«Streunende Katzen müssen getötet werden»

Tierfreunde sind entsetzt: In einem Schreiben fordert ein Beamter des Bafu die Erschiessung von verwilderten Hauskatzen.

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«Streunende Katzen müssen getötet werden!» Die Äusserung von Reinhard Schnidrig, Chef Sektion Jagd, Wildtiere und Waldbiodiversität des Bundesamts für Umwelt (Bafu), entfacht den Zorn der Tierfreunde. In einem E-Mail an Tomi Tomek, Gründerin der Westschweizer Katzenschutzorganisation SOS Chats, schreibt der eidgenössische Jagdinspektor: «Hauskatzen haben in der Natur, insbesondere in Wäldern und Bergen, nichts zu suchen. Man muss sie einfangen und sie ‹auf menschliche Art und Weise› töten. Verwilderte Hauskatzen sind für die lokale Biodiversität äusserst problematisch.»

Entsetzen bei Tierfreunden

Das bringt bei den Tierfreunden das Fass zum Überlaufen. «Das ist ein Skandal. Wir setzen uns doch für die Kastration streunender Katzen ein. Ich weiss nicht, wie ein Wildhüter den Unterschied zwischen einer Hauskatze, die regelmässig nach Hause zurückkehrt, und einer verwilderten Katze feststellen soll», klingt es seitens SOS Chats. Diese Meinung teilt auch der Genfer Nationalrat Luc Barthassat (CVP): «Unsere Wildhüter können nicht auf Wildschweine schiessen. Und jetzt müssten sie auch noch auf kleinere Tiere zielen wie Katzen?»

Der Aufruhr lässt Martin Baumann, Biologe beim Bafu, eher kalt: «Streunende Katzen, wie auch Hauskatzen, richten in der Fauna erhebliche Schäden an. In der Schweiz gibt es schätzungsweise 1,5 Millionen Katzen. Laut einer britischen Studie tötet jede Katze jedes Jahr rund 15 Vögel. Wenn man diese Statistik auf die Schweiz überträgt, sind das über 15 Millionen getötete Vögel.»

Schweizer Wildkatzen vom Aussterben bedroht

Auch andere Tiere seien vom Jagdtrieb der Vierbeiner betroffen. «In gewissen Regionen der Schweiz sind Eidechsen komplett ausgestorben», klagt Matthias Kestenholz, Biologe der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Katzen auch bedrohte Vogelarten angreifen. «Zum Glück leben die meisten Katzen in Agglomerationen oder Dörfern. In diesem Umfeld fallen den Katzen eher Amseln, Spatzen und Meisen zum Opfer.»

Laut den Behörden führen verwilderte Katzen zu weiteren Problemen. «Die aus Afrika stammende Hauskatze kann für unsere wenigen Wildkatzen, die unter anderem im Jura leben, eine Gefahr darstellen», erklärt Jean-Claude Schaller, Wildhüter im Jura. Die Kreuzung dieser zwei Katzenarten könne zum Aussterben der Schweizer Wildkatze führen. «Es kommt selten vor, aber wenn wir Katzen in mehr als 200 Metern Entfernung von einer Wohnsiedlung antreffen, müssen wir sie erschiessen», ergänzt der Jurassier.

(Übersetzung und Bearbeitung: cor)

baz.ch/Newsnet

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