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Angeklagter erschiesst Richter und Anwalt im Gericht

Bei einer Schiesserei an einem Mailänder Gericht wurden drei Personen getötet. Der Täter konnte bei seinem Fluchtversuch gefasst werden.

Justizpalast evakuiert: Ein Krankenwagen kommt aus dem Innenhof des Gerichtsgebäudes. (Video: Storyful/TA)

Ein Angeklagter hat heute im Mailänder Justizpalast das Feuer eröffnet und drei Menschen erschossen. Unter den Opfern sei auch ein Konkursrichter, sagte der Staatsanwalt des Berufungsgerichts, Giovanni Canzio, nach Angaben italienischer Medien.

Der Täter wurde bei seinem Fluchtversuch gefasst, teilte der italienische Innenminister Angelino Alfano mit. Der Täter habe zuerst seinen Anwalt und den Mitangeklagten erschossen, danach sei er durch das festungsähnliche Gebäude gelaufen und habe ein Stockwerk darunter den Konkursrichter getötet, sagte Staatsanwalt Edmondo Bruti Liberati. Ob eine Beziehung zwischen Schütze und Richter bestand, ist unklar.

Metalldetektoren an allen Haupteingängen

Wie der Täter mit Waffe ins schwer gesicherte Gebäude kam, ist noch nicht geklärt. Das Gerichtsgebäude hat an allen vier Haupteingängen Metalldetektoren. Allerdings können Anwälte und Gerichtsmitarbeiter mit offiziellen Hausausweisen die Kontrolle umgehen. Beschäftigte mutmassten nach dem Überfall, dass der Schütze zusammen mit seinem Anwalt ins Gebäude gelangt sein könnte, ohne durch den Detektor zu müssen.

Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte eine genaue Untersuchung an, wie der Schütze mit der Waffe ins Gericht kam. «Unsere Verpflichtung ist, dass dies nie mehr wieder geschieht und dass die Verantwortlichen bezahlen», sagte der Regierungschef. Gleichzeitig lobte er den heroischen Einsatz der Polizisten, die den Schützen gefunden und entwaffnet hatten. Ihm war es allerdings zunächst gelungen, aus dem Gebäude zu kommen und auf einem Motorrad zu fliehen. Erst in Vimercate in der Nähe von Monza fingen ihn die Carabinieri, wie Innenminister Alfano berichtete. Das ist rund 25 Kilometer vom Tatort entfernt.

Der Sender Sky TG24 meldete, der mutmassliche Täter habe sich zeitweise in einem oberen Stockwerk verschanzt. Laut Innenminister Alfano wollte er anschliessend mit einem Motorrad flüchten. Doch dann fingen ihn die Carabinieri. Nach Angaben der italienischen Medien musste sich der Täter wegen betrügerischen Bankrotts vor Gericht verantworten. Er soll demnach am Morgen im dritten Stock des Justizpalasts das Feuer eröffnet haben.

«Plötzlich hörten wir drei bis vier Schüsse»

«Plötzlich hörten wir mindestens drei bis vier Schüsse», berichtete der Anwalt Marcello Ilia. «Wir fragten uns noch, was los ist, als eine grosse Zahl von Polizisten auftauchte. Sie forderten uns auf, den Raum nicht zu verlassen und schlossen uns ein.» Nach wenigen Minuten seien sie wieder aus dem Raum gelassen und zum Ausgang gebracht worden. «Sie sagten uns, ein bewaffneter Mann im Anzug und mit Krawatte halte sich im Gericht auf.»

Der Justizpalast steht im historischen Zentrum von Mailand, nur wenige Strassen vom Dom und dem Geschäftsviertel entfernt.

Unmittelbar nach der Schiesserei begann eine Debatte über die Sicherheit in dem Gericht. Das Gebäude hat an allen vier Haupteingängen Metalldetektoren. Allerdings können Anwälte und Gerichtsmitarbeiter mit offiziellen Hausausweisen die Kontrolle umgehen. Beschäftigte mutmassten nach dem Überfall, dass der Schütze zusammen mit seinem Anwalt ins Gebäude gelangt sein könnte, ohne durch den Detektor zu müssen. Der stellvertretende Innenminister Filippo Bubbico erklärte, es werde genau geklärt, wer verantwortlich sei. In Mailand herrschen besondere Sicherheitsvorkehrungen wegen der anstehenden Weltausstellung Expo. Innenminister Alfano war just am Donnerstag zu einem Sicherheits-Koordinierungstreffen vor der Grossveranstaltung nach Mailand gekommen.

AFP/AP/rub

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