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Äusserst idyllisch – und extrem gefährlich

In ruhigen Zeiten ist der Vulkan Taal ein wunderschöner Ort. Doch er liegt in dicht besiedeltem Gebiet – und bricht nun aus. Fast eine halbe Million Menschen wurden angewiesen zu fliehen.

Ein Hund steht vor einer verlassenen Garage, die wie alles in der Region rund um den Vulkan von feiner schwarzer Asche überzogen ist. (13. Januar 2020) Foto: Eloisa Lopez/Reuters
Ein Hund steht vor einer verlassenen Garage, die wie alles in der Region rund um den Vulkan von feiner schwarzer Asche überzogen ist. (13. Januar 2020) Foto: Eloisa Lopez/Reuters

Schluss mit lustig, «lasst die Witze», mahnte der philippinische Sänger Jed Madela in einem Post in den sozialen Medien über den Umgang mit dem jüngsten Ausbruch des Vulkans Taal. Geschmacklose Witze gibt es natürlich in vielen Fällen, und die Vorliebe speziell der Philippiner für Internet-Memes und Online-Gags aller Art ist legendär. Nur dass es manchen doch schwerfällt, die Grenzen zu sehen. Alberne Fotos mit selbst gebastelten Atemmasken, gemacht von Menschen weit weg? Giftige Asche regnet in der betroffenen Region vom Himmel, die Lage ist ernst; die Leute rund um den Vulkan fliehen und brauchen dringend Schutzmasken. Das Einatmen feiner Asche ist gefährlich, besonders über längere Zeit.

Aus dem Krater des Vulkans Taal, 70 Kilometer südlich der philippinischen Metropole Manila gelegen, schossen am frühen Montagmorgen leuchtende Lavafontänen, ausserdem stiegen riesige Aschewolken auf, sie türmten sich zu einer Säule, die mehrere Kilometer in den Himmel stieg. Bilder vom frühen Montagmorgen zeigen Blitze, die kreuz und quer durch die Aschewolken zucken (zum Bericht).

Blitze zucken durch die Aschewolken. (12. Janaur 2020) Foto: Ezra Acayan/Getty Images
Blitze zucken durch die Aschewolken. (12. Janaur 2020) Foto: Ezra Acayan/Getty Images

Nach Auswertung der urzeitlich anmutenden Szenerie und aller verfügbaren Messwerte rief das philippinische Institut für Vulkanologie und Seismologie die Alarmstufe vier aus. «Was wir jetzt gesehen haben, muss man ganz sicher als Ausbruch bezeichnen», sagt der italienische Vulkanologe Corrado Cimarelli von der LMU München. Wenn so ein Vulkan in Unruhe gerät, dann verläuft das in mehreren Phasen. «Was manchmal Wochen oder Monate dauert, ging am Taal jetzt ganz schnell, von Stufe eins auf vier in nur wenigen Stunden.» Da sei grosse Vorsicht geboten. «Die Regierung macht alles richtig, wenn sie jetzt schnell Gebiete rund um den Vulkan evakuiert.»

Zwar zählt der Taal mit seinen 311 Metern zu den niedrigsten Vulkanen der Welt, aber der Geophysiker Torsten Dahm vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) sagt: «Er zählt eindeutig zu den gefährlichen Vulkanen dieser Welt.» 1911 gab es dort 1500 Todesopfer.

Der Vulkan ist hinter der dicken Asche kaum mehr zu sehen. (12. Janaur 2020) Foto: Ezra Acayan/Getty Images
Der Vulkan ist hinter der dicken Asche kaum mehr zu sehen. (12. Janaur 2020) Foto: Ezra Acayan/Getty Images

Der Taal liegt in sehr dicht besiedeltem Gebiet. Nach UN-Angaben leben in der ausgewiesenen Gefahrenzone mit einem Radius von 14 Kilometern fast eine halbe Million Menschen. Sie alle sind angewiesen worden, die Gegend zu verlassen. Zehntausende sind auf der Flucht vor dem Ascheregen, der sich nun in dichten Schichten überall ablagert. Die Leute mussten ihre Autos teils erst freischaufeln, um sich auf den Weg machen zu können.

Der Wind trieb die Aschewolken zuletzt nach Norden, wo Manila liegt. Dort ist der Flughafen gesperrt worden. Vulkanologe Cimarelli spricht von einer äusserst feinen Asche, die der Taal produziert, sie kann sehr hoch steigen und damit auch sehr weit fliegen. Längeres Einatmen ist sehr schädlich, für Menschen, die an Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen leiden, kann sie lebensgefährlich werden. Auf den Strassen führte der Ausbruch schnell zu bedrohlichen Verhältnissen, mancherorts konnten Fahrer so gut wie nichts mehr sehen. So hat es dann auch einen ersten Todesfall gegeben, als ein Lastwagenfahrer in einer engen Kurve die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.

Die Menschen fliehen vor dem Vulkanausbruch. (13. Janaur 2020) Foto: Ezra Acayan/Getty Images
Die Menschen fliehen vor dem Vulkanausbruch. (13. Janaur 2020) Foto: Ezra Acayan/Getty Images

Experte Cimarelli erklärt, warum der Taal zu jenen Vulkanen gehört, die besonders viel Energie freisetzen können. Denn der Vulkan ist von Wasser umgeben, sein Krater bildet eine Insel in einem See, er ist Teil einer grösseren Caldera, also eines vulkanischen Kessels, und der Kontakt von Magma und Wasser kann besonders starke Explosionen erzeugen.

In ruhigen Zeiten wirkt der Taal hingegen äusserst idyllisch, ein hübscher Krater, die Hänge in sattem Grün, in einem tropischen See gelegen. Die Gegend lockt Touristen und auch Hochzeitspaare, die sich vor der malerischen Kulisse das Ja-Wort geben. Am Sonntag wurden dort Chino Vaflor und Kat Bautista Palomar getraut, was kein weiteres Aufsehen erregt hätte, wäre nicht zur gleichen Zeit der Taal aus seinem Schlummer erwacht, er schickte schon Sonntags dickere Wolken in den Himmel, und so kam das Paar zu ganz besonderen Hochzeitsfotos, die nun um die Welt gehen.

Cimarelli sagt, das sei alles noch nicht ausgestanden, gut möglich, dass sich der Ausbruch in den kommenden Tagen noch verstärkt. Und von anderen Vulkanen wisse man, dass gefährliche Glutwolken, auch pyroklastische Ströme genannt, sogar über das Wasser rasen können, sodass der See nicht unbedingt Schutz bietet. Sie erreichen Geschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde und sind bei Vulkanausbrüchen häufig die grösste Gefahr für Menschen in der Nähe. Nicht einmal die Gefahr eines Tsunamis ist auszuschliessen, wenn ein Teil des Kraters zusammenbricht und eine Flutwelle auslöst. Das aber ist laut Cimarelli derzeit nicht zu erwarten.

Die Blitze und die spuckende Lava, das sind nun verlockende Bilder, aber der Geophysiker Dahm rät zu besonderer Vorsicht. Touristen auf den Philippinen sollten keinesfalls versuchen, auf eigene Faust näher an den Taal heranzukommen, um dort Fotos zu machen. In diesen gefährlichen Tagen sei es sogar angebracht, sich lieber noch etwas weiter zu entfernen, als es von den Behörden jeweils empfohlen wird. «Die Lage kann sich innerhalb nur weniger Stunden sehr dramatisch ändern.»

Vulkanausbruch: Zehntausende sind auf der Flucht. Video: AP/Storyful

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