Stammt der Waldjunge aus der Schweiz?

Aus dem Nichts ist in Berlin ein Teenager aufgetaucht, der nicht weiss, woher er stammt. Jetzt gibt es eine Spur in die Schweiz.

Hier ist der Knabe erstmals aufgetaucht: Rotes Rathaus in Berlin. (Archivbild)

Hier ist der Knabe erstmals aufgetaucht: Rotes Rathaus in Berlin. (Archivbild)

David Nauer@davidnauer

Er nennt sich Ray, er ist ungefähr 17 Jahre alt und behauptet, mehrere Jahre mit seinem Vater im Wald gelebt zu haben. Als Papa starb, habe er die Leiche in einem Erdloch vergraben und sei immer nach Norden gewandert bis er in Berlin ankam. Die rätselhafte Geschichte des «Waldjungen» beschäftigt derzeit die deutsche Hauptstadt. Und sie wird immer verwirrender.

Schweizer Grosseltern?

Gut einen Monat ist es nun her, seit Ray vor dem Roten Rathaus auftauchte. Mit sich trug er einen Rucksack voller Winterkleider und ein Zelt. Der junge Mann macht einen intelligenten Eindruck, ist nicht verwirrt und hat gute Tischmanieren. Einzig, woher er kommt, kann er nicht sagen. Er sagt, seine Mutter sei vor fünf Jahren bei einem Autounfall gestorben. Ob das der Grund ist für die Amnesie des Teenagers?

Da Ray nur Englisch spricht und erklärt, sein Vater habe Ryan, seine Mutter Doreen geheissen, glaubt die Polizei zunächst, er stamme aus Grossbritannien. Inzwischen gibt es aber Zweifel daran: Sprachexperten können keinen britischen Akzent feststellen. Nun aber gibt es eine Spur in die Schweiz. Bei der Berliner Polizei hat sich nach Angaben der «Berliner Zeitung» ein älteres Schweizer Ehepaar gemeldet, dessen Sohn seit 18 Jahren verschollen ist. Die beiden glauben, Ray sei ihr Enkel was sie zu dieser Vermutung veranlasst, weiss aber niemand. Die Berliner Polizei wollte sich auf Anfrage des TA zu dem Fall nicht äussern, und die Vormundschaftsbehörde, die sich um Ray kümmert, war nicht zu erreichen.

DNA-Test soll weiterhelfen

Offenbar wird derzeit überlegt, einen DNA-Test durchzuführen. Nur so könnte ermittelt werden, ob Ray und die beiden Schweizer wirklich verwandt sind. Der geheimnisvolle junge Mann gibt sich jedoch nicht sonderlich kooperativ. So hat er sich bereits dagegen gewehrt, dass ein Foto von ihm veröffentlicht wird das einzige bisher bekannte Bild von ihm ist verpixelt. Da seine beiden Eltern tot seien, wolle er sich nun auf sein neues Leben konzentrieren, sagt er. Ein Argument, das die Ermittler verwundert: Sie können nicht verstehen, warum Ray nicht mithilft, das Rätsel um seine Herkunft zu lösen.

Tages-Anzeiger

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