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«Als Erstes bekam ich ein besorgtes SMS aus der Schweiz»

Die ersten Schweizer Teilnehmer des Marathons in Boston sind in Zürich gelandet. Sie erzählen, wie sie den Bombenterror erlebten.

«Ich war gerade in der Nähe am Einkaufen und habe gehört, wie es zweimal knallte»: Schweizer Augenzeugen berichten.

Es sollte ein Tag der Freude werden, doch er endet in einem Blutbad. Boston ist nach dem Bombenanschlag auf den berühmten Marathon bis ins Mark erschüttert. Stunden nach der letzten Explosion zittert die Stadt noch immer. Zerstört ist die Freude eines Tages, von dem man eigentlich erwarten konnte, dass er ein Tag unbekümmerten Feierns würde.

Dieselben lebendigen Strassen, die über Jahrzehnte von den Turnschuhen der Boston-Marathon-Läufer und der Feiernden abgewetzt wurden, liegen Montagnacht aufgerissen und tot da. Sirenen zerschneiden die Stille, während Spezialeinheiten der Polizei und Krankenwagen hin- und hereilen zwischen der Ziellinie und den vielen Spitälern. Mindestens drei Tote und über 100 – vielleicht auch mehr – Verletzte. Und diese Zahlen können nicht annähernd ausdrücken, wie tief es die in Erschöpfung, Schmerz und Furcht versunkene Stadt im Inneren getroffen hat.

«Ich war gerade am Einkaufen »

Die ersten Schweizer Teilnehmer sind nun zurück in ihrem Heimatland. Darunter auch der bekannte Rollstuhlsportler Marcel Hug. Die geschockten Schweizer erzählen, wie sie den Bombenterror am eigenen Leib erlebt haben (siehe Video): «Ich war gerade in der Nähe am Einkaufen und habe gehört, wie es zweimal knallte», sagt ein Läufer gegenüber Keystone. Auch Paul Odermatt, Trainer Rollstuhlsport Schweiz, nahm mit seiner Equipe am Marathon teil. Er befand sich jedoch zum Zeitpunkt der Detonation etwas weiter weg: «Als Erstes erhielt ich besorgte SMS aus der Schweiz. Ich wusste gar nicht, was los war», sagt Odermatt.

Nicht alle Teilnehmer kamen mit dem Schrecken davon wie die Läufer und Trainer aus der Schweiz: «Es ist wirklich, wirklich hart für alle unsere Mitarbeiter, denn so etwas haben wir noch niemals gesehen», sagt Hana Dubski, Assistenzärztin am Brigham and Women's Hospital, wo sie und ihre Kollegen Verletzungen behandeln – von kleinen Verbrennungen bis zu Beinen, die von Granatsplittern so zerfetzt sind, dass sie amputiert werden müssen.

«Ich sah abgerissene Beine»

«Alles ging wirklich schnell. Wir wurden unterrichtet, dass es zahlreiche Opfer gab, und sofort strömten Leute in die Notaufnahme», sagt Dubski. Sie spricht sozusagen klinisch und vermeidet grausame Details zugunsten der unbestreitbaren Fakten: Niemand ist auf solch eine Tragödie vorbereitet, und keiner weiss so recht, wie damit umzugehen ist.

«Boston Globe»-Fotograf John Tlumacki verfolgt gerade das Rennen, als die Bomben hochgehen. «Ich sah abgerissene Beine, abgerissene Füsse, Menschen auf Menschen getürmt», erzählt er CNN. «Ich fürchte, die Zahl der Toten wird grösser werden als die drei bisher.»

Tag des Schreckens

Einige Ecken von der Boylston Street entfernt, wo die Bomben den schönen Frühlingsnachmittag in einen Tag des Schreckens verwandeln, patrouillieren die Swat-Spezialeinheiten der Polizei.

Ausserhalb des Boston Medical Center, eines anderen Spitals, das sich um die Explosionsopfer kümmert, gehen zwei Polizeioffiziere in vollem Kampfdress und mit automatischen Gewehren vor dem Eingang zur Notaufnahme auf und ab.

Die Nationalgarde rückt in die Boylston Street ein, eine von Bostons Hauptverkehrsadern. Vier Stunden nach Beginn des Rennens, zu einem Zeitpunkt also, wenn gewöhnlich viele Läufer die Ziellinie erreichen, wird diese Zone von der Explosion heimgesucht. Die Anwesenheit der Soldaten ist doppelt bedeutungsschwer, da die Stadt nicht nur den Marathon feiert, sondern auch den Patriots' Day, den Tag der Patrioten.

Stadt wie ausgestorben

Diesen Feiertag gibt es nur im Staat Massachusetts. Er erinnert an die Schlachten von Lexington und Concord, als 1775 die amerikanischen Revolutionäre zum ersten Mal die Waffen gegen die britische Kolonialmacht erhoben.

Bostons Schulen bleiben am Patriots' Day geschlossen, genau wie viele Geschäfte. Die Einwohner strömen zu den Aussichtspunkten entlang der 42 Kilometer langen Strecke, um die Läufer aus aller Welt zu sehen. Die Menschenmengen verschwinden am Montagabend, das übliche Feiern ist vergessen.

Quamel Burkmire, Wächter einer örtlichen Sicherheitsfirma, macht seine Runde durch mehrere Strassen in der Nähe des Brigham and Women's Hospital, so wie immer. An jedem anderen Marathon-Montag hätte er eine ordentliche Menge Betrunkener oder Jubelnder erwartet. Aber nicht heute Nacht. «Leute kommen von überall her. Ich habe nicht viele Leute gesehen, es ist so tot», sagt er.

Keystone/sda/mrs

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