalt- und Mordphantasien» angetrieben gewesen.

Breivik reagierte verärgert

Breiviks Erklärungen zu seinem angeblichen politischen Hintergrund hätten das «für ihn tragische Bild eines jungen Mannes ergeben, der sich als Teil eines nicht existierenden Netzwerkes sieht». Sie hätten «jeder Logik entbehrt».

Breivik reagierte sichtlich verärgert auf die Forderung der Staatsanwaltschaft nach seiner Einweisung in die Psychiatrie. Er zeigte seinen martialischen Gruss mit einem Faustschlag auf die Brust und ausgestrecktem rechtem Arm.

Diese Geste, die Breivik in einem seiner Manifeste als Gruss des Ordens der Tempelritter bezeichnete, hatte er schon zu Beginn des Prozesses mehrfach gezeigt, dann auf Verlangen seiner Anwälte aber unterlassen.

Auf nicht schuldig plädiert

Breivik hatte im Juli 2011 zunächst im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet und dann in einem Jugendlager der regierenden Sozialdemokraten auf der Insel Utøya 69 Menschen erschossen.

Er gestand die Taten, plädierte aber auf nicht schuldig. Seine Taten seien nötig gewesen, um gegen die vermeintliche Islamisierung Norwegens und das angebliche «multikulturelle Experiment» der Regierung zu kämpfen.

Breivik beharrt darauf, schuldfähig zu sein, und will vermeiden, dass die Anschläge als die Taten eines Wahnsinnigen eingestuft werden. Er will gegen eine Einweisung in eine geschlossene Rechtspsychiatrie Berufung einlegen.

Laut einer heute veröffentlichten Umfrage wollen 74 Prozent der Norweger Breivik im Gefängnis sehen. Lediglich zehn Prozent befürworten seine Einweisung in die Psychiatrie.

(AFP/sda)

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