Angst führte wohl zu den Vergiftungssymptomen

Das Postverteilzentrum in Schlieren musste in der Nacht evakuiert werden. Heute stellt sich heraus, dass die negativen Auswirkungen auf Postangestellte und Kunden geringer sind als erwartet.

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Pia Wertheimer@Wertli
Matthias Chapman@matthiaschapman
Raphaela Birrer@raphaelabirrer

Noch in der vergangenen Nacht ging man davon aus, dass rund zwei Millionen A-Post-Sendungen aus den Regionen Zürich und Ostschweiz nicht fristgerecht versandt werden können. Doch nun scheinen weniger Kunden von der gestrigen Evakuation des Postverteilzentrums Mülligen betroffen zu sein: Dank dem ausserordentlichen Einsatz von Mitarbeitenden und Freiwilligen kann diese Zahl auf 800'000 Briefe reduziert werden. Sie seien nach dem Ende der Evakuation freiwillig wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, um den Versandrückstand tief zu halten, sagt Mediensprecher Bernhard Bürki gegenüber baz.ch/Newsnet. Vollständig habe man den vierstündigen Unterbruch aber nicht wettmachen können.

Fall für die Polizei abgeschlossen

Der Alarm wurde um 20.15 Uhr bei der Zürcher Kantonspolizei ausgelöst. Aus zwei Briefen riesle ein unbekanntes weisses Pulver, hiess es. Es mussten 200 Personen vorsorglich aus dem Gebäude des Postverteilzentrums evakuiert werden. 34 Personen mussten in der Folge ins Spital eingeliefert werden.

Heute Mittwoch wurde bekannt, dass es sich bei der verdächtigen Substanz im Postverteilzentrum Mülligen um harmlose Stärke – also Maizena oder dergleichen – gehandelt habe, teilte die Kantonspolizei Zürich mit. Damit sei der Fall «so weit abgeschlossen», so Sprecherin Esther Surber. Die Kantonspolizei war in der Nacht mit einem Chemiefachberater vor Ort. Er habe das verdächtige Pulver analysiert und Entwarnung geben können.

Über die Hintergründe des Vorfalls seien allerdings noch Ermittlungen im Gange. Die Polizei geht davon aus, dass der Anschlag nicht der Post, sondern dem Empfänger gegolten hat.

Patienten dürfen Spitäler wieder verlassen

Nichtsdestotrotz handelte es sich bei der gestrigen Rettungsaktion um einen Grosseinsatz, bei dem sowohl Sanität als auch Feuerwehr ausrückten. Die 34 Patienten, die ins Spital gebracht wurden, hätten gemäss Roland Portmann, Mediensprecher von Schutz und Rettung Zürich, Symptome einer möglichen Vergiftung aufgewiesen – wie zum Beispiel Husten, Kopfschmerzen, Erbrechen, Reizung der Atemwege. «Man konnte also nicht ausschliessen, dass sie mit einer giftigen Substanz in Berührung gekommen sind. In solchen Fällen werden diese Patienten in den zwölf Stunden nach dem Kontakt mit dieser Substanz zur Beobachtung hospitalisiert», hält er gegenüber baz.ch/Newsnet fest.

Die Patienten sind in unterschiedliche Spitäler gebracht worden. Diese würden von Fall zu Fall entscheiden, wie lange eine Behandlung nötig ist. «Ich gehe aber davon aus, dass alle im Verlauf des Tages die Spitäler verlassen können», so Portmann weiter. Weshalb diese Symptome auftraten, obwohl das Pulver gänzlich harmlos war, bleibt unklar. Es deutet jedoch alles darauf hin, dass sie im Zusammenhang standen mit der Nervosität und Anspannung der Mitarbeitenden nach dem Alarm. Post-Sprecher Oliver Flüeler bestätigte denn auch, die «Beunruhigung der Mitarbeitenden war gross».

Verantwortlich ist wohl der Nocebo-Effekt. Christine Rauber vom Toxikologischen Institut Zürich erklärt gegenüber 20minuten.ch: «Ohne dass die Betroffenen eine Substanz einnehmen, weisen sie die Symptome auf.» Sogar Erbrechen sei nicht auszuschliessen. Je mehr Leute involviert seien, desto eher breite sich die Angst vor der Substanz aus.

Das Gelände war während der Evakuierungsaktion grossräumig abgesperrt. Viele Schaulustige hatten sich an der Zürcherstrasse eingefunden, um das Geschehen auf dem Postareal zu verfolgen. Ein Angestellter des Briefzentrums sagte gegenüber baz.ch/Newsnet, er hätte um 20 Uhr Dienstbeginn gehabt. Er habe seine Arbeit aber gar nicht aufnehmen können. Man teilte ihm mit, es sei ein verdächtiges Pulver gefunden worden.

baz.ch/Newsnet

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